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Niederkassel
Fragen an einen Überlebenden der Atombombe

Niederkassel. Kazumi Yamada erlebte 1945 die Zerstörung Nagasakis mit. Am Cecilien-Gymnasium sprach er von seinen Erfahrungen. Von Philip Ziche

Wie gebannt lauschen die Schüler den Worten von Kazumi Yamada. Gerade berichtet er davon, wie er sich vor der Explosion der amerikanischen Atombombe am 9. August 1945 über Nagasaki schützte. "Wir haben in der Schule gelernt, wie wir uns bei einem Bombenangriff verhalten sollen", sagt er. "Ich habe meine Hände vor meine Augen gehalten, damit sie nicht von der Druckwelle geschädigt werden."

Mit einer Delegation reiste der 83-Jährige nach Düsseldorf, wo er am Montag bei einem Empfang im Rathaus über seine Erlebnisse in Nagasaki sprach. Gestern besuchte er das Cecilien-Gymnasium. Rund 100 Schüler kamen, um sich die Geschichte Yamadas anzuhören.

Von einer Dolmetscherin und der Japanisch-Lehrerin Stanislava Saito-Theuerzeit übersetzt erzählt Yamada eindringlich seine Geschichte. Zuvor gab es noch einen Vortrag, der die Vorgeschichte des Bombenabwurfs und die Entwicklung der Atombombe umriss. Ein Ausschnitt aus dem Anime "Barfuß durch Hiroshima" verdeutlicht zusätzlich die Auswirkungen des Angriffs.

Die Schüler aus Ober- und Mittelstufe zeigten sich im Anschluss an den ausführlichen Bericht sehr interessiert und stellten viele Fragen - einige sogar auf Japanisch. Die Themen waren breitgefächert; viele Fragen bezogen sich aber auf das Leben direkt nach dem Atombombenabwurf und Kazumi Yamadas Familie. Der dreifache Vater erzählt, wie er bereits wenige Wochen später wieder zur Schule ging und bald mit seinen Eltern und Geschwistern vereint wurde, die zur Zeit des Angriffs in China lebten.

Ein Mädchen erkundigt sich nach Yamadas Meinung zur Atom-Katastrophe in Fukushima vor fünf Jahren. Fukushima habe ihm klar gemacht, dass Menschen nicht mit Atomkraft leben können oder sollten, erzählt Yamada. "Alles, was mit nuklearer Energie zu tun hat, müsste von der Erde verschwinden", sagt er. Auf die Frage, wie er gegenüber Amerikanern empfindet, antwortet er schlicht: "Ich denke nicht, dass ich die Amerikaner hasse - das sind auch normale Leute."

"Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm war", sagt der 15-jährige Yunis nach dem Gespräch mit Yamada. "Ich finde es wichtig, dass wir von solchen Dingen erfahren, die die Menschen nicht mehr tun sollten." Auch Charlotte aus der 12. Klasse war vom Gehörten beeindruckt: "Die Erinnerung muss am Leben erhalten werden", sagt die 17-Jährige.

Quelle: RP
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