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Lörick
Banjo-Club belebt die Jazz-Szene

Lörick. Immer dienstags probt der Düsseldorfer Banjo-Club im Pfarrheim der Löricker katholischen Kirche. Etwa 40 Hobby-Musiker lassen die Welt des Dixieland aufleben und genießen den mitreißenden Rhythmus. Von Heide-Ines Willner

Liegt Lörick etwa am Mississippi? Wohl kaum. Doch die Mitglieder des Düsseldorfer Banjo-Clubs (DBC) machen's möglich, wenn sie im Pfarrsaal von "St. Maria, Hilfe der Christen" mit ihren Banjos, Gitarren, mit Mundharmonika, Posaune, Klarinette und Waschbrett in die Welt des New Orleans Jazz, Blues, Dixieland und groovigem Swing entführen. Etwa 40 Hobbymusiker in den besten Jahren, darunter vier Frauen, sorgen allwöchentlich dienstags für ein Feuerwerk mitreißender Dixieland-Musik: Füße wippen, Finger schnippen und kaum jemand, übrigens auch die Musiker selbst nicht, kann sich dem Rhythmus entziehen.

Neben klassischem Jazz werden ebenso amerikanische und irische Folklore, deutsche Ohrwürmer der 1920er Jahre gespielt, und auch der Capri-Fischer hat sich ins mehr als 100 Stücke umfassende Repertoire des Banjo-Clubs geschlichen. Spielleiter ist Posaunist Dieter Grosche, der, wie übrigens die meisten Musiker auch, zwei Instrumente beherrscht. Singen können sie auch und improvisieren sowieso.

Herz des Banjo-Clubs ist der 82-jährige Günter Amendt, der nach dem Zweiten Weltkrieg durch die amerikanische Besatzung für den Dixieland Sound entflammte und sich das Banjospielen beibrachte. Seine Leidenschaft für das Instrument geht so weit, dass er in seinem Stockumer Domizil etwa 300 Exemplare wie in einem Museum hütet. In den 1980er Jahren hatte er keine Lust mehr "im stillen Kämmerlein herumzuklimpern", wie er sagt. So habe er die "First National Banjo Band" gegründet, die aber wieder aufgelöst worden sei. "Für viele Mitglieder war es schwer, Beruf und Hobby unter einen Hut zu bringen."

Amendts Freund Ivo Rabanus, übrigens der einzige Oberkasseler in der Truppe, alle anderen kommen teils von weit her, war der Zwangspause überdrüssig und regte eine Band-Gründung an. Dabei beließ er es aber nicht, sondern suchte einen Übungsraum in Oberkassel. Schon bald kam alles zusammen, was zusammengehört: Rabanus stellte den Kontakt zur Evangelischen Kirchengemeinde her, Amendt sorgte für potenzielle Bandmitglieder. "Am 29. Oktober 1993 sind wir im Turmzimmer der Auferstehungskirche erstmals zusammengekommen", erinnert sich Amendt. "Ein bunter Haufen: Deutsche, Holländer, Franzosen, darunter Ärzte, Polizisten und sogar ein Stadtrat aus Neuss." Die Frage, warum sie dann nach Lörick zogen, wird mit Schulterzucken beantwortet: "Es hat wohl Beschwerden wegen des Lärms gegeben." Aufnahme fand die Band dann im Löricker Pfarrsaal. Damit auch alle ihre Leidenschaft fürs gemeinsame Spiel nicht verlieren, läuft alles locker ab. "Wer kommt, der kommt. Niemand hat die Pflicht, jede Woche zu erscheinen", versichert Amendt und fügt schalkhaft hinzu: "Wer will, kann zwischendurch sogar duschen gehen." Die Freiheit hat allerdings ein Ende, wenn Auftritte nahen. "Zwölf Personen müssen es immer sein, um zum Beispiel bei Jazz-Festivals und der Düsseldorfer Jazz-Rally mitmachen zu können." Auftritte im Stadtbezirk dagegen sind rar, wenn überhaupt. "Wir brauchen Raum und Platz für unsere Auftritte, und der ist nicht überall gegeben", wird erklärt.

Die Zukunft der Band scheint nicht rosig, wenn Amendt rundheraus erklärt: "Die Jazzer sterben aus." Wer aber dienstags mal eine Probe besucht, der hofft, dass die Jazz-Szene in Lörick noch lange weiterleben wird.

Quelle: RP
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