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Derendorf
Neue Aktion für Off-Kunst

Derendorf: Neue Aktion für Off-Kunst
Leonard Pleschberger konnte fünf Künstler für sein Kunstprojekt gewinnen. Für die Ausstellung hat ein Bekannter seine Wohnung zur Verfügung gestellt. Zu sehen sind FOTO: Christoph Göttert
Derendorf. Wer Zeichnungen, Gemälde und Fotografien sehen möchte, geht ins Museum. Wer Kunstobjekte kaufen möchte, besucht Galerien, in denen die Exponate oft zu Höchstpreisen angeboten werden. Dass Bilder und Installationen nicht grundsätzlich in den meist weiß gestrichenen Räumen – sogenannten "Whites Cubes" – der Galerien ausgestellt werden müssen, beweist Leonard Plescherger. Der 25-Jährige nutzt seine Kontakte zu Künstlern, um mit ihnen die Off-Szene des Düsseldorfer Kunst-Lebens zu erweitern. Pleschberger präsentiert am Sonntag erstmals eine Ausstellung in einer Privatwohnung eines Bekannten. Von Holger Lodahl

Routinen der Kunst-Szene ändern

"Mit der Ausstellung möchten wir das routinierte Galeriewesen ankratzen", sagt Pleschberger, der zurzeit an der Heinrich-Heine-Universität studiert. Der Gegensatz zu professionellen Kunsthändlern könnte kaum größer sein. Wer die Schau mit dem Titel "Natürliche Vermessungen" sehen möchte, geht an der Yorkstraße 1a durch die Garageneinfahrt, durch eine Tür, in den ersten Stock und dort in die Wohnung. Diese hat der gegenwärtige Bewohner, der Düsseldorfer Frisör Marc Booten, in einem fast ursprünglichen Zustand gelassen. Die Wände tragen weder Tapete noch Farbe, der Boden ist nicht mit Teppich oder Laminat belegt, und die Möbel kann man als "Shabby Chic" bezeichnen, eine Mischung aus Erbstücken und Flohmarktschnäppchen.

In dieser Einrichtung heben sich die ausgestellten Kunstwerke angenehm ab. Fünf Künstler konnte Pleschberger für sein Projekt gewinnen. Die belgische Fotografin Mireille Schellhorn zeigt einige Fotografien in Schwarz-Weiß von trockenen Holzhaufen in Wäldern. "Die Fotos widersprechen den üblichen perspektivischen Kompositionen, weil Schellhorn auf jegliche Fluchtpunkte verzichtet", sagt Pleschberger. "Der Betrachter wird herausgefordert und soll sich fragen, ob die Holzhaufen von Menschen gemacht worden sind."

Mit analoger Fototechnik arbeitete der Essener Designer Sven Dirkmann. Er zeigt einige Fotografien von Industrieräumen des Ruhrgebiets. Das Originelle daran: Der Entwicklungsflüssigkeit fügte er Kaffee hinzu, so dass die Bilder ein Braunstich bekamen. Auch einige Selbstporträts stellt Dirkmann aus. Als Akt räkelt er sich auf eine Couch. Dank einer Langzeitbelichtung sind Arme und Beine verschwommen abgebildet, die Umgebung jedoch scharf.

Kirsten Lampert, Kunstakademie-Dozentin für Mal-Techniken, zeigt mehrere Aquarell- und Buntstift-Zeichnungen mit Eindrücken einer Italienreise. Kurzfristig der Schau hinzufügen wird die Kunst-Studentin Anna Weber einige Arbeiten.

Die Bilker Künstlerin Erinna König stellt einen Teil ihrer Serie "Heimatkunde" aus. Dafür hat sie handelsübliche Postkarten internationaler Städte teilweise übermalt, digitalisiert, vergrößert ausgedruckt und erneut mit Farbe verändert. König macht gern bei Pleschbergers Projekt mit. "Die Präsentation von Kunst jenseits der Galerien ist sehr wichtig", sagt die Bilkerin, die um 1970 Meisterschülerin von Joseph Beuys war. "Viele Galeristen sind zu kommerziellen Händlern geworden und zeigen kaum mehr Neues und Ungewöhnliches."

Leonard Pleschberger gab dem temporären Ausstellungsraum den Namen "Y1A2012", womit er sich auf die Adresse (Yorkstraße 1a) und das Jahr 2012 bezieht. "Y1A2012 soll ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Auseinandersetzung mit Kunst sein", sagt er.

Quelle: RP
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