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Ludenberg
Männer unter sich

Ludenberg. Wolf-Dietmar Oberhoff ist mit 76 Jahren eines der jüngsten Mitglieder des Düsseldorfer Wanderbundes. Dieser feiert 135-jähriges Bestehen. Jeden Mittwoch legen die Pensionäre eine Strecke von bis zu zwölf Kilometern zurück. Von Marc Ingel

Wolf-Dietmar Oberhoff hat an der Hochschule Heidelberg als Informatik-Professor gearbeitet, inzwischen genießt der Pensionär an der Rethelstraße seinen Ruhestand. Doch allzu ruhig sollte es dann auch nicht sein, und so war Oberhoff durchaus angetan, als eine Zufallsbekanntschaft in der Straßenbahn ihn auf die Aktivitäten des Düsseldorfer Wanderbundes aufmerksam machte. Fünfmal Probewandern, dann war Oberhoff Teil der Gemeinschaft, deren Grundsätze ihm sofort zusagten. Sogar so sehr, dass er seit fünf Jahren Regierender Baas des Bundes ist.

Das klingt ein wenig nach den Düsseldorfer Jonges, und in der Tat gibt es da einen engen Austausch. Da verwundert es nicht, dass in den Satzungen beider Vereinigungen festgeschrieben ist, dass die Männer unter sich bleiben. "Das ist bei uns aber nicht wirklich ein Thema. Die Frauen sind wohl eher froh, wenn die Männer mal aus dem Haus sind", sagt Oberhoff. Außerdem gebe es neben den Wanderungen zahlreiche zusätzliche Aktivitäten bis hin zu der jährlichen Drei-Tages-Tour, wo Frauen sehr wohl mit dabei sind. Und: "Wenn nach dem Tod eines Mannes die Witwe allein zurückbleibt, kümmert sich der Wanderbund um sie", sagt der Baas.

Das Thema Tod ist beim Wanderbund zwangsläufig allgegenwärtig. "Ich zähle mit 76 Jahren zu den Jüngsten", sagt Oberhoff. Die meisten sind in den 80ern, das "Nesthäkchen" ist 65 Jahre alt. Das lange Zeit älteste Mitglied, der ehemalige Vorsitzende Wilhelm Kettner, ist unlängst mit 102 Jahren gestorben. Das zeigt aber auch: "Wandern ist gesund - und bewahrt vielleicht sogar ein Stück weit unsere Jugend. Unsere 80-Jährigen sind jedenfalls alle fit wie ein Turnschuh", sagt Oberhoff.

Jeden Mittwoch treffen sich 30 bis 35 Männer und legen eine Strecke von bis zu zwölf Kilometern zurück. Dann geht's in den Aaper Wald, aber genauso ins Bergische Land oder an den Neandersteig, nach Urdenbach oder Benrath, Kaiserswerth oder Kalkum. "Alles, was zum einen mit dem Öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar ist, und zum anderen historisch oder sonstwie Interessantes zu bieten hat", sagt Oberhoff. Denn die Wanderfreunde wollen immer auch dazulernen, Bauwerke inspizieren, archäologische Besonderheiten kennenlernen, Ausstellungen besichtigen. Und das gilt nicht zuletzt für die Natur, die erkundet werden will. "Wir drehen jeden Stein um, haben uns die Neugier erhalten", bringt es der Baas auf den Punkt. Damit das alles Hand und Fuß hat, führt der stets wechselnde Wanderführer Vorwanderungen durch, um die Strecke auszukundschaften.

Natürlich gibt es auch beim Düsseldorfer Wanderbund nach der sportlichen Betätigung eine Einkehr, "Schlurf" genannt. Aber nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: "Wir sind keine Kumpels, die sich gerne mal volllaufen lassen", drückt es Oberhoff harsch aus. Vielmehr sind es gepflegte Freundschaften, man siezt sich nach Jahren noch. Das mag daran liegen, dass alle Mitglieder einen mehr oder weniger akademischen Hintergrund haben, früher mal Ärzte, Juristen, Vorstände oder eben Professoren waren.

Eigentlich sind die Düsseldorfer Wanderfreunde immer unterwegs, dennoch gilt der Aaper Wald als ihr Heimathafen. Das hängt damit zusammen, dass hier einige vom Wanderbund gestiftete Bänke stehen. Vor allem aber, weil es hier den Hartwich-Gedächtnisweg gibt, eingeweiht vor drei Jahren und benannt nach dem Gründer des Wanderbundes, Emil Hartwich. Eine entsprechende Info-Tafel am Startpunkt in Höhe des großen Parkplatzes erinnert an den Amtsrichter und Sportpädagogen (1843-1886). Das erfreut aus irgendeinem Grund jedoch nicht jeden: "Ständig ist die Tafel beschmiert", ärgert sich Oberhoff, der dann aufs Neues alles (vergeblich) aufwendig säubert.

Er kümmert sich auch um die Archivierung der Historie des Wanderbundes. "Jede einzelne Wanderung seit 1881 ist dokumentiert", sagt Oberhoff, der sogar alte Sütterlin-Schriften übersetzt und dann digitalisiert hat. "Es waren insgesamt um die 7300 Wanderungen, die durchgeführt wurden", erzählt Oberhoff. Und ein paar werden auf jeden Fall noch dazukommen.

Quelle: RP
 
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