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Hinter dem Düsseldorfer Hauptbahnhof
"Der Bertha-von-Suttner-Platz stinkt"

Hinter dem Düsseldorfer Hauptbahnhof: "Der Bertha-von-Suttner-Platz stinkt"
Evangelos Ziogos auf seiner Terrasse am Bertha-von-Suttner-Platz. FOTO: Andreas Endermann
Oberbilk. Am Bertha-von-Suttner-Platz plädieren Geschäftsleute und Passanten für mehr Sauberkeit. Und nehmen die Stadt in die Pflicht. Von Torsten Thissen

Reisende, Fahrradfahrer, Oberbilker, die durch den Bahnhof gehen. Und natürlich Menschen, die lesen wollen. Das sind die Kunden von Evangelos Ziogos. Er hat nicht viele Stammkunden, sagt er, ein paar sind natürlich darunter, doch die meisten, die sich in sein Lokal und vor allem auf die Außenterrasse setzen, wollen schnell einen Kaffee trinken und meistens wollen sie auch schnell eine Zigarette rauchen, bevor sie zum Beispiel in ihren Zug steigen. Ziogos plaudert trotzdem mit einigen Gästen, die öfter kommen. Es gibt Kaffee, Bier, viele wollen, dass der Kellner sofort abkassiert.

Natürlich kann man sich fragen, was sie denn so mitnehmen von ihrem Besuch in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Hoffentlich etwas, das über den letzten Eindruck hinausgeht, will man sagen, denn "der Bertha-von-Suttner-Platz stinkt", sagt Ziogos. Wenn es warm ist, stinkt er mehr, als wenn es regnet. Schon oft hat er bei der Stadt angerufen, damit sich jemand um die Kanalisation kümmert, zwar ist oft auch jemand gekommen, aber in den Griff haben die Arbeiter das Problem nicht bekommen. "Flickschusterei", sagt Ziogos, und weil er gerade dabei ist, nennt er noch ein paar Mängel, die er auch schon öfter angemahnt habe.

Besonders die Ratten auf dem Platz ärgern ihn. Sie tummeln sich nicht nur am Abend hier, sondern auch, wenn es hell ist, sagt Ziogos. Zudem sei das Pflaster in desolatem Zustand, da die Wurzeln der Bäume den Boden anheben, hier seien auch schon Leute gestürzt. Seit 15 Jahren betreibt seine Familie das Bistro auf dem Platz, es ist die letzte gastronomische Einrichtung hier, früher hat es Cafes und sogar ein Restaurant gegeben, doch die sind schon lange weg.

Dass nun auch die Zentralbibliothek demnächst einen anderen Standort auf den Konrad-Adenauer-Platz bekommen soll, wusste der Gastronom noch nicht. Es schockiert ihn ein bisschen, weil die Zentralbibliothek ja auch so etwas wie ein Anlaufpunkt ist, von dem auch sein Bistro profitiert, doch es passt in Ziogos Bild. Die Gastronomiefamilie kämpft gegen den Eindruck der Verwahrlosung.

So haben sie Olivenbäume in Kübeln aufgestellt, weiß-blaue Markisen schützen vor Sonne und verbergen zum Glück auch die Sicht auf das teilweise moosgrüne Glasdach, das früher einmal gedacht war, den Reisenden und anderen Fußgängern zu ermöglichen, trocken in den Bahnhof zu kommen. Ziogos lässt wilden Wein ranken. Doch was hilft das, wenn bei Reparaturarbeiten das Pflaster nicht ausgewechselt wird, sondern lediglich ein Asphaltflicken eingesetzt wird.

Dabei war das alles hier alles andere als billig. Die Überdachung etwa aus Glas und Stahl, die Natursteinfassaden aus "Bornholmer Granit", die sich in den Himmel schrauben und nicht zuletzt das Wasserspiel mit den Skulpturen aus Edelstahl von Horst Antes. Und es mag eine Zeit kommen, in der Architekturstudenten kommen und den Bertha-von-Suttner-Platz als vorzügliches Beispiel postmoderner Architektur studieren, hier hat die alte BRD schließlich noch einmal geklotzt. Nur müsste er bis dahin schon durchhalten und danach sieht es im Moment nicht aus. Immerhin kommt ein Thalys-Shop an den Platz, am 6. Juni ist die Eröffnung des Geschäfts, das im Moment eingerichtet wird. Immerhin soll auch die Chefin des Hochgeschwindigkeitszuges, Agnès Ogier, zur Eröffnung im Hinterhof des Hauptbahnhofs kommen. Düsseldorfer, die mit dem Zug fahren wollen, müssen dann nicht mehr nach Köln oder Aachen fahren oder ihre Fahrkarte im Internet bestellen. Aber sie müssen auf den Bertha-von-Suttner-Platz. Und das ist eben nicht immer schön.

Das Einzige was Ziogos zufolge wirklich gut funktioniert an diesem Platz, ist die Sicherheit. Alleine schon wegen des amerikanischen Konsulats und des davor wachenden Polizisten. Und auch die Deutsche Bahn sorge mit ihrem Wachdienst für Ordnung.

Quelle: RP
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