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Oberbilk
Frau Kain regt sich auf

Oberbilk: Frau Kain regt sich auf
Kathrin Schröder mit ihrem Buch in der Christuskirche an der Kruppstraße im Stadtteil Oberbilk, wo sie Prädikantin ist. Schon mit 14 Jahren begann sie, sich ehrenamtlich zu engagieren. FOTO: Andreas Endermann
Oberbilk. Kathrin Schröder, die als Prädikantin an der Christuskirche arbeitet, hat ihr erstes Buch veröffentlicht. Darin erzählt sie bekannte Geschichten aus der Bibel aus neuen Perspektiven. Von Julia Chladek

Es ist das Jahr null und ein kleines Mädchen in Bethlehem hat keine Lust auf "Frauenkram". Kurzerhand schmuggelt sie sich mit ihrem großen Bruder und den übrigen Hirten in den Stall. Wegen einer Volkszählung ist es dort schon relativ voll und dann kommt auch noch ein Kind zur Welt: Es heißt Jesus. Die Perspektiven in Kathrin Schröders Erzählungen sind ungewöhnlich. Nicht Propheten und Prediger stehen im Vordergrund, sondern Küchenjungen, Soldaten und Kneipenbesitzer. Sie erzählt die Geschichten aus der Bibel am liebsten aus der Sicht von denen, die sonst oft übersehen werden. "So eröffnen sich neue Blickwinkel. Noahs Schwiegermutter oder Kains Frau trauen sich, Dinge zu sagen, die die klassischen Protagonisten nie könnten", erklärt die Autorin.

Schröder ist Prädikantin an der Christuskirche in Oberbilk und hat gewissermaßen ihr langjähriges Hobby zum (Neben-)Beruf gemacht. Schon mit 14 Jahren begann sie, sich ehrenamtlich bei der evangelischen Kirche zu engagieren. Sie gestaltete Kindergottesdienste und merkte schnell, dass ihr eines besonders lag: Geschichten erzählen. Aus den Kindergottesdiensten wurden bald größere Projekte und als sie während des Theologiestudiums die Erzählpredigt für sich entdeckte, war das Feuer endgültig entfacht.

Das Studium schloss sie zwar nicht ab, machte sich stattdessen mit ihrem Mann im kaufmännischen Bereich selbstständig - die Liebe zu den Geschichten aus der Bibel aber blieb. Als der Pfarrer der Christuskirche Kathrin Schröder und ihren Ehemann Christian einige Jahre später fragte, ob sie nicht Lust hätten, sich zu Prädikanten ausbilden zu lassen, überlegten sie nicht lange. Als erstes Ehepaar, das die Ausbildung zum ehrenamtlichen Predigen gemeinsam erfolgreich abschloss, erfreuen sie jetzt die Gemeinde der Christuskirche immer wieder mit ihren Ideen.

Irgendwann habe sie dann angefangen, all ihre Erzählpredigten, die über die Jahre zusammengekommen waren, zu sammeln, zu sortieren und ein Gesamtkonzept zu entwickeln. "Der Gedanke, dass daraus mal ein Buch werden könnte, ist schon einige Jahre alt", erzählt Schröder. Vom endgültigen Entschluss bis zum fertigen Buch dauerte es dann etwa ein Dreivierteljahr. Nachdem sie zahlreiche Verlage angeschrieben und Texte eingereicht hatte, entschied sich die Autorin schließlich dazu, das Buch selbst zu verlegen. Der Gegenwert eines ausgedehnten Urlaubs, viel Arbeit und vor allem viel Liebe zum Detail stecken jetzt in "Frau Kain regt sich auf". Auf 200 Seiten erzählt Kathrin Schröder die "Klassiker" der Bibel von der Schöpfungsgeschichte über Hiob und Jona bis zum letzten Abendmahl. Ihre Geschichten sind mal witzig, mal aber auch ernst und durchaus kritisch. Sie erheitern, überraschen und regen zum Nachdenken an.

"Man muss die Bibel nicht in- und auswendig kennen, um Freude an dem Buch zu haben", erklärt Kathrin Schröder. Zu ihren ersten Lesern aus dem Bekanntenkreis gehörten auch Atheisten, die gar keine Verbindung zu Kirche, Glaube oder Bibel haben. Auch ihre Reaktionen seien sehr positiv gewesen, berichtet die Autorin.

"Frau Kain regt sich auf" eröffnet auf charmante Art und Weise, mal mit viel Witz, mal eher tiefgründig, einen neuen Blick auf die Bibel. Eine konkrete Moral hat Kathrin Schröders Buch zwar nicht - aber vielleicht resümiert der ein oder andere Leser ja, was die Autorin einen Fischer am See Genezareth nach der Begegnung mit Jesus erzählen lässt: "Ich glaube, ich habe dich jetzt verstanden."

Quelle: RP
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