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Mörsenbroich
Ärger in der "Gartenstadt"

Mörsenbroich. Anwohner der Straße Zur Weide im Neubaugebiet Reitzenstein beklagen eine "Fehlplanung". Die Straße Zur Alten Kaserne soll abgebunden werden, um Schleichverkehre zu unterbinden. Diese Idee sei aber unsinnig - und gefährlich. Von Marc Ingel

Im Neubaugebiet Reitzenstein brodelt es. Zumindest die Anwohner der Straße Zur Weide im Westen des insgesamt 23 Hektar großen Areals sind angesichts einer Planung der Stadt auf den Barrikaden. Und dieses Mal hat es nichts mit Bombenfunden in der Erde zu tun, wie es sie auf dem ehemaligen Kasernengelände in den vergangenen Monaten häufiger gab. Worum geht es Das Gebiet mit 800 geplanten Wohneinheiten, das von Immobilienfirmen als "Gartenstadt Reitzenstein" vermarktet wird, wird vor allem von der Lenaustraße im Osten und der Ludwig-Beck-Straße im Südwesten erschlossen, von der Straße Zur Alten Kaserne zweigen dann mehrere Wohn- und Anliegerstraßen ab.

Die Anwohner der Straße Zur Weide prangern nun das Vorhaben der Stadt an, die Kreuzung Zur Alten Kaserne/Ludwig-Beck-Straße abzupollern, um Schleichverkehre, etwa von der Lenau- zur Heinrichstraße Richtung Mörsenbroicher Ei, zu unterbinden. Das Problem Die Straße Zur Weide wird in einer Schleife geführt. Anwohner wie "Abkürzer" seien dadurch nach wie vor in der Lage, das stets offene, noch aus der alten Bundeswehrzeit stammende Tor an der Ludwig-Beck-Straße zu nutzen, um in Richtung A52 oder Innenstadt zu fahren.

Diese Variante sei zumindest allemal wahrscheinlicher, als dass Autofahrer den Umweg über die - wegen vieler Schulen oft kontrollierte - Rethelstraße nehmen. Nur: "Sie müssten dann komplett durch unsere Straße fahren. Die ist aber so schmal, dass keine zwei Autos aneinander vorbeipassen und eines immer gezwungen wäre, auf den Bürgersteig auszuweichen", erklärt Anwohner Igor Ilievski. Und: "Hier hat so gut wie jede Familie Kinder, meine sind zwei und vier Jahre alt.

" Die Gefahr für sie sei bei der Umsetzung der "Poller-Idee" viel zu hoch, die beabsichtigte Sackgassenregelung verlaufe ins Leere. Das schlagen die Anwohner vor Ilievski und weitere Mitstreiter haben binnen kürzester Zeit 140 Unterschriften gesammelt, um diese Planung, die ihrer Meinung nach einen Schildbürgerstreich darstellt, zu verhindern. "Und wir waren noch nicht in den Mehrfamilienhäusern, zudem sind bereits viele Bewohner im Urlaub", fügt der Familienvater an, der überzeugt ist, locker 200 und mehr Unterschriften zusammen zu bekommen.

Die Situation werde sich zudem weiter verschärfen, wenn der große Rewe-Markt an der Alten Kaserne nahe der Lenaustraße fertiggestellt ist. Ilievski würde es für sehr viel wirksamer halten, die Straße Zur Alten Kaserne mit Bodenschwellen oder einer Tempo-10-Regelung so unattraktiv für den Schleichverkehr zu gestalten, dass sich das Problem von selbst erledigt. Das sagt die Stadt Holger Odenthal, stellvertretender Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, bestätigt, dass die Stadt vorhabe, die Straße Zur Alten Kaserne abzubinden, um dem Abkürzungs-Verkehr ein Ende zu bereiten.

Allerdings, und jetzt geht es um wenige Meter, nicht an der Stelle, die die Anwohner beschreiben, sondern etwas weiter östlich, so dass die Anwohner der Straße Zur Weide das Neubaugebiet künftig nur noch über die Ludwig-Beck-Straße befahren oder verlassen könnten - und somit zu einem späteren Zeitpunkt auch nicht mehr direkt von ihrer Haustür aus bis zum Supermarkt fahren könnten, sondern einen Umweg in Kauf nehmen müssten.

"Aktuell gibt es nach wie vor Baustellenverkehr, das neue Wohngebiet ist noch nicht fertiggestellt. Wir haben keinerlei Erfahrungswerte und müssen testen, wie sich die Verkehrserschließung in der Praxis bewährt", sagt Odenthal. Am Rande Wie die Anwohner berichten, sei die Toreinfahrt an der Ludwig-Beck-Straße zeitweise komplett abgepollert gewesen. Nach entsprechenden Beschwerden sei zumindest einer der Pfeiler wieder entfernt worden, so dass zumindest Pkw, aber keine Lkw mehr durchfahren können.

"Es kann doch nicht sein, dass ein solch großes Wohngebiet nur über eine Straße erschlossen wird", sagt Ilievski. Allerdings: "Wir als Stadt waren das nicht", sagt Odenthal. Ob eine Privatperson, die einen Schlüssel für den Poller besitzt, dort tätig war, oder womöglich eine Baufirma, ist ungewiss.

Quelle: RP
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