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Analyse
Der Oberbilker Markt enttäuscht

Oberbilk. Viele Jahre hatte man im Stadtteil auf die Umgestaltung und damit auch auf die Aufwertung des Platzes gewartet. Inzwischen ist der 2,4 Millionen Euro teure Umbau abgeschlossen, doch die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Die Chancen wurden vertan. Von Semiha Ünlü

Als Oberbürgermeister Thomas Geisel vor einigen Wochen den umgebauten Oberbilker Markt den Bürgern übergab, sagte er, dass der Platz durch die Umgestaltung und die noch aufzustellenden Sitzmöglichkeiten, die den grünen "Enzis" am Schadowplatz ähneln sollten, eine "hohe Aufenthaltsqualität" bekommen würde. Die fehlenden Sitzbänke sind inzwischen da: Sie sind rot und sollen an eine Lok und damit an die Geschichte des Ortes erinnern, durch den einst die Mindener Eisenbahn fuhr.

Im Stadtteil sorgen sie aber vor allem für Verwirrung, denn eine Lok kann kaum einer in ihnen erkennen. Und vor allem rufen sie Verärgerung hervor. Denn eigentlich hatte man gehofft, dass sich durch den Umbau des Platzes und den Abriss des Kiosks die Trinkerszene auflösen würde. Doch gerade die schätzt die neue "hohe Aufenthaltsqualität" vor Ort, bieten die neuen Sitzmöglichkeiten doch auch einen Unterschlupf und die neue städtische Sanitäranlage einen Komfort, den man vorher nicht hatte. Das habe sich inzwischen sogar bei den Junkies herumgesprochen, die es sich jeden Tag auf den Oberbilker "Enzis" gemütlich machten, sagen viele Markthändler, die die "Szene" am Platz gut vor Augen haben.

Der umgebaute Oberbilker Markt ist für viele Menschen im Stadtteil eine große Enttäuschung. Sicherlich, die Erwartungen waren hoch. Dass so viele Jahre vergingen, bis die Arbeiten denn mal endlich begannen, hat die Stimmung bei vielen Menschen regelrecht hochgeschaukelt. Doch die Enttäuschung, der Frust und die Verärgerung sind auch verständlich. Der Oberbilker Markt ist das vielleicht wichtigste Aushängeschild eines Stadtteils, der seit Jahrzehnten auf eine Aufwertung wartet. Dass schon der Bau des Amts- und Landgerichts schräg gegenüber nicht den Aufschwung brachte, den sich gerade viele Händler erhofft hatten, ließ die Erwartungen an die Umgestaltung des Marktplatzes noch steigen.

Was hätte man anders, vor allem besser machen können?

Für einen Platz in einem derart schwierigen sozialen Milieu hätte man ein Konzept entwerfen müssen, das eben auch diese Bedingungen berücksichtigt. Vertan hat man auch die Chance, mit dem Umbau und der Umgestaltung des Platzes den Wochenmarkt weiterzuentwickeln. Denn er ist - im Gegensatz zu vielen anderen Wochenmärkten in der Stadt - kein schöner Ort zum Flanieren.

Wer schon mal vor Ort war, weiß, dass der Wochenmarkt kaum den Namen verdient: Es gibt einen indischen und türkischen Imbiss, einen, manchmal zwei Obst- und Gemüsehändler, einen Bäckerwagen und Blumenstand. Für einen Platz im bevölkerungsreichsten Bezirk Düsseldorfs ist das mehr als verwunderlich. Direkt an der Hauptverkehrsstraße Krupp-/Werdener Straße gelegen, mag der Platz nicht die besten Voraussetzungen haben. Doch wenn man 2,5 Millionen Euro in die Hand nimmt, hätte man dafür kreative Ideen entwickeln und umsetzen können.

In Italien pflegt und putzt man seine Plätze heraus. Es gibt kaum eine "Piazza" ohne viele Restaurants mit Außengastronomie, Straßenkünstler, Eisverkäufer, Brunnen und blühende Blumen. Von den Italienern könnte man sich auch für Oberbilk einiges abgucken. Dann würden auch mehr Familien, Junge, Alte und Vereine den Ort nutzen (vielleicht sogar für Veranstaltungen) und ihn nicht nur passieren, um zum Beispiel zum Hauptbahnhof zu gelangen oder irgendeine Besorgung zu machen.

Ein bisschen "Piazza-Gefühl" kommt immerhin bei einem neuen Gastronomiebetrieb am Markt auf: Die Inhaberin, die viele Jahre im Osten ein Lokal hatte, habe um die "besonderen Bedingungen" am Oberbilker Markt gewusst, sich aber dennoch für einen Neuanfang im Stadtteil entschieden. Der Grund: Sie hoffe auf eine Aufwertung des Platzes, vor allem durch die Umgestaltung. Tatsächlich ist sie inzwischen selbst ein Grund dafür, dass der Oberbilker Markt zumindest an dem einen Ende des Platzes einen gewissen Aufschwung und eine Belebung erlebt.

Ein Platz in einer Stadt kann viel über die Menschen vor Ort aussagen und einen Austausch der Bürger ermöglichen. Von dem Oberbilker Markt in seiner jetzigen Form fühlen sich viele Menschen im "Kiez" alles andere als gut repräsentiert. Als Ort der Kommunikation taugt der Platz noch immer nur bedingt.

Um daran etwas zu ändern, sollte die Stadt wieder tätig werden am Oberbilker Markt. Und dieses mal richtig.

Quelle: RP
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