| 00.00 Uhr

Ludenberg
Jeder Tag ein Abenteuer für den Hund

Ludenberg. Katharina Will leitet eine Tagesbetreuung der besonderen Art: Mit bis zu zehn Vierbeinern geht sie täglich drei bis vier Stunden in die Knittkuhle oder in das Morper Bachtal. Für die Hunde ist dieser Auslauf paradiesisch. Von Marc Ingel

Kaum geht die Tür auf, bekommt der Besucher eine geballte Ladung überschäumender Freude und Neugier, gepaart mit ein wenig Gebell und ganz viel Schwanzwedeln, zu spüren. Die zehn Hunde, vom Terrier bis zum Dobermann, haben sich schnell wieder eingekriegt, gruppieren sich um den Esstisch, an dem Katharina Will Platz nimmt. Sie ist so etwas wie die Rudelführerin, die Hunde gehorchen ihr (fast immer) aufs Wort, in der Regel reicht sogar eine einfache Geste. Zwar hat die 44-Jährige auch schon mal Hundetraining angeboten, inzwischen beschränkt sie sich aber ausschließlich auf die Betreuung. Was zählt: Sie strahlt Autorität aus, die Hunden beweisen Respekt.

"Disziplin und die Bereitschaft, sich in die Gruppe zu integrieren, ist bei mir eine Grundvoraussetzung, sonst kommen die Hunde nicht von der Leine", sagt die Ludenbergerin. Wer sich an die Regeln hält, hat als Hund viel Spaß und erlebt jeden Tag ein Abenteuer. Denn Katharina Will geht mir ihren Rackern nicht mal eben um die Ecke Gassi, sondern unternimmt stundenlange Ausflüge mit ihnen, in die Knittkuhle, den Grafenberger Wald, das Morper Bachtal, wo die Vierbeiner frei laufen dürfen. "Dennoch achte ich natürlich immer darauf, dass sie keine Pferde, Jogger, Radfahrer, Spaziergänger oder andere Hunde belästigen, dass sie nicht im Unterholz verschwinden oder ihrem Jagdtrieb nachgeben. Das ist nicht immer einfach, aber Hunde lernen schnell, schauen sich gewisse Rituale auch von den anderen in der Gruppe ab. Ein paar Verräter gibt's aber natürlich immer", erzählt sie lächelnd. Ebenso wichtig: "Wenn wir wieder zu Hause sind, ist Ruhe angesagt, dann müssen die Hunde runterkommen und können nicht weiter Party machen."

"Grüne Hunde" hat sie ihr kleines, florierendes Gewerbe genannt. Natürlich, weil sie sich viel im Grünen mit ihren Zöglingen aufhält, aber auch, da sich das gut von ihrem Künstlernamen "Pfeffergrün" ableiten ließ. Denn in ihrem ersten Leben war Katharina Will Grafik-Designerin, hat gemalt, gezeichnet, fotografiert. Den Beruf hat sie vor zwei Jahren an den Nagel gehängt, die Hobbys sind geblieben - vor allem das Fotografieren, mittlerweile mit Vorliebe Hunde als Motiv. "Die habe ich schon immer gemocht. Wahrscheinlich, weil ich als kleines Mädchen keinen kleinen Hund haben durfte", erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Zwei im Rudel sind ihre eigenen, einer sucht noch ein neues Zuhause, der Rest wird von Berufstätigen morgens gebracht und abends wieder abgeholt.

Irgendwie seien immer mindestens ein halbes Dutzend Hunde um sie herum, sieben Tage die Woche, zwölf Monate im Jahr, Weihnachten, Silvester. Wenn sie mal einkaufen muss, passt die 17-jährige Tochter kurz auf, auch der Ehemann muss schon mal dran glauben, ein weiterer Sohn lebt aktuell im Ausland. "Ich glaube, beim Friseur war ich das letzte Mal vor zwei Jahren", sagt die Tierliebhaberin überspitzt und schiebt hinterher: "Das ist alles nur eine Frage der guten Organisation."

Wenn Katharina Will mit zehn Hunden an der Leine das Haus an der Bergischen Landstraße verlässt, kann das auch schon mal zu einem Kraftakt werden, gerade, wenn Neulinge dabei sind. "Das ist dann ungefähr so, als ob ich ein Orchester anleite. Die Hunde müssen lernen, meine Körpersprache zu lesen, wer nicht mitmacht, bleibt die gesamte Zeit an der Leine. Sie müssen sich ihren Freiraum erarbeiten", sagt die 44-Jährige, die trotz der hohen Beanspruchung ihrem alten Leben nicht nachtrauert: "Ich liebe Hunde - mit alle ihren Macken."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Ludenberg: Jeder Tag ein Abenteuer für den Hund


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.