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Ludenberg
Pillebachtal im Dornröschenschlaf

Ludenberg. Das Naturschutzgebiet in Ludenberg ist von hohem ökologischen Wert und bietet seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Die in weiten Teilen geplante Renaturierung des Pillebachs ist jedoch ins Stocken geraten. Von Marc Ingel

Das Pillebachtal ist immer einen Ausflug wert. Das Naturschutzgebiet, zu dem auch die Waldstücke Dernkamp und Gallberg östlich der Bergischen Landstraße zählen, schlummert in Konkurrenz von Grafenberger und Aaper Wald sowie Rotthäuser und Morper Bachtal noch zu Unrecht ein wenig im Dornröschenschlaf. Hat es doch viel zu bieten - und zwar Natur pur.

Die Vielfalt der natürlichen Lebensräume war auch der Hauptgrund dafür, das vergleichsweise kleine, nur rund 70 Hektar große Pillebachtal vor 20 Jahren unter Naturschutz zu stellen. Rund um den Pillebach wachsen Erlenwälder und Schilfflächen, in den Tümpeln finden Frösche, Kröten und Molche ideale Lebenbedingungen. Abgestorbene Äste und Bäume bieten Raum für Insekten und nicht weniger als fünf verschiedene Arten von Spechten - eine mittlere Sensation für Ornithologen. Mit 355 Pflanzenarten existieren in dem Gebiet 40 Prozent aller in Düsseldorf nachgewiesenen 950 Arten. 20 davon befinden sich auf der Roten Liste NRW gefährdeter Arten. Es gibt 23 Libellen-, elf Heuschrecken- und 17 Tagfalterarten.

Zur ökologischen Perfektion fehlt eigentlich nur noch, dem Pillebach sein altes Bett zurückzugeben. Doch die beabsichtige Fortsetzung der Renaturierung - mehr als ein Kilometer von geplanten 3,5 des insgesamt 6,5 Kilometer langen Bachs ist bereits aus dem Rohr befreit - ist in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. "Das Planfeststellungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die Planung steht so weit, aber es gibt noch Abstimmungsprobleme mit Grundstückseigentümern", erklärt Kristian Lütz, Abteilungsleiter Wasserbau beim Amt für Stadtentwässerung. Gerade im nördlichen Bereich am Backesberg, aber auch am Kleineforstweg oder der Gräulinger Straße sei man bereits relativ weit, ebenso sehe es in Höhe der Gerricusstraße oder im Bereich des evangelischen Gemeindezentrums an der Gustav-Adolf-Kirche gut aus. Auch noch weiter südlich, wenn der Pillebach in die Düssel mündet, gehe die Renaturierung voran. Südlich des Steinwegs seien die Maßnahmen im Genehmigungsverfahren. Nur im Pillebachtal selbst, so Lütz, "da bewegt sich momentan nichts".

Die Renaturierung ist Bestandteil des Biotopmanagementplans, den das Gartenamt bereits 2004 unter Federführung der Biologischen Station des Vereins Urdenbacher Kämpe aufgelegt hatte. Dabei wurden die Bestände an Pflanzen und Tieren erfasst und bewertet sowie Projekte zum Erhalt der Lebensräume seltener Pflanzen und Tiere vorgeschlagen. In diesem Zusammenhang würde es zu einem Naturschutzgebiet dieser Güteklasse natürlich gut passen, dass auch der Pillebach aus seinem engen Korsett mit Betonschalen in der Sohle, senkrecht stehenden Betonwänden am Ufer und Betonplatten, die den Bach zum Teil abdecken, befreit wird. Tiere und Pflanzen würden davon profitieren, wenn das Wasser nicht mehr rasant ins Tal strömt, sondern, wie es sich für einen Bach gehört, gemächlich plätschert. In den Ausbuchtungen könnten Frösche laichen. Doch bis dieser Zustand erreicht ist, dürfte noch viel Wasser den Pillebach hinabfließen.

Quelle: RP
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