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Oberbilk
Mit 90 noch für Behinderte aktiv

Oberbilk. Elisabeth Kroker-Christmann widmete ihr Leben der Behindertenarbeit. Von Oliver Burwig

Dass einige Barrieren für behinderte Menschen unüberwindbar sind, lernte Elisabeth Kroker-Christmann in ihrer fast dreißigjährigen gemeinnützigen Arbeit. Ihre Tochter Christiane sitzt im Rollstuhl, weshalb ihr der Weg in die Schule der Wahl im wahrsten Sinne des Wortes versperrt war. Heute wird Kroker-Christmann 90 Jahre alt. Für die Dinge, die sich ändern lassen, setzt sie sich noch immer gerne ein.

"Die Situation für Behinderte hat sich verbessert", findet Kroker-Christmann. Einen Behindertenbeirat gab es noch nicht, als sie 1988 in ihrer Privatwohnung den "Trägerverein für ambulante Hilfe" gründete, der heute 140 Mitarbeiter und rund 300 Klienten zählt. Ein Jahr später initiierte die damals 64-Jährige die "Arbeitsgemeinschaft chronisch kranker und behinderter Menschen", eine Dachorganisation für mittlerweile 52 Selbsthilfevereine. Dennoch habe es auch davor schon Möglichkeiten gegeben, Behinderten zu helfen und sie in die Öffentlichkeit zu bringen. "Das funktionierte damals einfach von Mensch zu Mensch", sagt Kroker-Christmann. "Heute gibt es mehr Institutionen, aber auch mehr Bürokratie. Das ist einfach eine Anforderung der heutigen Zeit."

An den Begriff "Inklusion" müsse sie sich noch gewöhnen. "Die gab es früher auch schon", sagt Kroker-Christmann und spielt damit auf die erste gemeinsame Jugendfreizeit für behinderte Kinder und ihre nicht-behinderten Geschwister an, die sie vor 40 Jahren organisierte. Auch den Diskurs über das Förderschulsystem für Behinderte verfolgt sie aufmerksam - und nicht ohne Sorge: "Das ist ein ganz heißes Thema. Behinderte Kinder und Jugendliche brauchen Förderschulen, die Lehrer brauchen aber viel mehr Kontakt mit denen aus regulären Schulen."

Einen allzu ruhigen Ruhestand kann sich Kroker-Christmann auch mit 90 nicht vorstellen. "Mir macht das alles Spaß. Die Arbeit ist so viele Jahre ein Teil meines Lebens gewesen, da kann ich nicht aufhören." Zudem habe sie gar keine Zeit zum Bridge-Spielen oder für ähnliche Aktivitäten ihrer Altersgenossen. Auch als Mutter habe sie noch gewisse Pflichten zu erfüllen - selbst wenn ihre beiden Töchter selbst schon im Rentenalter sind. "Christiane ist immer mittendrin, ein sehr aufgeschlossener Mensch. Für mich war sie nie die Behinderte."

Quelle: RP
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