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Oberbilk
Schüler werden zu Programmierern

Oberbilk. Schüler des Lessing-Gymnasiums erhalten in einem eintägigen Workshop Einblicke in die neue Internettechnologie "IoT" und das Programmieren. Die "Think-big"-Tour ist Teil eines Jugendprogramms zweier Stiftungen. Von Sven-André Dreyer

Computergesteuerte Heizungsanlagen, die, kurz bevor die Bewohner eines Hauses heimkommen, das Wohnzimmer auf eine angenehme Temperatur hochregeln und Online-Landkarten, die dem Nutzer eines Mobiltelefons anzeigen, wo sich die nächste Tankstelle befindet, gehören mittlerweile zum Alltag. Das "Internet der Dinge" (englisch "Internet of Things", kurz IoT) dient als Oberbegriff für die rasante Entwicklung. Denn zunehmend verschwinden Computer als wahrnehmbare Geräte aus dem Alltag und werden durch "intelligente Gegenstände" ersetzt. Statt - wie bis vor wenigen Jahren - selbst Gegenstand der menschlichen Aufmerksamkeit zu sein, soll nun das "Internet der Dinge" den Menschen bei seinen Tätigkeiten unmerklich unterstützen.

"Eigenständig Lebensmittel bestellende Kühlschränke gehören nicht mehr in die Kategorie ,Orwells 1984', erste Versuche mit autonom agierenden Fahrzeugen finden bereits in Australien statt", sagt Lisa Pickl (25), "der Mensch klappt das Lenkrad dann einfach beiseite und döst während der Fahrt ein wenig." Und was jetzt noch als visionär gilt, könnte schon morgen Realität sein. Auf der "Think big"-Tour, einem Jugendprogramm der Telefónica Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), informierte Pickl mit ihren Kollegen gleich sieben Schülergruppen des Lessing-Gymnasiums über die neuesten Entwicklungen im Bereich Internet. Und so wurden die Schüler über "Smart Health" - zum Beispiel die Nutzung von digitalen Sensoren, die unsere Körperaktivitäten überwachen - genau so informiert wie über "Smart City" und "Smart Home", autonome Alltagsgegenstände, die - wie der digitale Kühlschrank - Tätigkeiten des Alltags übernehmen können.

In Workshops erhielten die Schüler die Chance, eigenständig kleine Anwendungen zu programmieren. "Es ist interessant, mal eine andere Art der Programmierung kennenzulernen", sind sich Jonas, Kai und Oliver (alle 18) einig. Sie besuchen den Leistungskurs Informatik der 12. Klasse und freuen sich über die unmittelbar sichtbaren Ergebnisse ihrer Arbeit an den kleinen Computern. Alle haben den Plan, Informatik zu studieren, für konkrete Berufe haben sie sich allerdings noch nicht entschieden. Jonas: "Es soll aber auf jeden Fall in den Bereich Anwendungsentwicklung gehen."

"Die Schüler sind schon während ihrer Schulzeit auf einem sehr hohen technischen Niveau", sagt Robert Krell, Lehrer für Mathematik, Physik, Informatik und Koordinator des Bildungsgangs "Mathematik und Informatik" am Gymnasium in Oberbilk. Dennoch: "Der Bildungsgang soll möglichst breit und fundiert aufgestellt sein", so Krell, "nur so erhalten die Schüler facettenreiche Einblick in die Möglichkeiten der modernen Informatik." Insgesamt sieben Fachlehrer des Gymnasiums unterrichten die Schüler in Programmierung und Konzeptionierung von Anwendungen. Ein Vorteil, denn der Austausch der Lehrer untereinander führt auch dazu, dass den Schülern stets der aktuelle Stand der Technik vermittelt werden kann.

Und bei allen Annehmlichkeiten, die mit den neuen Entwicklungen einhergehen, wurde auf der "Think big"-Tour auch auf das Gefahrenpotenzial der Technologie hingewiesen. "Wenn mich meine Krankenkasse rauswirft, nur weil ich mich laut Smart-Health-Überwachung nicht ausreichend bewege, kann das nicht richtig sein", sagt Kai.

Quelle: RP
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