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Lierenfeld
Ein Blumengruß an die Zuschauer

Lierenfeld. Vom 19. bis 22. Mai feiert der St. Sebastianus Schützenverein Lierenfeld sein Fest. Mit von der Partie sind dann auch wieder die Blumenhornträger, denen eine besondere Aufgabe zukommt. Von Sven-André Dreyer

"Eigentlich ist es ein eher undankbarer Job", sagt Werner Nikoley (53) und blickt auf das noch leere Blumenhorn, das beim Gästeschießen in kleiner Runde eine Woche vor dem großen Festumzug am Schießstand in der Sonne glänzt. Das wird erst kurz vor dem großen Festumzug am kommenden Sonntag geschmückt, kann dann aber, gefüllt mit farbiger Blütenpracht, eingebautem Drahtgestell für den sicheren Halt der Blumen und dem Wasser speichernden Schwamm, durchaus schon mal zwischen 15 und 20 Kilogramm wiegen. Auch, wenn es mit einem speziellen Trägersystem ausgestattet geschultert wird: Das ist ein hohes Gewicht, bedenkt man, dass das Horn über die gesamte Wegstrecke des Festumzuges des St. Sebastianus Schützenvereins Lierenfeld von rund vier Kilometern getragen werden muss. "Eine gewisse Fitness ist also Grundvoraussetzung für den Job."

Nikoley muss es wissen. Bevor er vor einigen Jahren in den erweiterten Vorstand des Vereins aufrückte, trug er das Blumenhorn acht Mal. "So schwer das Horn jedoch auch ist, es ist immer auch ein Repräsentieren der eigenen Gesellschaft", sagt Nikoley. "Und für die Zuschauer des Umzuges ein echter Hingucker."

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Das Jäger-Korps, dem er bereits seit 1986 angehört, feiert in diesen Tagen das 90-jährige Jubiläum der Gesellschaft. Und weil das auch eine leicht veränderte Aufstellung im Festumzug bedeutet, in jedem Fall aber eines besonderen Schmucks bedarf, wird das Blumenhorn in diesem Jahr von den Pagen, also den ganz Kleinen des Vereins, in einem ebenfalls geschmückten Bollerwagen gezogen. Die, sagt Nikoley, seien schon jetzt stolz wie Oskar und freuen sich riesig auf die besondere Aufgabe.

Über die außergewöhnliche Aufgabe, das Blumenhorn für seine Gesellschaft zu tragen, freut sich seit drei Jahren auch Alexander Fix. Der 28-Jährige ist 2013 den 1. Grenadieren Düsseldorf-Lierenfeld beigetreten und wurde damals prompt durch seinen Hauptmann zum "Höhnes", zum Blumenhornträger der Gesellschaft bestimmt. "Eine große Ehre, die ich mir in meiner Schützenkarriere nicht mehr nehmen lasse", sagt Fix stolz. Und eine große Erleichterung für seinen Vorgänger. Der nämlich litt unter akutem Heuschnupfen und musste seine Allergie stets mit starken Medikamenten unterdrücken, um das Horn - immerhin zehn Jahre lang - ohne größere Niesanfälle bei der Parade tragen zu können.

So begeistert Fix von der Tätigkeit des Blumenhorntragens ist, so sehr interessiert er sich auch für die Historie der floral geschmückten Kopfauswüchse von Rindern. So recherchierte er, dass die Hörner ursprünglich als Wegzehrung mit Bier gefüllt waren. Bis, so die Legende, im 19. Jahrhundert einem zum Neusser Schützenzug unfertigen Horn der nicht selten kunstvoll verzierte Deckel fehlte. Weil damals die Flüssigkeit aufgrund des fehlenden Verschlusses nicht ohne Weiteres transportiert werden konnte, riet der Hersteller des Horns kurzerhand dazu, das Horn, statt mit Bier zu füllen, mit Blumen zu dekorieren. "Offensichtlich gefiel der farbenfrohe Akzent den Menschen so gut, dass sich das Blumenhorn über die Jahre tatsächlich etablieren konnte", spekuliert Fix. Und das, was nach der großen Parade mit den im Horn verwendeten Pflanzen geschieht, gefällt dann nicht nur Fix, sondern insbesondere auch dessen Frau Jenifer: Die Blumen werden nach dem Festumzug zu kleinen Sträußen gebunden und an alle Frauen des Regiments verteilt.

Quelle: RP
 
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