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Nach Razzia gegen Nordafrikaner in Düsseldorf
Nachbarn von "Klein-Marokko" wehren sich gegen schlechtes Image

Fotos: 2016: Großrazzia im "Maghreb-Viertel"
Fotos: 2016: Großrazzia im "Maghreb-Viertel" FOTO: Gerhard Berger
Oberbilk. Wenige Wochen nach der Polizei-Razzia im Viertel rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof sind verschiedene Initiativen gegründet worden. Viele Anwohner von "Klein-Marokko" wollen sich nicht mit dem negativen Image ihres Stadtteils abfinden. Bessere Beleuchtung soll für mehr Sicherheit sorgen.  Von Semiha Ünlü

In den vergangenen Wochen hat Achim Helbig viel über Oberbilk und vor allem das Viertel gehört und gelesen, das als "Klein-Marokko" bezeichnet wird. Und vieles hat dem Oberbilker, der seit vielen Jahren an der Ellerstraße lebt, nicht gefallen. Denn seit der Polizei-Razzia gegen vornehmlich nordafrikanische Männer sei in der Öffentlichkeit vor allem negativ über den Stadtteil gesprochen worden, sagt der Inhaber des Geschäfts "Britische Biere" am Volksgarten. Ein ganzer Stadtteil und viele Menschen, die schon seit Jahrzehnten vor Ort lebten, seien diskreditiert worden und dass, obwohl die Razzia gezeigt habe, dass vor allem Menschen von Auswärts sich in Oberbilk treffen, um dann kriminelle Handlungen zu planen und zu begehen. 

Mit einem Nachbarschaftsfest am 18. März will Helbig zeigen, dass vor Ort seit vielen Jahrzehnten Menschen unterschiedlicher Herkunft friedlich zusammenleben und auf legale Art ihren Unterhalt bestreiten.

Video: Stimmung im sogenannten "Maghreb-Viertel"

Beleuchtung für mehr Sicherheit und besseres Gefühl

Seit der Polizei-Razzia Mitte Januar sind verschiedene Ideen und Initiativen entstanden, um ein positives Zeichen für den Stadtteil zu setzen und Lösungen für das Gebiet um den nördlichen Teil der Ellerstraße zu finden, der sich nach Erkenntnissen der Polizei zu einem Kriminalitätsbrennpunkt entwickelt hat. In der Sitzung am Dienstag werden die Bezirkspolitiker darüber sprechen, ob eine bessere öffentliche Beleuchtung vor Ort die Sicherheit und auch das Sicherheitsgefühl der Anwohner stärken könnte. 

Bei einer Ortsbesichtigung und Gesprächen mit Anwohnern sei der Eindruck entstanden, dass eine bessere Beleuchtung von Bürgersteigen und Hausfronten vor Ort hilfreich sein könnte, sagt FDP-Politiker Bernhard Piltz. Er hat die Stadtverwaltung deswegen unter anderem darum gebeten, zu prüfen, ob eine Änderung der Beleuchtung möglich ist.

Bahnhofsumfeld wurde vernachlässigt

Zudem ruft die Bezirksvertretung 3 erstmals in ihrer gut 50-jährigen Geschichte einen Arbeitskreis zur Kriminalprävention für den Stadtteil ins Leben, weil man nach der Polizei-Razzia Handlungsbedarf sehe, wie der stellvertretende Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf (Grüne) sagt. Daran teilnehmen sollen unter anderem Vertreter von Polizei, Jugend- und Sozialamt, Jugendhilfeeinrichtungen und von Wohlfahrtsverbänden. Gemeinsam will man sich das Bahnhofsumfeld zwischen Mintropplatz und Höhenstraße näher ansehen und untersuchen und vor allem Möglichkeiten finden, die Situation der Anwohner zu verbessern.

Die beklagen schon seit längerem, dass dieser Teil Oberbilks schon zu lange vernachlässigt werde und inzwischen immer mehr in Verruf gerate. So sagt ein Eigentümer eines Mehrfamilienhauses an der Linienstraße, dass "Klein-Marokko" schon seit mehreren Jahren ein "Aktionsgebiet von Hehlern, Dealern, Anpöblern, Zuhältern, Vandalen, Messerstechern, Dieben und Taschendieben" sei und es von Politikern und Polizei versäumt worden sei, etwas dagegen zu unternehmen.

Auch ein Nachbarschaftsfest ist in Planung

Um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen, wird es deswegen in Kürze eine öffentliche Veranstaltung geben. Beim Bürgerforum am 15. März wollen die Politiker informieren über Lösungsideen für Oberbilk, aber eben auch die Sicht der Anwohner kennenlernen und sich dazu austauschen.

Das Nachbarschaftsfest, das am 18. März gefeiert wird, soll aber gerade keine politisch-orientierte Veranstaltung werden, sagt Achim Helbig. "Das wird ein bunter Nachmittag, an dem man nett zusammensitzt", sagt er. So soll es an der Emmastraße im Hinterhof von "Britische Biere", wo genügend Platz für so eine Veranstaltung sei, etwa Musik geben und marokkanische Spezialitäten wie Gebäck. Vor allem aber soll es Raum für Begegnungen geben.

Quelle: RP
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