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Lierenfeld
Lierenfeld startet durch

Lierenfeld. Bauprojekte, Firmenansiedlungen und Zuzüge wandeln das Bild des Stadtteils. Nun fehlt nur noch ein zentraler Platz. Von Torsten Thissen

An wenigen Stellen ist der Wandel von Lierenfeld - oder sollen wir sagen die Auferstehung des Stadtteils - so spürbar wie an der Karl-Geusen-Straße. Bezahlbarer Wohnraum ist hier entstanden, was Kaltmieten zwischen 6,25 und 10,50 Euro pro Quadratmeter meint. Hell und freundlich sind die Räume, großzügig der Schnitt, und anders als früher, sieht man dem Wohnungsbau heute ja nicht mehr an, ob er preisgedämpft ist oder nicht. Die Bäder etwa sind in Sozialwohnungen genauso hochwertig ausgestattet, die Böden sind genauso hell und freundlich wie in Wohnungen auf dem freien Markt. Es ist die Kombination, die letztlich aber den Charme der Kastanienhöfe ausmacht - von sozial gefördertem, preisgedämpften und freiem Wohnungsbau: Zwei Wohnungen sind noch frei, beliebt sind sie bei Lierenfeldern wie bei Zugezogenen. Und davon gibt es reichlich in diesem unscheinbaren Stadtteil Düsseldorfs.

Lierenfeld startet durch. So zumindest sehen es Stadtteilpolitiker, Gewerbetreibende und Anwohner. Und nicht nur die neuen Wohnprojekte, wie eben jene Kastanienhöfe, zeigen das. Die Aufbruchstimmung ist allenthalben spürbar.

So etwa auch auf dem Gelände des ehemaligen Röhrenlagers von Hoberg und Driesch. Jahrelang fragten sich die Menschen in Lierenfeld, wann es denn endlich losgeht. Klar war, dass nach dem Willen der Investoren und aller Beteiligten Wohnungen entstehen sollten, doch nach eben jener langen Zeit, in der scheinbar nichts geschah, glaubten nur noch wenige, dass es dann doch noch passiert. Nun soll das Gelände von etwa 22.000 Quadratmetern Größe Wohnraum für Singles, Paare und Familien bieten, es sollen sowohl Geschosswohnungsbau als auch Doppel- und Reihenhäuser entstehen, außerdem eine neue dreigruppige Kita. Und auch hier: 40 Prozent der Wohnungen sollen preisgedämpft und sozial gefördert sein. Die Sozialwohnungen werden Mietwohnungen sein, die preisgedämpften können vermietet (höchstens 9,60 Euro pro Quadratmeter) oder verkauft werden (höchstens 2500 Euro pro Quadratmeter). So sieht es zumindest die Auslobung des städtebaulichen Wettbewerbs vor. Und der soll bereits in dieser Woche entschieden sein, so dass am Donnerstag erste Entwürfe der Bezirksvertretung vorgestellt werden können.

"Wir haben in den vergangenen zwei, drei Jahren eine tolle Entwicklung gemacht", sagt Claudia Albes aus der Bezirksvertretung 8. Die SPD-Frau verweist in diesem Zusammenhang auch auf die gute Ausstattung der Lierenfelder Schulen, was besonders die neu hinzugezogenen Familien zu schätzen wüssten. Der Wandel des ehemals von Industrie geprägten Stadtteils ist in vollem Gange, und so dynamisch, dass alteingesessene Lierenfelder manchmal gar nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht.

Jüngstes Beispiel: der Umbau des ehemaligen Geländes von Metso-Lindemann zum "Future Campus". Es geht um eine Fläche von 29.000 Quadratmetern für Gründer und Start-up-Unternehmen, die in Lierenfeld ein neues Zuhause finden sollen. Ende 2019 soll alles fertig sein, bis zu 1700 Menschen sollen hier dann arbeiten, wenn es nach den Vorstellungen des Investors Marc Breddermann geht. Seit 2016 schon ist im ehemaligen Verwaltungsgebäude das sogenannte Pionierhaus in Betrieb. 49 Kleinbüros stehen dort zur Verfügung, außerdem Konferenzräume. Mehr als 120 Menschen arbeiten auf dem Gelände. Das Haus ist die Keimzelle für das gesamte ehemalige Fabrikareal an der Erkrather Straße, das demnächst "Future Campus" heißen soll. Dafür werden die bestehenden Fabrikgebäude saniert und neue Gebäude errichtet.

Für Albes fehlt eigentlich nur noch eines im Stadtteil: "Wir bräuchten einen zentralen Platz, ein Zentrum, in dem man sich austauschen kann, wo Leben stattfindet." Für sie wäre der ideale Standort an der katholischen Kirche zwischen Posener Straße und Schlesische Straße.

Quelle: RP
 
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