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Neues Restaurant von Tom Waschat
Oberbilks Aufstieg zum Szene-Stadtteil

Oberbilks Aufstieg zum Szene-Stadtteil - Restaurant von Tom Waschat
Wohnzimmer-Atmosphäre in Tom Waschats "SuppeR": Service-Mitarbeiterin Sylvia Wollek (l.) und "Suppenfee" Iris Arnold kümmern sich um die Gäste. FOTO: Bauer
Oberbilk. Der ehemalige Arbeiter-Stadtteil macht Flingern Konkurrenz: Jetzt hat sogar Star-Koch Tom Waschat ein Lokal vor Ort eröffnet. Das "SuppeR" war nach zwei Stunden ausverkauft. Von Semiha Ünlü

Vielleicht wird Star-Koch Tom Waschat mit Oberbilk ja ein bissschen von dem gelingen, was Hollywood-Star Robert de Niro mit dem New Yorker Tribeca geschafft hat: Als der Schauspieler Ende der 80er Jahre in dem ehemaligen Industrie-Bezirk sein Restaurant "TriBeCa" eröffnete, war der vernachlässigte Stadtteil auf einmal in aller Munde. Die Eröffnung war so etwas wie ein Ritterschlag zum Szene-Stadtteil: Andere Bars, Cafés und Restaurants eröffneten, Stars wie Sängerin Beyoncé und ihr Mann Jay-z und auch "Mr. Bond" Daniel Craig zogen dorthin.

Waschat ist natürlich nicht de Niro, Oberbilk nicht Tribeca. Doch dass der Star-Koch, der schon für das niederländische Königshaus, die Heavy-Metal-Rocker von Metallica und die Fantastischen 4 kochte, vor wenigen Tagen seine dritte "SuppeR"-Filiale in dem ehemaligen Arbeiter-Stadtteil eröffnet hat, ist schon so etwas wie ein Paukenschlag. Sebastian Ixkes, der für Konzeption und Planung verantwortlich ist und in den nächsten Tagen an der Kruppstraße auch selber in der Suppenküche steht, sagt, dass man sehr genau wisse, "was Oberbilk für ein Stadtteil ist".

Doch mit dem Namen Tom Waschat und dem Konzept - jeden Tag gibt es eine Auswahl aus bis zu 60 unterschiedlichen Suppen, darunter immer eine vegetarische oder vegane - werde es gelingen, die Menschen auch an eine eher unattraktive Straße wie die Kruppstraße nahe dem Finanzamt zu führen, ist man sich sicher: Am Eröffnungstag sei man schon nach zwei Stunden ausverkauft gewesen.

Suppenküche klingt natürlich erst mal nicht chic und hip: Das neue Lokal kommt aber an, und das nicht nur bei denen, die in Oberbilk arbeiten oder leben. "Ich wohne eigentlich in Flingern, doch dort wird es immer schwieriger, als Student irgendwo gut, nett und preiswert essen zu gehen", sagt der 25-jährige Martin Kies. Eine Suppe kostet bei Waschat 4,50 beziehungsweise die Tagessuppe 5,50 Euro. Dazu gibt es eine Scheibe Brot, Butter und Petersilie. Im Untergeschoss herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre mit gemütlichen Polster-Sesseln und Bücherregal-Tapete, dort gibt es auch verschiedene Hot-Dog-Varianten.

In den vergangenen Jahren haben mehrere junge Gastronomen Bars und Restaurants in Oberbilk eröffnet. So wie die "Kassette" an der Flügelstraße. Kies und seine Kommilitonen zieht es öfter dorthin: "Es gibt in Oberbilk Geschäfte, die man in Flingern gar nicht mehr hat, weil Luxuswohnprojekte sie verdrängt haben". Früher war er öfter in der "Trinkhalle" im Hinterhof an der Ackerstraße. Doch die beliebte Bar musste einem Wohnkomplex weichen: "Jetzt gehen wir in die Oberbilker ,Kassette', wo es Konzerte und andere Events für junge Leute gibt." Auch in den vielen Plattenläden wie "Slowboy" an der Oberbilker Allee stöbert der Student gerne.

Katharina Maus, die in der Werbung arbeitet und in Flingern wohnt, gehört auch zu den Ausgeh-Exilanten. "Ich gehe öfter im ,Dreiraum'-Bistro, bei Emma-Fisch oder dem Vietnamesen Chi Bay essen, weil man sich in den Läden direkt wohl fühlt und die Preise in Ordnung sind", sagt die 28-Jährige. Entdeckt habe sie die Läden aber nur, weil eine Freundin, die in Oberbilk wohnt, sie ihr empfohlen habe. Das sei das Problem: Dass es vor Ort nicht unbedingt ein Szene-Quartier gebe wie an der Ackerstraße in Flingern: "Die Läden liegen teilweise weit auseinander und versteckt. Sonst hätten schon viel mehr Leute entdeckt, dass Oberbilk Flingern inzwischen Konkurrenz macht als Szene-Stadtteil."

Maus schaut sich sogar nach einer Wohnung in Oberbilk um: "Flingern ist so hip geworden, dass alles überteuert ist. Und da es in Oberbilk jetzt viele nette Läden zum Ausgehen gibt, würde mir das Wegziehen auch nicht schwerfallen."

Quelle: RP
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