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Oberbilk
Bahn verzichtet teils auf Lärmschutz

Oberbilk. Für den Volksgarten ist entlang der Gleise für den Regionalzug RRX keine schützende Wand vorgesehen. An der Gustav-Poensgen-Straße sollen auf die vorhandene Mauer vier Meter hohe Wände gesetzt werden. Auch das stößt auf Ablehnung. Von Marc Ingel

Die Informationsveranstaltung des Oberbilker Bürgervereins zum RRX plätscherte eine halbe Stunde gemächlich dahin. Was die beiden Vertreter der Bahn zum neuen Rhein-Ruhr-Express zwischen Köln und Dortmund erläuterten, schien ja auch durchaus schlüssig zu sein: größerer Komfort, Züge im 15-Minuten-Takt, barrierefreie Stationen. Und der Ausbau der Gleisverbindungen des in sechs Abschnitte aufgeteilten Plangebiets solle nur in ganz bestimmten Bereichen geschehen, auch am Volksgarten könne die Bahn auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen. Wer sollte da schon groß etwas dagegen haben?

Volksgarten war dann aber auch das Stichwort, bei dem sich Widerspruch unter den vielen Zuhörer im Pfarrsaal St. Josef regte. Denn einen Schallschutz werde es für die Oberbilker Grünoase nicht geben. "Weil sich dort niemand dauerhaft aufhält, das ist gesetzlich so geregelt", erläuterte Projektingenieurin Katharina Legge. Auch die geplante Kita in dem Bereich ändere daran nichts. "Die müsste selbst für Lärmschutz sorgen", so Legge. Ohnehin werde es durch den RRX nur um zwei Dezibel lauter", ergänzte Michael Kolle, technischer Projektleiter, "der heutige Lärm ist das Problem, gegen den muss man sich schützen". Im Volksgarten werde lediglich der Bahndamm um sechs Meter versetzt, der Weg entlang der Mauer bleibe aber erhalten, sagte Legge.

Lösten diese Erklärungen schon leichten Unmut bei den anwesenden Oberbilkern aus, schlug die Empörung hohe Wellen, als die Animation der vier Meter hohen Lärmschutzwände entlang der Gustav-Poensgen-Straße an die Wand projiziert wurden. "Die dortigen Stützwände gelten aus Sicht von Statikern nicht mehr als sicher, so dass wir die Schallschutzwände nicht einfach oben drauf setzen können", erläuterte Legge, Diese würden nun auf einzelnen Pfeilern so eng an die Mauer angebaut, dass der Eindruck entstehe, das Gebilde sei eins. "Und bis zur zweiten Etage ist dann nur noch Dunkelheit", regte sich ein Zuhörer auf. Doch Kolle wies erneut auf die Gesetzeslage hin: "Wir müssen das machen. Es sei denn, alle Bewohner erklären sich einverstanden, dass sie lieber darauf verzichten und auf die Bahn gucken wollen." Immerhin: Die Bäume müssten nicht weichen, auch die Parkplätze würden nach Ende der Bauphase wieder bereitgestellt. Für die Arminstraße auf der Ostseite des Gleiskörpers gelte beides allerdings nicht.

Was ebenfalls bis dahin längst nicht alle im Stadtteil wussten: Sowohl ein Sportplatz des SV Oberbilk als auch ein Trainingsfeld von Turu würden als Lagerfläche benötigt, "allerdings nicht beide gleichzeitig", schränke Legge ein. Und: Im Bereich zwischen Reinheimer und Seeheimer Weg würden zwei Kleingärten komplett dem Gleisausbau zum Opfer fallen, weitere Besitzer müssten zumindest mit längerfristigen Einschränkungen rechnen.

Frühestens in zehn Jahren könnten die Planungen für den betroffenen Planfeststellungsbereich zwischen Reisholz und Wehrhahn konkret in Angriff genommen werden, Kolle rechnet dann mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren. "Das ist natürlich immer schwer zu sagen, denn wir reden hier von einer Operation am offenen Herzen, also bei laufendem Betrieb." Eines wollten die beiden Bahn-Mitarbeiter den Anwesenden zum Schluss dann aber doch versprechen: "Es wird für die Anwohner insgesamt leiser als vorher. Es wird auf jeden Fall besser, nicht schlechter."

Quelle: RP
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