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Niederkassel
Kleine Schützen wollen keine Pagen sein

Niederkassel: Kleine Schützen wollen keine Pagen sein
Die Niederkasseler Schützen haben das Pagencorps aufgelöst. Der Nachwuchs läuft nun überwiegend bei den "Großen" in den jeweiligen Uniformen mit. FOTO: schützen
Niederkassel. Die Niederkasseler Pagen haben ihre Matrosen-Uniformen abgelegt. Ihren Wünschen entsprechend laufen sie nun bei den Umzügen in den Kompanien der "Großen" mit. Kirmesmontag treten sie als Gruppe in einheitlichen Shirts auf. Von Heide-Ines Willner

An die Zeit anpassen, sich weiter entwickeln ohne die Tradition zu vernachlässigen - vor dieser Aufgabe stehen auch die Niederkasseler Schützen, die mit den neuen Chefs Thomas Damm und Marc Klement einige Umbrüche zu schultern haben. Vor allem, weil ihre Heimatkirche St. Anna stillgelegt wurde. Für viel Aufregung sorgte die Auflösung des Pagencorps, das Kindern unter 14 Jahren die Chance bot, am Schützenleben teilzunehmen. 2015 sind sie zum letzten Mal mit ihren niedlichen Matrosen-Uniformen, entworfen und geschneidert von der ersten Pagenmutter Resi Falk, bei Festzügen und Paraden Blickfang gewesen. Das ist nun vorbei.

Den Ausschlag zur Auflösung gaben nicht zuletzt die Jungen und Mädchen selbst, die sich aus dem Matrosen-Look herausgewachsen fühlten und nicht mehr niedlich sein wollten. Statt dessen bewunderten sie ihre Väter und hatten den Wunsch, bei den Großen in den jeweiligen Uniformen der Kompanien mitlaufen zu können. Zunächst herrschte Ratlosigkeit, alle beschäftigte die Frage: "Was machen wir mit den Pagen?" Eine Versammlung wurde einberufen, es wurde diskutiert und viele Vorschläge gemacht, wie es weitergehen sollte. Aber eine Lösung wurde nicht gefunden.

Und dann kam Michaela Medzech, von den Kindern liebevoll Micky genannt, und ergriff die Initiative. "Ich hatte schon mal als Alternative zum Matrosen-Look ein weißes Polo-Hemd mit dem Logo der Niederkasseler Schützen sticken lassen", sagt sie, froh darüber, dass ihre anfänglichen Bedenken, ob Kinder und Eltern die neue Einheitskleidung auch annehmen werden, zerstreut wurden. "Schnell habe ich ein positives Echo bekommen." Denn das Interesse, die Pagen auch ohne eigenständiges Corps zusammenzuhalten, sei im Verein sehr groß. "Und ich war auf einmal Pagenbetreuerin und Nachfolgerin von Sandra Damm", stellt sie trocken fest. "Und das ohne jegliche Abstimmung", staunt sie noch heute.

Einen großen Auftritt haben die Pagen bei der Kirmeseröffnung am Samstag, 14.15 Uhr, wenn sie Luftballons in den Himmel steigen lassen. Am Schützenmontag treten sie als einheitlich gekleidete Gruppe auf, während sie bei den großen Umzügen als Miniaturausgabe der jeweiligen Kompanien dabei sein werden. Bei der Premiere im vergangenen Jahr hat das gut geklappt.

Die neue Ära des Schützennachwuchses steht unter dem Motto: "Kleine Leute ganz groß". Erstmals konnten die Mädchen und Jungen ihre Zielsicherheit beim Regimentsschießen auf einer Laserschießanlage testen. Paul Süßmilch von der 3. Grenadier-Kompanie wurde Oberhaupt der Pagen. Zur Königin erwählte er Gwen Lewald. Schlag auf Schlag folgten Veranstaltungen wie Roller-Ringstechen, Pagenversammlung, Sommergrillfest, Ausflüge und Weihnachtsfeier. "Ein aufregendes Jahr liegt hinter uns", sagt Michaela Medzech. Froh über die gute Lösung ist auch der Schützenvorstand. "Es ist uns wichtig, die Bedürfnisse unserer Pagen zu berücksichtigen und immer auf dem aktuellen Stand zu sein", sagt Marc Klement. Bei der Gründung des Pagencorps in den 1970er Jahren habe ein anderer Zeitgeist geherrscht.

"Damals hat man die Kinder in einer geschlossenen Gruppe mit einheitlicher Uniform gehalten." Heute gehe die Tendenz dahin, die Jüngsten wieder mehr an die Kompanien zu binden. Der 2. Chef versichert aber, dass dabei der Zusammenhalt der Kinder nicht auf der Strecke bleiben werde.

Quelle: RP
 
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