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Niederkassel
80 Reiter auf den Rheinwiesen

Niederkassel: 80 Reiter auf den Rheinwiesen
Einige Reiter zogen schwarze Regenwesten über ihre roten Jacken - und starteten dann ihren 18-Kilometer-Ritt. FOTO: Anne Orthen
Niederkassel. Regen und Wind bestimmten gestern die Schleppjagd in Niederkassel. Die Reiter, begleitet von etwa 40 Jagdhunden, beeindruckte das nicht. Sie ritten bis nach Büderich und wieder zurück. Von Heide-Ines Willner

Der Blick zum Himmel versprach nichts Gutes: Regen und Wind drohten, die diesjährige Schleppjagd zu vereiteln. Doch alle Skeptiker wurden vom Durchhaltevermögen der Reiterschar überrascht. "Wir kennen kein Wetter", tönte es fröhlich über die Rheinauen. Und manche Zaungäste auch nicht, die in fester Kleidung auf dem Deich dem kräftigen Wind standhielten. Geduld war gefragt, denn bevor der Hegering Oberkassel zum Halali blies, trainierten die Besitzer ihre Pferde, "damit sie locker werden", wie erklärt wurde. Angesichts einiger Sonnenstrahlen, war die Warterei dann auch nicht besonders schlimm. Es gab ja schließlich auch viel Staunenswertes zu sehen, denn etlichen Reitern musste mit einer Trittleiter aufs Pferd geholfen werden. "Ist so üblich", wurde kurz erklärt.

Dann war es so weit, startete die Jagdgesellschaft ihren 18 Kilometer-Ritt über die Rheinwiesen. Gefolgt von etwa 40 temperamentvollen Jagdhunden, die von den ersten Reitern mittels künstlicher Fährte aus Fuchs-Urin angelockt wurden. Zuerst ging's Richtung Oberkassel, dann zurück und weiter bis zur ehemaligen Modellflugwiese in Büderich. Um der Erschöpfung vorzubeugen, wurde in Höhe von Mönchenwerth eine Rast eingelegt und die Reiter vom Bagagewagen aus mit Getränken versorgt, wobei auch ein Gläschen Sekt nicht fehlte.

Eingeladen hatten die Jagdherren Heinz Hermanns, Heinz Schanowski, Christian Renette und nicht zuletzt Herbert Albers, der mit 80 Jahren der Älteste in der Gesellschaft war und seit 2005 regelmäßig an der Niederkasseler Schleppjagd mit seiner Stute Wittby teilnimmt. "Ich reite jeden Tag", erklärt der Ratinger seine gute Kondition. Heinz Hermanns dagegen musste passen, weil er sich verletzt hatte. "Es kostet viel Kraft, so einen Ritt durchzustehen", sagte er und alle Reiter drumherum nickten zustimmend.

Die Jagdherren haben dann ja auch wichtigere Aufgaben zu bewältigen. "Wir sind für den reibungslosen Ablauf der Jagd verantwortlich", erklärt Hermanns. "Und wir müssen die Verhandlungen mit den Grundbesitzern führen, über deren Land Pferde und Hunde jagen." Und sie kümmerten sich um die Hindernisse, die von den Reitern entweder übersprungen oder umritten werden, je nach Vorliebe und Können.

Am 25. Oktober 1978 gab es die erste Schleppjagd in Niederkassel. Laurentius Meuser, Hans Vossen und Franz Meuser, die alle schon gestorben sind, hatten sie "ins Dorf geholt". Vossens Tochter Annegret Vorkauf ist mit Pferden aufgewachsen. "Ich habe schon mit 18 Jahren an der Jagd teilgenommen", sagt sie, die das Erbe des Vaters pflegt. Nach dem Tod der Initiatoren stellte sich die Frage: Machen wir weiter? Albers: "Wir haben erfolgreich darum gekämpft, die Schleppjagd zu erhalten." Froh sei er, "dass nun mit dem 32-jährigen Christian Renette als Jagdherr auch die jüngere Generation am Zuge ist, die Schleppjagd erstmal erhalten bleibt". Hermanns, der aus einer alten Niederkasseler Familie stammt und neben Frank Medzech Rittmeister im Niederkasseler Reitercorps ist, hat auch noch die Aufgabe, die Strecke zu sichern, damit die Pferde nicht ins Straucheln geraten. "Mein Problem sind die nicht angeleinten Hunde, die überall Löcher buddeln." Zwei Fuhren Sand seien nötig gewesen, um sie zu stopfen. Doch der Ärger ist spätestens dann verfolgen, wenn die Jagdgesellschaft nach dem Ritt auf Einladung der Jagdherren gemütlich im Gasthaus beisammen sitzt. Diesmal bei deftigem Gulasch im Joh.- Albrecht-Brauhaus.

Quelle: RP
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