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Mörsenbroich
Pfarrer Dielmann geht nach Melbourne

Mörsenbroich: Pfarrer Dielmann geht nach Melbourne
Mit Landkarten und Fotos hat Pfarrer Christoph Dielmann seiner Gemeinde in der Thomaskirche gezeigt, wo es für ihn und seine Familie hingeht. FOTO: B. Schaller
Mörsenbroich. Nach 15 Jahren nimmt der bekannte Pfarrer von Düsseldorf Abschied. In Australien übernimmt er eine Pfarrstelle in der deutschen evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitsgemeinde und will auch dort wieder zur Gitarre greifen. Von Semiha Ünlü

Christoph Dielmann kennt sich im Abschied nehmen aus. In den vergangenen Jahren hat er sich immer wieder ein Stückchen mehr von dem Gedanken verabschiedet, eines Tages eine Pfarre im Ausland zu übernehmen. Mal scheiterte er knapp im Auswahlverfahren, dann bekam er eine Zusage für ein Land (Thailand), in dem er wegen politischen Unruhen Sorge hatte um die Sicherheit seiner Familie (er ist verheiratet und hat zwei Kinder) und ablehnte. Doch jetzt ist es soweit: Nach 15 Jahren in der evangelischen Thomaskirche in Mörsenbroich darf der 46-Jährige Tschüss sagen zu Düsseldorf.

In wenigen Tagen fliegt er mit seiner Familie nach Australien, um in Melbourne eine Pfarre in der deutschen evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitsgemeinde für sechs Jahre zu übernehmen. Dennoch liegt auch ein wenig Wehmut in seiner Stimme, wenn er darüber spricht, wie er sich in den vergangenen Wochen von den Menschen in seiner Gemeinde verabschiedete. "Einige der Ältesten sagten, dass sie sich eigentlich von mir beerdigen lassen wollten", sagt Dielmann. Das habe ihn bewegt. "Und ich sagte ihnen dann, dass ich doch froh bin, dass wir uns lebendig verabschieden konnten."

Eine Karte von Australien und ein Bild von der neuen Kirche in Melbourne würden ihm dabei helfen, sein Ziel trotz der emotionalen Worte und Momente, von denen es in letzter Zeit so viele gab, nicht aus den Augen zu verlieren und den Menschen in seiner Gemeinde zu zeigen, wo er mit seiner Familie in wenigen Tagen hinziehen wird.

"Ich bin ein begeisterter Seelsorger, der seiner Gemeinde verpflichtet ist", sagt Dielmann. Gerade weil er so viel Leidenschaft für sein Amt empfinde, habe er sich in den vergangenen Jahren immer wieder umgesehen nach Auslandspfarren, um sich weiterzuentwickeln, neue Ideen zu finden und alte auf den Prüfstand zu stellen. "Ich bin ein impulsiver Mensch und positioniere mich gerne auf der Kanzel", sagt er. Doch in seiner neuen Gemeinde wolle er erst einmal zuhören.

In Mörsenbroich kannte und schätzte man den 46-Jährigen für viele Dinge. Im Dezember 2012 lud er zum Beispiel zu einer besonderen Andacht und schaltete per Internet den zwei Jahre zuvor bei "Wetten, dass..." verunglückten Samuel Koch zu. Jedes Jahr verfasste er ein neues Krippenspiel in Reimform. Und immer wieder brachte er sich musikalisch ein, spielte in seiner Kirche auf einer seiner vielen Gitarren auch populäre Lieder, zum Beispiel von Sting.

Zu seiner Gitarre greifen - das will er auch in der deutschen evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitsgemeinde in Melbourne. In der Gemeinde warten viele Deutschstämmige auf ihn - die Gemeinde war vor rund 160 Jahren gegründet worden. "Da sind Menschen, die sich als Australier fühlen und denken, die aber doch an Weihnachten ganz gern ,O du Fröhliche' auf Deutsch singen oder die mit den Kindern den Martinsumzug machen oder ein Krippenspiel aufführen", sagt Pfarrer Dielmann. Der Kirchenrat vor Ort lege viel Wert auf die evangelische Tradition für Australier deutschen Ursprungs: "Die Gemeinde feiert ihr Gemeindefest zum Beispiel als Reformationsfest. Und jedes Jahr kommt jemand als Luther verkleidet und nagelt dort an eine Tür die Thesen. Sichtbar, sinnlich!"

Nach den vielen Abschieden in Düsseldorf ist bald Zeit für Begrüßungen: "Ich bin schon zu zwei Dritteln in der neuen Gemeinde", sagt Dielmann.

Quelle: RP
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