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Lörick
Neue Rheinbrücke bedroht Löricker Atelier

Lörick. Ulrike Holthöfer muss um ihr Haus fürchten. Es steht auf dem Areal am alten Klärwerk. Und das könnte der Strecke der U81 weichen. Von Lisa Klose

Auf den ersten Blick sieht das Gelände des ehemaligen Klärwerks in Lörick unspektakulär aus. Nur noch vereinzelte Gebäude und zwei denkmalgeschützte oberirdische Becken zeugen von der Geschichte des Ortes. Trotz seiner Unscheinbarkeit wird das Klärwerk aber nun Teil einer großen politischen Diskussion. Die Strecke der geplanten Stadtbahn-Linie U81 könnte dort entlang führen - und das, obwohl das Gelände bewohnt ist. Seit zehn Jahren lebt dort die Künstlerin Ulrike Holthöfer. Die Stadt überließ ihr eines der leerstehenden Gebäude, das sie daraufhin sanierte und in ein großes, mehrstöckiges Atelier und eine Wohnung verwandelte.

Hinter dem Begriff U81 verbirgt sich das größte Nahverkehrsprojekt der Stadt nach der Wehrhahn-Linie. Es umfasst die bessere Anbindung des Flughafens an die Innenstadt sowie eine Verknüpfung des Düsseldorfer Nordens mit dem Linksrheinischen, Neuss und Krefeld - über eine Brücke oder durch einen Tunnel. Sieben mögliche Strecken haben die Planer aus dem Verkehrsamt in den vergangenen Wochen den Politikern im Rathaus vorgestellt. Eine Entscheidung fällt frühestens 2020, bis dahin werden alle Varianten untersucht und diskutiert. Die von der Stadt favorisierte Strecke soll nördlich am Klärwerk entlangführen, nicht zuletzt, weil dadurch die Lärmbelästigung für das Wohngebiet in Alt-Lörick reduziert würde.

Ulrike Holthöfer will dies jedoch nicht nur aus persönlichen Gründen vermeiden. Seit sie 1983 ihr Studium an der Kunstakademie begann, konzentrierte sie ihre Arbeiten auf ökologische Aspekte der Kunst und Möglichkeiten der alternativen Städteplanung. Im Anschluss an die Hochschulzeit fing sie an, sich mit dem Gebiet rund um das Klärwerk zu beschäftigen. "Alle meine Kunstprojekte, für die ich im Laufe der Jahre Preise gewonnen oder die momentan auf Wanderausstellung um die ganze Welt gehen, sind hier entstanden", sagt sie. Dieser Grüngürtel zwischen den Siedlungsgebieten von Düsseldorf und Meerbusch solle zum Katalysator für Grünanlagenschutz werden. Ein Raum ihres Ateliers ist ausgefüllt mit einem Modell des Klärwerks, das Holthöfer aus ungebrannten Ton gebaut hat. Sie hat viele Ideen, wie das Gelände alternativ genutzt werden könne und zugleich seine Struktur erhalten bliebe.

"Als ich mich im Jahr 1989 zum ersten Mal mit dem Gelände des Klärwerks beschäftigte, war es ein kleines Naturreservat, wild und voller Tiere", sagt Holthöfer. Auch wenn sie erst 2006 auf das Gelände umzog, besaß sie schon seit 1989 ein Atelier dort. Die Bauarbeiten während der Umfunktionierung zur Regenrückhalteanlage vor zehn Jahren hätten das besondere Naturareal schon erheblich zerschnitten, berichtet sie.

Stadt und Politik wollen die Betroffenen bei der Entscheidung über die Strecke der U81 nach eigenen Angaben intensiv beteiligen. Der Auftakt ist für das Frühjahr anvisiert, bis 2020 sollen die Bürger ihre Anregungen und Wünsche in das Projekt einbringen können.

Dieses Versprechen seitens der Politik lässt die Künstlerin erneut hoffen, trotzdem kritisiert sie das Projekt.

Quelle: RP
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