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Niederkassel
Ein Buch für die große Liebe

Niederkassel. Werner Hansen (1933-2016) hat das Leben seiner Frau Gisela (1929-2013) im Spiegel der Zeit auf 150 Seiten beschrieben. Von Heide-Ines Willner

Sie sind mal wieder in der "Heimat": Silvia Grotepaß, geborene Hansen, und ihre Brüder Burkhard und Gerald. Sie stehen im Vorgarten unter der großen Linde ihres Elternhauses und denken zurück an die Zeit, als sie Kinder waren, es noch Obstwiesen und Wildnis in Niederkassel gab. Wie viele Nachgeborene alter Familien wohnen sie nicht mehr im "Dorf", haben das Elternhaus mit Remise, früher befand sich dort die Schreinerei, vermietet. Entgegen dem allgemeinen Trend, Altes durch Neues zu ersetzten, betonen sie: Wir hüten das Haus unserer Eltern."

Schließlich haben sie die Richtung vorgegeben. Vor 20 Jahren ließen sie Remise und Wohnhaus komplett sanieren. "Das alte Mauerwerk wurde erhalten, gereinigt und neu verfugt", sagt Gerold Hansen, der als einziger Nachkomme die Tradition der Schreinerei weiterführt, allerdings in Benrath. Dort habe er schon an der Seite des Vaters gearbeitet. Aus welcher Zeit das Haus stamme, wisse er nicht genau, auch sein älterer Bruder Burkhard nicht, der vermutet, dass es wohl so um 1850 entstanden sein müsste.

Heute gehören die Gebäude zu den letzten Zeitzeugen einer bäuerlichen Vergangenheit und sind eng verbunden mit dem Namen Hansen. Denn die Eltern der drei Geschwister, Gisela und Werner Hansen, waren über den Stadtteil hinaus bekannt. Sie vor allem durch ihre enge Verbindung zur katholischen Kirche, er als Schreinermeister, CDU-Bezirksvertreter, Schütze und Karnevalist - zuletzt war er Ehrenvorsitzender der Niederkasseler Tonnengarde. Ein Paar, das 1957 geheiratet hatte und eine harmonische Ehe führte. Seine große Liebe zu Gisela hat Hansen in einem eigens verfassten Buch zum Ausdruck gebracht.

"...und überall sind Spuren ihres Lebens", lautet der Titel. Gleich auf den ersten Seiten erfährt der Leser, dass die St. Annakirche im Leben von Gisela Hansen eine große Rolle gespielt hat. Dort wurde sie getauft, ging sie zur Kommunion und heiratete sie ihren Werner. Dass sie am Ende ihres Lebens in "ihrer Kirche" auch aufgebahrt wurde, war Pfarrer Michael Dederichs zu verdanken. "Er hat auf diese Weise ihre vielen Verdienste gewürdigt", schreibt Hansen. Denn Exequien seien zu der Zeit nur noch in St. Antonius gehalten worden. Vielleicht ein Glück für sie, dass ihr die Abwicklung der Annakirche erspart bleibt. Denn ein Weihnachten ohne die von ihr aufgestellte Krippe - undenkbar. Für ihr ehrenamtliches Engagement war sie mit dem päpstlichen Orden ausgezeichnet worden.

Begonnen hat die Familiengeschichte als Schreinermeister Peter Gobbers und Katharina Pütz, beide stammten aus Familien, die seit Generationen in Niederkassel beheimatet waren, 1925 heirateten. Sie wohnten in Alt-Niederkassel, wo ihr einziges Kind, Gisela, 1929 zur Welt kam. Behütet wuchs die Kleine in einer intakten Dorfgemeinschaft auf, mit Kirche, Schule, Bäckerei, Lebensmittelgeschäften, Gasthäusern und Handwerksbetrieben. Liebevoll erzählt Hansen Geschichten über seine Frau. Zum Beispiel, dass sie eigentlich nicht von Alt-Niederkassel ins Haus der Großeltern an der Niederkasseler Straße umziehen wollte. "Ein Lkw hatte das Gebäude gerammt und Gisela wollte in so ein Haus nicht einziehen." Doch dann lockten sie die großen Birnbäume im Garten, das Schwein im Stall und die Hühner hinter dem Haus. "Fast wie ein Bauernhof und dazu noch die Schreiner-Werkstatt - ein Paradies für Kinder." Auch das komische Talent von Gisela bleibt nicht unerwähnt. 1980 hatte die Tonnengarde ein Laienspiel gegründet. Etliche Rollen waren ihr wie auf den Leib geschrieben. "Sie konnte überkandidelte Frauen glaubhaft darstellen", schreibt ihr Mann.

Das Buch blickt nicht nur auf das Leben einer engagierten Frau, sondern schlägt auch den Bogen in eine Zeit, die es nicht mehr gibt. Zu kaufen ist es nicht. "Es sind nur wenige Exemplare gedruckt worden", sagt Burkhard Hansen. "Und die haben wir an Freunde verteilt."

Quelle: RP
 
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