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Niederkassel
Dorfschänke ist vorerst gesichert

Niederkassel: Dorfschänke ist vorerst gesichert
Die Dorfschänke in Niederkassel ist in finanzielle Schieflage geraten. Dennoch läuft der Betrieb vorerst normal weiter. FOTO: Anne Orthen
Niederkassel. Der vorläufige Insolvenzverwalter gibt bis Ende Mai Entwarnung. Gehälter könnten ausgezahlt, der Betrieb könne aufrechterhalten werden. Gläubiger sind jedoch sauer, Ex-Mitarbeiter klagen über ausstehende Gehälter. Von Marc Ingel und Heide-Ines Willner

Mike van Hauten und Kai Uhrig sind Geschäftsführer der "Drunken Sailor GmbH". Gemeinsam mit ihrem inzwischen gestorbenen Partner Michael Künzer hatten sie die beliebte Dorfschänke in Alt-Niederkassel im Oktober 2016 übernommen. Nur eineinhalb Jahre später ordnete das Amtsgericht Düsseldorf am 3. April das Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen wegen Zahlungsunfähigkeit an. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Düsseldorfer Rechtsanwalt Christian Holzmann von der Kanzlei CMS bestellt. Er hat sich in den vergangenen Tagen einen ersten Überblick über die Situation vor Ort verschafft und sagt: "Die Löhne und Gehälter für circa zehn Mitarbeiter sind zunächst für die Monate März und April über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert."

Der Geschäftsbetrieb könne vorerst aufrechterhalten werden. Zudem verfüge die Gesellschaft nach Auskunft der Geschäftsführung über feste Aufträge im April und Mai mit einem fünfstelligen Volumen. "Vergleichbare Umsätze aus dem Vorjahr für diese Monate lassen, wie die Geschäftsführer mir versichert haben, auf bis zu 50.000 Euro im Monat hoffen", so Holzmann. Was die genauen Ursachen für die finanzielle Schieflage seien, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. "Wir haben nun aber erst einmal bis Ende Mai Zeit gewonnen, um mögliche Sanierungsoptionen zu prüfen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand hat die Geschäftsführung unter Hinzuziehung anwaltlicher Hilfe ihre Antragspflicht nach der Insolvenzordnung beachtet", sagt Holzmann.

Die angestoßene Insolvenz der Dorfschänke sorgt natürlich dennoch für Aufregung "im Dorf", vor allem aber bei den Gläubigern. Einen von ihnen, der anonym bleiben will, stört die Aussage von Mike van Hauten, der gegenüber der RP über die Gründe des Insolvenzantrages zwar noch keine Auskünfte geben wollte, jedoch versichert hatte, dass der Betrieb normal weiterlaufe. Geöffnet war dann in der Tat in den vergangenen Tagen, Gäste waren ebenfalls da. "Ich wundere mich dennoch über derartige Aussagen der Geschäftsleute", so der Gläubiger. Mit Rechtsanwälten und Banken verhandeln, das klinge professionell. "Gleichzeitig warten Lieferanten aber auf ihr Geld, das sie nicht mehr sehen werden, ich gehöre dazu." Da hätte er den Betreibern ein wenig mehr Demut empfohlen.

Ferry Weber war bis vor kurzem etwas mehr als ein halbes Jahr lang Betriebsleiter in der Dorfschänke - bis er kündigte. "Ich habe die soziale Kompetenz im Umgang mit den Mitarbeitern vermisst", sagt er. Was jedoch noch schwerer wiege: "Das Gehalt kam immer unpünktlich, ich warte jetzt noch auf eine größere Summe und weiß von fünf weiteren Mitarbeitern, denen es ähnlich ergeht." Prinzipiell, so Weber, sei es im Umgang mit den Gesellschaftern stets chaotisch zugegangen. "Ich dachte, das könne man in den Griff kriegen, dem war aber nicht so."

Geschäftsführer Kai Uhrig weist die erhobenen Vorwürfe zurück: "Das ist Unsinn. Es gibt keine offenen Gehälter bei unseren Mitarbeitern. Die Gehälter wurden auch pünktlich gezahlt. Mit Ferry Weber gibt es noch Unklarheiten, die wir in einem offiziellen Gespräch klären werden. Wir bemühen uns, dass alles wieder ins Lot kommt."

Quelle: RP
 
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