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Niederkassel
Dorfschänke hat wieder geöffnet

Niederkassel. Das Traditionslokal in Niederkassel präsentiert sich mit neuem Konzept und nostalgischem Charme. Die Küche setzt auf eine Bandbreite von Bulette bis Côte de Boeuf. Von Ute Rasch

Die Hirschgeweihe waren immer schon da. Nur das Pistaziengrün der Wand, an der sie vom Jägerstolz berichten, das ist frisch. So ist das in der alten, neuen Dorfschänke in Niederkassel: Die Vergangenheit ist spürbar, wird von der Gegenwart nicht nur geduldet, sondern als starker Partner akzeptiert. Diese Mixtur will auch die Küche bieten: Sie serviert Buletten zum Bier an der Theke oder ein lange gereiftes Côte de Boeuf vom amerikanischen Rind am weiß gedeckten Tisch mit Goldrandporzellan. Tradition soll neu buchstabiert werden - mit einer kräftigen Portion Alt-Niederkassel und einer Prise Provence.

Die Malerei an der Hausfassade erinnert an die 150-jährige Vergangenheit des "Treidelhuf von Neerkassel", sie zeigt drei Pferde die ein Fischerboot über den Rhein ziehen (Treideln), in den Reusen zappelt der Fang. Treideln war harte Arbeit, Pausen waren wichtig, dafür gab es die Dorfschänke. Als die Dampfschifffahrt das Ruder auf dem Rhein übernahm, kamen andere Gäste, das Brauchtum ging hier vor Anker, das Dorf feierte im Saal und schob auf der Kegelbahn eine ruhige Kugel. So viel zur Tradition.

Viele Pächter kamen und gingen, der letzte nach viel Ärger und einer fristlosen Kündigung. Gegen den hatte Heinz Meuser von der Besitzerfamilie der Dorfschänke schließlich vor dem Landgericht geklagt, weil knapp 62.000 Euro Pacht nicht gezahlt worden seien. Doch der Pächter war offenbar pleite, er stellte kurz darauf einen Insolvenzantrag. Seit Februar blieb die beliebte Kneipe dann geschlossen. Gerüchte, dass an diesem Traditionsort Eigentumswohnungen entstehen sollten, hatten für Unruhe im Dorf gesorgt, sie erwiesen sich aber als falsch.

Nun glaubt Heinz Meuser mit einem neuen Trio den goldenen Griff getan zu haben: Mike van Hauten (Profi in der Düsseldorfer Gastro-Szene, der unter anderem die Löffelbar gegründet hat), Michael Künzer und Kai Uhrig. Sie haben in den letzten Monaten und fast im Zeitplan die Räume gründlich renoviert, manches - wie der Fußboden im Restaurant-Teil - sieht aus, als wäre er 100 Jahre alt, besteht aber aus neuen, handgegossenen Zementfliesen. "Abwechslung, aber kein radikaler Umbruch", wegen dieses Konzepts hätten die neuen Pächter den Zuschlag bekommen, so Heinz Meuser.

Im vorderen Kneipenteil sitzen die Gäste an der Theke oder auf neuen Bänken mit cognacfarbenen Speckpolstern. Hier gibt's Brötchen mit fingerdick geschnittenem Gouda und ein täglich wechselndes Feierabendgericht zum günstigen Preis. Ansonsten setzt auch die Speisekarte auf eine Bandbreite von deftig (Herbsthimmel & Ähd, Bratwurst mit Kürbis-Süßkartoffelpüree) bis fein (Wildschwein mit Schololade). Und den Steaks aus Irland und den USA wird im katalanischen Holzofengrill bei 350 Grad kräftig eingeheizt.

In den nächsten Tagen werden auch die beiden alten Säle in der ersten Etage (einer wurde in Nachkriegszeiten als Kinosaal genutzt) fertig renoviert sein, damit das Dorf seine Feste feiern kann. Auch die Kegelbahn wurde wieder belebt für Geselligkeit mit nostalgischem Charme. Noch eine Weile wird es allerdings dauern, bis der beliebteste Teil der Dorfschänke wieder aktiviert wird: der Biergarten unter der alten Kastanie - für Sommerfrische der zeitlosen Art.

Quelle: RP
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