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Lierenfeld
Sorge um Zukunft des Schützenfestes

Lierenfeld. Am Wochenende feierten die Lierenfelder Schützen ihr Schützenfest. Doch die Zukunft von Verein und Kirmes ist ungewiss. Mangelnder Nachwuchs und Absagen von Schaustellern bereiten den Schützen Sorgen. Von Julia Chladek

Tradition und Werte, das wird bei den Lierenfelder Schützen großgeschrieben. Seit 1924 besteht die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, auf das Protektorat des Grafen von Spee ist man hier stolz. Doch wie so viele Traditionsvereine kämpfen auch die Lierenfelder Schützen mit Zukunftssorgen.

"Fast alle Vereine schrumpfen und werden kleiner und kleiner. Gerade im Jugendbereich wird es für uns immer schwieriger, Nachwuchs zu finden", berichtet Schriftführer Heiko Jurgasch. "Die Konkurrenzsituation zu anderen Freizeitangeboten wird immer größer. Viele fahren am Freitagabend lieber in die Altstadt oder zum Fußball statt zur Schützenversammlung." Er habe dafür ja Verständnis, sagt Jurgasch, aber Schützenverein und andere Hobbys, das schließe sich doch gar nicht aus.

Schon jetzt klafft in der Jugend der Lierenfelder Schützen eine Lücke: Nur die Pagen und die Jungschützen stellen dieses Jahr ein Königspaar. Bei den Schülern, also der Altersgruppe der 14- bis 15-Jährigen gab es einfach keine Kandidaten. "Vielleicht nächstes Jahr wieder", sagt Jurgasch mit Blick auf seinen Sohn Marvin, der in der laufenden Amtszeit Pagenkönig war.

Zaghaft haben die Lierenfelder deshalb eine Modernisierungsoffensive gestartet. Am Samstagabend gab es mit der "Lierenfeld Live"-Party erstmals ein Kontrastprogramm zum traditionellen Schützenfest. Auch die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen wollen die Lierenfelder intensivieren. Seit einigen Jahren laden sie alle Lierenfelder Kindergartenkinder montags zu Mittagessen und buntem Kinderprogramm ein. "In Zukunft könnten wir uns auch eine Kooperation mit der St. Michael-Grundschule vorstellen", sagt Jurgasch.

Doch der Nachwuchs ist nicht das einzige Sorgenkind der Lierenfelder Schützen. "Leider sieht es auch auf unserer Kirmes dieses Jahr spärlicher aus als sonst", berichtet Schriftführer Heiko Jurgasch.

Der Grund: Viele Schausteller beklagten, der Schützenplatz liege zu versteckt, es gebe zu wenig Besucher und zu wenig zu verdienen. "Sogar ,Bestversteckter Schützenplatz Europas' wurden wir schon genannt. Nach dieser immensen Kritik im letzten Jahr konnten wir für das diesjährige Fest dann noch weniger Schausteller gewinnen", beklagt Jurgasch. Dennoch gebe es auch eine Stammbelegschaft an Schaustellern, die schon seit Jahren immer wiederkomme. "Bei uns gibt es zwar keine Millionen zu verdienen, aber die meisten gehen mit einer schwarzen Null nach Hause und kommen trotzdem gerne, weil es ihnen hier Spaß macht."

Dass die Lierenfelder Schützen trotzdem eine Zukunft haben, sowohl bei Schaustellern als auch bei potenziellen Mitgliedern, davon ist Jurgasch überzeugt. "Bei den Erwachsenen halten wir unsere Mitgliederzahl seit Jahren konstant bei etwa 200. Fast alle, die erst einmal gekommen sind und uns kennen gelernt haben, bleiben dann auch dabei", berichtet er. Allein der Schritt dahin scheint schwerer als gedacht. "Dabei sind wir offen für jeden, der kommen will - egal, wer er ist oder woher er kommt", betont Heiko Jurgasch.

Quelle: RP
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