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Oberbilk
Schützen haben ihre eigene "Denkfabrik"

Oberbilk: Schützen haben ihre eigene "Denkfabrik"
Torsten Petersen, Sascha Richter und Ulrich Köppen (v.l.) machen sich Gedanken über mögliche Verbesserungen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Oberbilk. Die Sebastianer in Oberbilk gelten als besonders zukunftsorientiert, geben sich mit dieser Vorreiterrolle aber nicht zufrieden. Von Marc Ingel

Auch was schon ganz gut ist, kann man womöglich noch besser machen. Unter dieser Voraussetzung haben die Schützen in Oberbilk ihre eigene "Denkfabrik" gegründet. Dahinter steckt kein Gebäude, in dem gearbeitet wird, sondern die Idee, in auch für das Brauchtum schwierigen Zeiten Optimierungsbedarf zu benennen und Verbesserungen herbeizuführen.

"Die Initialzündung kam bei unserer Generalversammlung, als eine Kompanie gezielt anregte, generell einmal über die Zukunft des Vereins nachzudenken", erklärt Torsten Petersen, bei den St. Sebastianern für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Der neue 2. Geschäftsführer, Stefan Schmitz, machte sich sofort an die Arbeit. Sein Ziel ist es, an Versammlungen aller 18 Gesellschaften des Vereins teilzunehmen und gemeinsam ein Brainstorming für eine Ideenfindung zu initiieren. "Wir wollten das nicht von oben herab bestimmen, sondern die Basis fragen", sagt der 1. Chef Sascha Richter. Zwei der Kompaniemitglieder sondieren und analysieren die ins Spiel gebrachten Punkte, prüfen Bedeutung und Umsetzbarkeit, "erst dann werden sie dem Vorstand präsentiert", betont Petersen.

Natürlich zeichnen sich schon jetzt Themen ab, an die ein Schützenverein heutzutage nicht vorbeikommt, unterstreicht der 2. Chef Ulrich Köppen. Die Nachwuchsgewinnung steht dabei ganz oben auf der Liste. "Wir müssen mit Sicherheit eruieren, wie die Abläufe im Programm verändert werden können, damit sich das Schützenfest für Kinder und Jugendliche attraktiver darstellt. Den Nachwuchs enger einzubinden, das könnte so ein Ansatzpunkt sein", sagt Petersen. "Wir wollen allerdings auch nicht alles über den Haufen schmeißen, an Bewährtem und Gutem festhalten", betont Richter. Dazu zählt beim Schützenverein in Oberbilk auch der selbstverständliche Umgang mit den neuen Medien. Es gibt eine eigene App, das Schützenfest erscheint als eBook und bei Youtube ist einmal mehr ein eigener Schützensong abrufbar. "Das Thema ist aktuell sicher ausgereizt für uns. Aber wir behalten das im Blick", sagt Petersen.

Mit einer anderen Neuerung haben sich die Schützen in Oberbilk Zeit gelassen: Frauen dürfen jetzt nicht nur Mitglieder, sondern auch Regimentskönigin werden. "Sie waren selbstverständlich schon immer dabei, durften nur eben offiziell nicht dem Verein beitreten", erklärt Richter. "Jetzt haben sie alle Rechte, aber auch alle Pflichten, die so eine Mitgliedschaft mit sich bringt." Dass mit Julia Blüml im Vorjahr bereits erstmals ein Jungschützenkönigin gekrönt wurde, obwohl die Satzungsänderung noch nicht eingetragen war, sehen die Oberbilker Schützen nicht so eng. "Wir waren uns ohnehin alle einig, dass dieser Schritt überfällig ist", so Richter. Ein angenehmer Nebeneffekt am Rande: Der Verein hat rund 400 Mitglieder, und diese Zahl wird trotz nicht ausbleibender Austritte und Todesfälle durch die Aufnahme von Frauen unter dem Strich sicher eher noch steigen.

Dass mögliche Änderungen erst im kommenden Jahr greifen werden, hat einen guten Grund. "Wir feiern 2018 unser 170-jähriges Bestehen. Das ist dann natürlich der optimale Zeitpunkt, für ein wenig frischen Wind zu sorgen", sagt Petersen und fügt hinzu: "Am Ende des Tages ist es doch wichtig, dass wir weiterhin gerne Schützen sind. Dazu wird die Denkfabrik mit Sicherheit beitragen."

Quelle: RP
 
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