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Niederkassel
Kinder lernen Selbstständigkeit

Niederkassel. Seit etwa 30 Jahren wird im Linksrheinischen nach den Prinzipien der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori Erziehungsarbeit geleistet. Ein Besuch im Montessori-Kinderhaus an der Sigmaringenstraße. Von Heide-Ines Willner

Kita-Plätze sind rar. Für Eltern, die eine besondere Einrichtung und eine etwas andere pädagogische Erziehung wünschen, ist das einmal mehr ein Problem. Eine der nachgefragten Kitas ist zum Beispiel das Montessori-Kinderhaus an der Sigmaringenstraße. Denn dort wird nach den Prinzipien der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori eine Erziehungsarbeit geleistet, die sich unmittelbar am Kind orientiert und seine Bedürfnisse in den Vordergrund stellt. Damals, vor etwa 30 Jahren, als die Maria-Montessori-Idee in Bauwagen auf dem Hof des heutigen Creativhauses Fuß zu fassen begann, wurde das als Spielerei abgetan. Umso mehr sind die Familien heute an dieser Art der Erziehung interessiert. Deshalb ist es nicht einfach, einen Platz in der etwas anderen Kita zu bekommen.

Alexa Bügers und Bettina Siempelkamp vom Vorstand des eingetragenen Montessori-Kinderhaus-Vereins sowie Leiterin Ruth Naßhan-Grundl stellen die bunte Welt im Miniformat vor. Augenblicklich ist diese verwaist, denn die Kinder genießen bei den sommerlichen Temperaturen lieber ihr 2013 fantasievoll gestaltetes Außengelände.

Zunächst weisen die Drei auf die beiden Säulen der Kita hin: "Wir sind eine Elterninitiative und orientieren uns an der von Maria Montessori vorgegebenen Erziehung." 2012 sei das Haus umgebaut und von zwei auf drei Gruppen mit jeweils 20 bis 22 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren erweitert worden. "Unter Zweijährige nehmen wir nicht auf", sagt Bettina Siempelkamp. Jede Gruppe besitze Haupt- und Nebenraum und ein Badezimmer mit Wasch- und Wickelmöglichkeiten sowie Toiletten. "Unsere Turnhalle, die Funktionsräume, die Flurbereiche mit Verkleidungs- und Puppenecke wie auch der Garten werden von allen Gruppen gemeinsam genutzt", ergänzt Alexa Bürgers.

Das Zauberwort der Erziehung lautet "Freiarbeit". "Die Kinder wählen nach eigener Entscheidung aus, womit sie sich beschäftigen wollen." Was für manche ungewöhnlich erscheint und an alte Dorfschulen erinnert, sind die altersgemischten Gruppen. "Jüngere Kinder werden von älteren angeregt, und die älteren von den jüngeren bestärkt", sagt Ruth Naßhan-Grundl. Wichtig sei, eigene Entscheidungen zu treffen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Zusammenarbeit mit den Familien. "Wir haben ein enges Verhältnis zu den Eltern", sagt Alexa Bügers und zählt gleich auf, welche Aufgaben Mütter und Väter zu übernehmen haben: "Verbindliche Teilnahme an Elternabenden, Hospitieren bei der Freiarbeit, Austausch mit den Erzieherinnen und nicht zuletzt den Kinderhausalltag mitzugestalten." Dazu gehört auch, den Gartendienst zu übernehmen. Auf diese Weise wächst alles zusammen, können nicht nur die Kinder Freundschaften fürs Leben knüpfen, sondern auch die Erwachsenen.

War einst das Auswahlverfahren streng, brauchten Familien einen Bürgen oder Vermittler, so geht es heute bei der Bewerbung und in Gesprächen vielmehr um die Frage: "Hat die Familie wirklich Interesse an unserer Kita, passt sie zum Montessori-Kinderhaus?" "Die Gespräche zur Aufnahme eines Kindes werden zu dritt mit Vorstand und Leitung geführt, um eine ausgewogene Beurteilung zu erreichen", sagt Bettina Siempelkamp, die dem Verdacht, eine elitäre Gemeinschaft zu sein, widerspricht. "Wir sind ein bunter Mix aus Erziehern, Eltern und Kindern." Dafür stehe der gesamte sechsköpfige Vorstand.

Quelle: RP
 
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