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Oberbilk
Gemeinschaftsgärtner beenden Ernte

Oberbilk. Seit 2012 betreibt eine Nachbarschaftsgruppe einen Gemeinschaftsgarten und baut auch Ausgefallenes an. Von Sainab Sandra Omar

Die Sonnenblumen im Stadtgarten verbreiten noch eine eher sommerliche Stimmung. An filigranen Stängeln recken sie ihre Hälse empor und wirken noch ziemlich frisch und unverdorben. Anders als die Feldsalate, Fenchel und Stangenbohnen in unmittelbarer Nachbarschaft, die ihre Blütezeiten schon hinter sich haben. In dem Garten, der - gelegen hinter großen gläsernen Bankgebäuden - wie ein kleines Idyll wirkt, macht Anne gerade Feuer. Es ist Saisonende im Gemeinschaftsgarten an der Oberbilker Stahlwerkstraße, und alle, die hier mitmachen, sind am Samstag noch einmal zusammengekommen. Ein großes Picknick soll es werden mit Lagerfeuer im urbanen Immergrün. Während Anne Konnertz mit den Kindern Emil und Amira Stockbrot backt, sammelt Anika Füger noch die letzte Ernte in einer Holzkiste. Ausgefallenes ist dabei wie Glockenpaprika und Zebratomaten, Auberginen - runde und gelbe - und das für Nicht-Kenner etwas rätselhafte Colakraut, das zusammen mit frischem Rosmarin und Salbei auf den vielen Tischen verteilt steht. Ein aromatischer Duft umgibt den Gast.

Seit 2012 gibt es den Gemeinschaftsgarten, der zuvor allerdings im Haifapark untergebracht war. Dort hatten einige Nachbarn eine Baulücke entdeckt und damit begonnen, Gemüse anzubauen. Man sei kein Verein und entrichte auch keinen Beitrag, sondern es handelt sich einfach um einen lockeren Zusammenschluss von Gleichgesinnten, die gemeinsam anbauen und ernten. Darauf legen die Gartenfreunde wert. Als der ursprüngliche Standort dann doch bebaut werden sollte, stand im Herbst letzten Jahres der Umzug an, und so ist der Gemeinschaftsgarten nun im WGZ-Park zu finden. Die erste Gartensaison ist nun gelaufen, und die Teilnehmer sind zufrieden mit dem offeneren und größeren Platz, auf dem jeder anbauen und ernten kann, wie er mag. Da die kleinen Beete mit Kartoffeln, Erdbeeren oder Mais durch Holzverschläge voneinander getrennt sind, kommt man als Besucher zunächst auf die Idee, jeder habe seine Parzelle im öffentlichen Raum und nehme die eigenen Sachen mit nach Hause. Doch schnell versteht man, dass hier andere Prinzipien gelten. Alles gehört jedem, und es scheint zu funktionieren.

Die Gruppe hat inzwischen im hinteren Bereich des Gartens auch ein Bienenhäuschen, aus dem im nächsten Jahr wahrscheinlich zum ersten Mal Honig geerntet werden kann. Zudem gibt es eine interne Kompostweiterbildung, bei der die Gruppe von einer ehrenamtlichen Kompostexpertin der Awista beraten worden ist. Ganz neu ist hier der Wurmkompost, den federführend Julia Wegenast in die Hand genommen hat. Unerschrocken wühlt die junge Frau im Gemisch aus Lebendwürmern, Zeitungsschnipseln und Gesteinsmehl. Was die Würmer ausscheiden, soll besonders wohltuend für die Pflanzen sein.

Am Saisonende herrscht eine angenehme Atmosphäre bei den urbanen Gärtnern, da kommt auch das Tigerkätzchen gelegen, das vergnügt über die Holzkisten springt.

Quelle: RP
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