| 00.00 Uhr

Oberbilk
Jazz und Percussion auf einer umgebauten Doppelspüle

Oberbilk. Karl Krützmann hat es sich bequem gemacht. Zurückgelehnt öffnet er mit einem lauten Plopp sein Altbier, rückt Sonnenbrille und Strohhut zurecht und erzählt. Er erzählt von seinen üppigen Erfahrungen und der Inhalt dessen würde wohl zwei oder gar drei Menschenleben füllen können. Krützmann hat Jura studiert, war einer der ersten Schüler von Peter Häberle, einem der angesehensten Staatsrechtler dieser Republik. Ein erfolgreicher Ruderer war der 70-Jährige auch mal, klar. Er sagt: "Das ist nicht arrogant, ich berichte nur."

Er berichtet weiter, dass er aus "'ner Elitegang" kommt, "unter dem Flügel aufgewachsen" sei, weil er dort nicht aufräumen musste und im Grunde genommen jedes Musikinstrument beherrscht, das man vom Boden aufheben kann. Karl Krützmann ist, da tritt man ihm nicht zu Nahe, ein Original. Im Biergarten Vierlinden in Oberbilk sitzt er mit seinem Altbier, um diese Kunst der Musik zu zelebrieren und sie mit anderen zu teilen.

Der Biergarten Vierlinden hat die "Sommersession" aus der Jazzschmiede vor sieben Jahren gerettet und ihr neues Leben eingehaucht. Robby Göllmann und Georg Frangenberg haben sich das überlegt und bieten Freejazz eine eigenwillige, kreative Plattform. Musiker, die Lust haben, können einfach auf die Bühne gehen und miteinander in wechselnden Besetzungen drauflos spielen. Göllmann, selbst Saxofonist, muss gleich wieder auf die Bühne. Vorher erläutert er, dass es schon ein paar Regeln gebe. In der ersten Runde spielen die Musiker in der Besetzung miteinander, wie sie eingetroffen sind. In Runde zwei entscheidet das Los. So kann es passieren, dass manche, die noch nie miteinander musiziert haben, krachenden, improvisierten Jazz auffahren.

Auf seinen Auftritt wartet auch Gerno Bogumi, der sich nicht entscheiden kann, ob man seinen Vornamen mit "t" oder ohne schreiben soll. Natürlich ist Bogumi ein Freund von Karl Krützmann, sie spielen zusammen in der Band "Tritett". Regeln und nach Noten spielen sind nicht so ihr Ding. Bogumi hat eine Doppelspüle umgebaut und macht darauf Percussion. Konventionen scheren sie nicht, Bogumi baut laufend neue Instrumente und nimmt dazu auch tausend Plastikflaschen zur Hilfe. Inzwischen steht Karl Krützmann auf der Bühne. "Ich bin eine Naturbegabung, das muss man fairerweise so sagen", sagt er vorher noch. Jetzt lässt er sich gehen, dafür ist er ja da.

(her)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Oberbilk: Jazz und Percussion auf einer umgebauten Doppelspüle


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.