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Mörsenbroich
Auf der Suche nach den Sternschnuppen

Mörsenbroich. Akio Taoka beobachtet regelmäßig den Sternenhimmel. Für eine gute Sicht sucht er die Höhen Düsseldorfs auf. Von Alexandra Wehrmann

Akio Taoka beobachtet regelmäßig die Sterne. Natürlich weiß der Hobby-Astronom auch, wo man den besten Blick auf die derzeit besonders zahlreichen Sternschnuppen hat.

Der Standort sollte möglichst hoch gelegen sein, so Taoka, frei von Abwärme, vor allem aber von störendem Licht, Straßenlaternen, Leuchtreklamen und Ähnlichem. "Je dunkler es ist, desto besser sieht man die Sterne", erklärt der 47-Jährige. Der Segelflugplatz sei ein geeigneter Ort. Und so radeln wir weit nach Mitternacht von seiner Mörsenbroicher Wohnung stetig bergauf gen Knittkuhl. Am Rande des Aaper Walds, wo das freie Feld beginnt, legen wir die Köpfe in den Nacken. Erste Überraschung: Der nächtliche Himmel ist nicht schwarz, wie angenommen. Eher mittelgrau. "Lichtverschmutzung", sagt Taoka und weist dorthin, wo der Himmel auffällig hell ist: "Da liegt der Flughafen." Anderenorts sei die Lichtverschmutzung übrigens noch ausgeprägter als in Düsseldorf. Von seiner Heimatstadt Tokyo aus beispielsweise seien die Sterne fast nie zu sehen. Über Knittkuhl hingegen strahlen sie in dieser Nacht ziemlich hell. Allein die Augen müssen sich erst einmal an die Situation gewöhnen. Je länger wir gen Firmament schaut, umso mehr Sterne können wir erkennen. Zunächst sieht man nur die großen. Nach und nach tauchen aber auch kleinere auf. Irgendwann sind es Unzählige. "Die Augen brauchen etwa 20 Minuten, bis sie sich darauf eingestellt haben", weiß der erfahrene Sternengucker.

Seit etwa zehn Jahren beobachtet Taoka regelmäßig die Himmelskörper. Fast immer vom Balkon seiner Erdgeschosswohnung aus. Dort hat "der Balkonaut", wie er sich selber nennt, zwei Teleskope aufgebaut. Für die Beobachtung von Sternschnuppen seien die Fernrohre allerdings ungeeignet, "der Ausschnitt, den man sieht, ist einfach zu klein". Sternschnuppen, erklärt Taoka, gebe es übrigens jede Nacht. Rund um die sogenannte Perseiden-Nacht am 12. August sei die Chance, sie zu sehen, allerdings besonders hoch. Dann gehe ein regelrechter Sternschnuppen-Regen nieder. In diesem Jahr blieb der allerdings in Düsseldorf hinter einer dichten Wolkendecke verborgen.

Taoka lässt seine Blicke über den Himmel streifen und spricht über Entfernungen. Der Mond sei ja mit 384.400 Kilometern noch vergleichsweise nah dran an der Erde. Der Saturn hingegen liege unglaubliche 92 Lichtminuten entfernt. Wie viel das in Kilometern entspricht, muss er auf dem Handy nachschauen: 1657 Millionen Kilometer. Unvorstellbare Dimensionen. Wir verfallen in Schweigen. Ein Raubvogel schickt seine Schreie in die Knittkuhler Nacht. Es ist einer dieser Momente, in denen man sich klein und unbedeutend fühlt. Wie im Angesicht des Ozeans. Oder der Berge. Und dann glimmt sie plötzlich auf. Über den Baumkronen des Aaper Waldes. Eine Sternschnuppe. Kaum entdeckt, ist sie schon verschwunden. Wie ein Streichholz, das beim Versuch, es zu entzünden, kurz aufflammt und gleich wieder erlischt.

Woher der Aberglaube kommt, dass mit jeder Sternschnuppe ein Wunsch in Erfüllung geht, weiß Taoka nicht. Fakt ist, dass die Perseiden nicht überall ein so gutes Image genießen wie in unseren Breiten. In der Mongolei gelten sie als Zeichen von Unglück. Und auch die Ureinwohner der Adamanen-Inseln fürchten sie. Sie sehen darin Fackeln, mit denen böse Geister Jagd auf Menschen machen, wenn sich diese nachts im Freien aufhalten. Müssen wir also Angst haben? Taoka lacht: "Nein, de facto handelt es sich ja bei Sternschnuppen um winzige Bruchstücke aus einem Kometenschweif, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen." Aber so nüchtern möchte das wohl kaum jemand sehen.

Quelle: RP
 
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