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Oberbilk
Ganz verliebt in Oberbilk

Oberbilk. Der Stadtteil ist lebens- und liebenswert, findet Alexandra Wehrmann. Bei Führungen stellt sie interessante Menschen aus dem Kiez vor. Gestern schaute man zum Beispiel in dem Poledance-Studio von zwei Kunstakademie-Studentinnen rein. Von Sven-André Dreyer

Passender gewählt könnte der Song kaum sein: Klaus Meine von den Scorpions singt mit samtweicher Stimme "Still loving you", und dazu zeigen Pia Karaus (30) und Malwina Steinhoff (29) den rund 30 Teilnehmern der alternativen Stadtteilführung "Still loving Oberbilk" eine akrobatische Poledance-Choreographie. Turnerische Höchstleistung bei hoher Außentemperatur, sportlich extrem anspruchsvoll und ein wenig sexy. Das Tanzstudio in einem sonnendurchfluteten Innenhof an der Kölner Straße markiert eine von fünf Stationen der Führung, die die Düsseldorfer Journalistin Alexandra Wehrmann (44) nun bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr mit stets neu kuratierten Anlaufpunkten anbietet.

Wehrmann liebt diesen Stadtteil, lebt selbst seit einigen Jahren am Lessingplatz und kennt sich dort aus. Sie beobachtet gerne. Die Menschen, die dort leben. Und die Lebenshintergründe dieses einst durch die Schwerindustrie geprägten Stadtteils. Einige Straßennamen zeugen bis heute von der jüngeren Vergangenheit. Und natürlich sind ihr die Probleme des Viertels bekannt, das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und die, verglichen mit anderen Stadtteilen, höhere Armutsrate. Dennoch: Vorher lebte Wehrmann in Wersten und in Flingern, aber hier, in dem Stadtteil, der immer wieder durch negative Schlagzeilen von sich Reden macht, ist es ihrer Meinung nach einfach lebenswert.

Und so lädt nicht nur das Motto der Führung dazu ein, den Stadtteil mit anderen Augen zu erkunden und geradezu neu zu entdecken. Insbesondere die von ihr ausgewählten "Stadtteilpaten", Menschen, die in Oberbilk leben und arbeiten, bringen den Teilnehmern der Tour die Liebenswürdigkeit Oberbilks näher. "Oberbilk, das ist der Stadtteil, mit dem viele nur das unmittelbare Umfeld des Hauptbahnhofes verbinden. Geradezu diskriminierend, dass man dieses Viertel als Maghreb-Viertel bezeichnet", findet auch Michael Wenzel (46), ebenfalls Journalist und Moderator der Führung. "Antänzer, Drogen, Kleinkriminelle - mit der Führung wollen wir mit gängigen Vorurteilen aufräumen und die interessanten Orte und Menschen dieses Stadtteils vorstellen", sagt Wenzel.

Gleich die erste Station ist die Notschlafstelle für Frauen an der Querstraße. Hier erläutert Sozialarbeiterin Stefanie Volkenandt (41) die Arbeit in der "Ariadne", der einzigen Notunterkunft für obdachlose Frauen in der Stadt. Volkenandt ist als Sachgebietsleitung des Bereiches "Hilfen für Frauen" bei der Diakonie tätig: "Mit 20 Schlafplätzen finden hier Frauen Unterkunft, die keine Anlaufstelle mehr haben." Nicht selten durch die Bahnhofsmission oder die Polizei vermittelt, werden dort auch Frauen mit Kindern aufgefangen und erhalten Anschlusshilfen, die im besten Fall in einer erneuten Selbständigkeit münden.

"Ganz verliebt in Oberbilk" ist Modedesignerin Marion Strehlow (45), die Atelier, Werkstatt und Showroom in einer charmanten Altbauwohnung an der Höhenstraße betreibt. "Einige Nachbarn denken, dass dies eine Änderungsschneiderei sei", sagt Strehlow, die ihre Kollektionen - schlichte, häufig dunkle Kleidung, sowie Taschen und Rucksäcke - auch mit Nähe zur Düsseldorfer Musikszene erarbeitet. "Gerade die Elektroszene ist für mich Inspiration." Derzeit entsteht eine neue Linie in Zusammenarbeit mit einem Graffiti-Künstler. Seine malerischen Elemente finden sich auch in Strehlows Entwürfen.

Zum Malen kommen Malwina Steinhoff und Pia Karaus derzeit eher selten. Rund ein Jahr ist es nun her, dass sie das "Pole-Dance", das Tanzstudio an der Kölner Straße, gegründet haben. Dort bringen sie Interessierten das Tanzen an der vertikalen Stange bei.

Quelle: RP
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