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Mörsenbroich/Derendorf
Die Damenreiterinnen bleiben bei den Schützen exklusiv

Mörsenbroich/Derendorf. Beim Festzug präsentierten sich auch die beiden Damen-Corps der Derendorfer St.-Sebastianus-Schützen. Von Oliver Burwig

Reiter, Pferde und Kutschen gehören zu einem Schützenfest wie der Hase zu Ostern. Dennoch gibt es eine Tradition im Schützenwesen, die es noch nicht so lange gibt: Weibliche Mitglieder und Schützenkompanien sind erst seit 1960 zugelassen. Mit der Gründung des Derendorfer Amazonencorps wurde aus einer reinen Männerveranstaltung ein Fest für jedermann.

Annemie Koelmann (73) ist nicht nur Gründungsmitglied des Amazonencorps, sondern auch des 1974 entstandenen Damenreitercorps. "Frauen sind früher immer mitgelaufen, durften aber nicht aktiv an den Schützenveranstaltungen teilnehmen." Da Frauen als Mitglieder damals nicht erlaubt waren, musste also eine eigene Kompanie her: das Amazonencorps. Das hatte bald aber bald so viele Mitglieder, dass Koelmann das Regiment um das Damenreitercorps erweitern musste. Mittlerweile sitzt sie als dessen Ehrenvorsitzende beim Festumzug nicht mehr im Sattel, sondern in einer Kutsche.

Beinahe hätten die beiden weiblichen Reiterkompanien ihre Pferde im Stall lassen müssen. "Wäre es noch heißer, dann hätten wir nicht reiten können", sagt Claudia Schmidt, Rittmeisterin des Amazonencorps. Denn an derart hohe Temperaturen am Festwochenende kann sich bei den Derendorfer Schützen niemand erinnern. Die Feuerwehr und viele Wasserkanister sorgen dafür, dass die Pferde bei mehr als 30 Grad auf der Straße genügend trinken. Neben Hitze können aber auch Straßenlärm und Martinshörner eine Belastung für die Tiere sein. "Man kann nicht jedes Pferd für Umzüge nehmen", sagt Heinz Witting, dessen Reitstall die beiden Kompanien seit mehr als 20 Jahren versorgt. Er trainiert die Friesen, Hannoveraner und die riesigen rheinischen Kaltblüter, auf denen die Herolde sitzen. "Das ist eine Tradition aus dem Mittelalter, da saßen die Ritter auch auf großen, schweren Pferden", sagt Witting.

Für die fünfjährige Nele, das jüngste Mitglied des Amazonencorps, wären die wohl etwas zu groß - obwohl sie keine Angst vor den Tieren hätte. Sie reitet stattdessen auf einem 1,50 Meter großen Pony, das beim Umzug an der Leine geführt wird. Ihre Mutter Melanie Siebert ist wie ihre Tochter zum ersten Mal mit dabei. "Das ist schon ein Mädchentraum von Nele, auf einem Pferd zu sitzen", sagt Siebert. Allein reiten darf beim Amazonencorps nur, wer mindestens fünf Jahre Reiterfahrung hat. Die Exklusivität der weiblichen Kompanien wollen Koelmann und Petra Kainz vom Damenreitercorps erhalten.

"Frauen gehörten bei uns immer dazu. Sie können auch Regimentsköniginnen werden", sagt Schützenchef Heinz-Willi Lang. Die hat es bisher zwar noch nicht gegeben, Frauen stritten jedoch regelmäßig um die Königswürde mit.

Quelle: RP
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