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Lierenfeld
Proben mit Wohnzimmer-Gefühl

Lierenfeld. Gitarrist John Conley teilt sich wegen der hohen Preise den Raum im Musikbunker mit zwei weiteren Bands. Von Sarah Schneidereit

Nach dem Auftritt in Köln muss John Conley erst einmal wieder das ganze Equipment aus dem Auto in den Proberaum schaffen. Zum Glück gibt es im Musikbunker am Gatherweg ein Treppenhaus ganz ohne Stufen. Fast mühelos schiebt der 22-jährige Gitarrist den Einkaufswagen mit den Verstärkerteilen die kreiselförmige Schräge hinauf. Im Proberaum seiner Band Eleveta angekommen, macht er es sich gemütlich. In dem Raum sieht es weniger nach Bunker und vielmehr nach Wohnzimmer aus.

Seit September 2014 ist John Mieter im Musikbunker. Das Gebäude wurde im Dezember 2012 vom Büro Gil Bronner gekauft, komplett saniert und dann an die Stadt vermietet. 69 der insgesamt 93 Proberäume sind zurzeit vermietet. Der Quadratmeterpreis beträgt zehn Euro, wobei noch eine Grundpauschale von 40 Euro und die Nebenkosten hinzukommen.

Die Kritik an den doch sehr hohen Mietpreisen kann Conley allerdings nicht ganz nachvollziehen. "Musik machen ist ein Hobby, und das kostet halt auch", meint der Halbamerikaner, dessen drei Bandkollegen aus Köln beziehungsweise Oberhausen kommen. Woanders würden die Musiker noch mehr zahlen müssen. "Köln ist wesentlich teurer, deshalb bleiben wir hier", sagt Conley.

Bevor John Conley mit seiner jetzigen Band in den Stadtteil Lierenfeld gezogen ist, hatte er einen Raum im Schlachthof in Derendorf angemietet. "Die Toiletten dort waren aber echt eklig, und die Tür war lediglich mit einem Vorhängeschloss gesichert", erinnert sich der Gitarrist von Eleveta, die eine Mischung aus Punk-Rock und Pop machen. Über die Sicherheit im Musikbunker Gatherweg kann er sich nicht beschweren. "Die Türen hier sind mehrfach gesichert, was wirklich notwendig ist. Immerhin sind hier Sachen im Wert von rund 6000 Euro drin", sagt John, der gerade eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton beginnt.

Dass in dem 20 Quadratmeter großen Proberaum gleich mehrere Verstärker und Gitarren stehen, lässt sich ganz einfach erklären: John Conleys Band teilt sich das Zimmer mit zwei weiteren Gruppen. "So zahlen wir alle nur umgerechnet 26 Euro Miete. Und eigentlich kommen wir auch alle ganz gut miteinander aus." Problematisch werde es nur sonntags, da sich gleich zwei der Bands diesen Tag zum Proben ausgesucht hätten.

Von den Vermietern haben die Musiker die Erlaubnis, zu jeder Tages- und Nachtzeit im Bunker zu spielen. Manchmal ist John aber auch allein im Probenraum und schreibt an neuen Songs oder arbeitet an Demos. "Mich stört das aber nicht, weil man hier so eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre hat." Einmal hat er in dem Raum sogar geschlafen, weil es zu spät geworden war. Ihr erstes Album mit zwölf eigenen Liedern haben Eleveta auch größtenteils im Bunker aufgenommen. Nachdem sie die Wand mit Schaumstoff gedämmt haben, klingt es in dem Raum auch nicht mehr wie in einer Kirche.

Ihren Proberaum wollen John Conley und seine Bandkollegen so schnell auf jeden Fall nicht mehr abgeben. Besonders jetzt nicht, wo sie ihn sich so gemütlich gemacht, eine Wand rot gestrichen und sogar einen Kühlschrank aufgestellt haben.

Für sie gibt es keinen besseren Ort, um an ihrem zweiten Album zu arbeiten.

Quelle: RP
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