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Oberbilk/Friedrichstadt
Damen und Herren in der Sommerresidenz

Oberbilk/Friedrichstadt. Der Kulturverein "damenundherren" bespielte das ansonsten leerstehende Haus Kolvenbach im Volksgarten - das kam gut an. Von Sven-André Dreyer

Nicht immer ging es nur lautlos zu, im Kulturverein "damenundherren", einem ehemaligen Friseursalon an der Oberbilker Allee, der die Etymologie des Vereinsnamens liefert. Und insbesondere in den vergangenen Jahren häuften sich die Beschwerden von direkten Nachbarn, dass die durch Konzerte und Partys entstehende Geräuschbelastung für die Anwohner nicht mehr tragbar sei. Bereits im vorvergangenen Jahr beschloss der Verein daher, im Vereinslokal ausschließlich literarische Formate und Kunstausstellungen zu realisieren, Formate also, die in Zimmerlautstärke funktionieren. Partys und Konzerte wurden damals mit Rücksicht auf die Anwohner bis auf Weiteres auf Eis gelegt.

"Wir suchten lange nach einer Lösung für dieses Problem, denn auch kulturelle Formate wie eben Konzerte gehören zu unserem Konzept", erklärt Annette Krohn (46), Mitglied des Kulturvereins. Eine Mail machte den Verein schließlich auf eine Möglichkeit aufmerksam, die beliebten Veranstaltungen dennoch weiterführen zu können. Die kam von einem Studentenpaar, das als "Housekeeper", als Hauswächter, im Haus Kolvenbach lebt.

Im Besitz der Stadt, stand das ehemalige Tanzlokal im Volksgarten viele Jahre lang leer und wurde, um unter anderem Vandalismus vorzubeugen, kostenintensiv und aufwendig von einem Sicherheitsdienst bewacht. Nach niederländischem Vorbild zogen dort vor rund zwei Jahren schließlich Studenten ein, die seither für die Sicherheit des abgelegenen Gebäudes sorgen. Da das Konzept auch eine kulturelle Nutzung der Immobilie vorsieht, erkundigte sich der Vereinsvorstand seinerzeit beim Amt für Gebäudemanagement nach der Möglichkeit einer auch politisch beabsichtigten Zwischennutzung.

Und tatsächlich: Nach Errichtung einer notwendigen Brandschutzmauer im Jahr 2015 wurde die Nutzung dem Verein für rund sieben Wochen kostenfrei gewährt. "Anschließend sollte ein Investor in den Wintermonaten das Haus übernehmen und wollte das Lokal ursprünglich im Frühjahr 2016 wiedereröffnen", sagt Krohn.

Doch daraus wurde nichts. Erneut stellte der Verein daher auch in diesem Jahr einen Antrag auf Zwischennutzung der Interimsheimat. Weil es im Haus kein fließendes warmes Wasser und auch keine Kühlmöglichkeiten gibt, ist die Durchführungen von Veranstaltungen dort immer mit einem großen Aufwand verbunden.

Dennoch: Verein und Gäste nahmen die Zwischenlösung auch in diesem Jahr sehr gut an. Tanz- und Grillabende, Konzerte und Song-Slams: "Parallel zu unserem Programm auf der Oberbilker Allee haben wir im Haus Kolvenbach in diesem Sommer erneut 19 Veranstaltungen realisiert", sagt Niekohle Tzanakis (39), Vorstandsmitglied des Vereins. Und auch an einer Nutzung im kommenden Jahr ist der Verein sehr interessiert, denn unter anderem anstehende bauliche Maßnahmen haben mittlerweile zur Kündigung des Mietvertrages auf der Oberbilker Allee geführt. Der Verein muss den ehemaligen Friseursalon Ende Februar 2017 räumen. Grund genug, sich bereits jetzt nach einer neuen, dauerhaften Bleibe umzusehen.

Quelle: RP
 
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