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Oberbilk
Free Jazz aus dem Freiluftlabor

Oberbilk. Heute kann man ab 19.30 Uhr ein letztes Mal im Biergarten VierLinden selber Musik machen oder sich an einer Session beteiligen.

Die Stimmung ist gelöst. Und während die einen noch ihre Instrumente stimmen, plaudern andere über ihre aktuellen musikalischen Projekte, über Ideen, die irgendwann einmal unbedingt gemeinsam realisiert werden müssen. "Man kennt sich, die Szene ist klein", sagt Iouri Grankin (57) und freut sich auf den Abend im Biergarten "Vier Linden" an der Siegburger Straße 25. Der studierte Mathematiker arbeitet als Softwareentwickler, in die Gartenwirtschaft kommt er jedoch regelmäßig wegen einer anderen Leidenschaft, denn der gebürtige Ukrainer ist Jazz-Vokalist. Über polnische Radiosender habe er in den 1970er Jahren zum Jazz gefunden und ganz besonders die Vokalisten hätten es ihm einst angetan, sagt Grankin. Er habe damals einfach angefangen zu singen, zunächst Jazz-Standards, später dann auch freie Improvisationen.

Grankin nutzt seine Stimme wie ein Instrument, und es müssen nicht unbedingt Texte sein, die er intoniert. Oft sind es einfach nur Klänge, die sich in die instrumentale Musik einfinden, ein Melodielauf, der ihm spontan in den Sinn kommt, die musikalische Spiegelung eines Basses und manchmal auch ein Lachen. So entsteht eine spezielle Musik, eine Musik, die mit gewöhnlichen Klangstrukturen des Mainstream kaum vergleichbar ist. Der begeisterte Musiker kommt bereits seit 2010 einmal im Monat, von Mai bis September in den Innenhof der Gartenwirtschaft im Volksgarten. Immer dann, wenn die Veranstalter Robby Göllmann (52) und Georg Frangenberg (55) zu einer neuen "Sommersession" einladen.

Seit 2008 finden die Konzerte statt und bieten Musikern die Chance, mit anderen frei improvisierte Musik zu schaffen. Dabei gibt es drei Regeln: Vor dem Konzert melden sich die Musiker, die Teil des Abends werden wollen, bei Göllmann und Frangeberg und werden in immer neuen Besetzungen auf die Bühne geschickt. Eine Instrumentenvorgabe gibt es dabei nicht, und so mischen sich Gitarristen mit Schlagzeugern, Saxofonisten mit Musikern, die elektronische Klangerzeuger im Gepäck haben. Die spontan entstehenden Stücke haben eine zeitliche Vorgabe von fünf Minuten - eine weithin sichtbare Sanduhr vor der Bühne zeigt die verbleibende Zeit jeweils an - und, das Wichtigste: es gibt keine Noten. Alles wird spontan auf der Bühne entwickelt.

Weil die an der "Sommersession" teilnehmenden Musiker oft unterschiedliche musikalische Hintergründe und Biografien haben, ist die Vielfalt auf der Bühne groß. "Ob Jazz, Rock oder Punk - die bei uns auftretenden Musiker gehen mit sehr großem Wohlwollen aufeinander zu und versuchen so, Stücke entstehen zu lassen, denen eine eigene Schönheit gegeben ist", sagt Frangenberg.

(sdr)
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