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Oberbilk
Schützenetikette(n)

Oberbilk. Kleider machen Leute, weiß man auch bei den Oberbilker Schützen. Wer gegen die Kleiderordnung verstößt, zahlt in die Vereinskasse: Für das Vergessen eines Einzelteils der Uniform, die schon mal 1000 Euro kosten kann, werden fünf Euro fällig. Von Semiha Ünlü

"Jede Gattung Menschen, die Uniform trägt, imponiert dem großen Haufen und weiß sich ihres Vorzugs meistens sehr gut zu bedienen", schrieb Goethe einst in seinem (unvollendeten) Theaterroman "Wilhelm Meisters theatralische Sendung". Damit das auch den Oberbilker St.-Sebastianus-Schützen gelingt, gibt es einen strikte Kleiderordnung. Wer rote statt schwarze Socken trägt, zahlt einen Euro Strafe, sagt Veronique Mues. Als Spieß des Oberbilker Tambour- Corps 1912 ist sie dafür verantwortlich, dass alle Kameraden von Kopf bis Fuß korrekt gekleidet sind.

Vor den Paraden lässt Major Frank Spinnraths die Kameraden dafür antreten, Mues mustert dann ihre Vereinsfreunde. Fehlen Knöpfe und Schulterklappen am Schützenrock oder Hemd (die Schützen müssen auch bei ausgezogener Jacke auf Anhieb zu identifizieren sein), werden drei Euro fällig. Für eine nicht (richtig) gebügelte Hose zahlt man einen Euro in die Vereinskasse. "Wir schicken Kameraden nach Hause, wenn nicht alles ordnungsgemäß ist", sagt Mues.

100 Euro hat der Spieß des Tambour-Corps in dieser Schützensaison schon jetzt, vor Beginn der viertägigen Schützenfeierlichkeiten, bei den 30 Kameraden eingesammelt, mit denen die Jugendarbeit des Oberbilker Vereins gefördert wird. Eine Herausforderung bei vielen Schützen: eine knitterfreie Hose samt "scharfer" Bügelfalte. Das Einhalten des Dresscodes gilt auch nach "Dienstschluss": Wer sein Hemd locker aus der Hose heraushängen lässt, zahlt einen Euro in die Vereinskasse. Denn ein Schützenkamerad müsse immer korrekt gekleidet sein.

Wer es mit der Kleider- und dem Verhaltenskodex des Tambour- Corps nicht so ernst nimmt, wird zur "Zugsau" erklärt und muss das Abzeichen sichtbar bei sich tragen. "Es geht dabei nicht um die Zahl der Vergehen, sondern um die Höhe der Strafgelder, die zusammenkommen", sagt Mues. Wer den Weckruf zum Appell verschläft, zahlt 30 Euro in die Vereinskasse, wer Teile seiner Uniform nicht dabei hat, fünf Euro.

Und die besteht aus mehr Einzelteilen, als man denkt. So gehören zur Spieß-Uniform zum Beispiel Schirmmütze, Schützenrock, Schulterstücke (an Jacke und Hemd, also zwei Paar), schwarzer Gürtel, eine grüne Krawatte mit silberner Nadel und Gravur des Vereins und das Musikinstrument - bei Veronique Mues ist das eine Querflöte in Ces-Dur. Auch den Kompaniebefehl (ein Heft mit allen Terminen und Informationen zum Schützenjahr) muss man immer bei sich tragen.

Die Schützenuniform von Major Frank Spinnraths kostet mit allem drum und dran fast 1000 Euro, die von Veronique Mues um die 460 Euro. Der Unterschied liegt aber nicht so sehr in der Bekleidung, sondern am Zubehör. So kosten allein der Küs des Tambour-Majors 370 Euro, die Hose mit den goldfarbenen Galonstreifen 110 Euro.

Mehrmals haben die Kameraden des 1912 gegründeten Tambour-Corps für den perfekten Auftritt beim diesjährigen Oberbilker Schützenfest in Sachen Etikette geprobt, wurden von Major Frank Spinnraths und Spieß Veronique Mues instruiert, was die Regeln für Benimm und Kleidung sind. Am kommenden Sonntag wird sich dann bei der ersten Parade an der St. Josef Kirche zeigen, ob das mit dem perfekten Auftritt, dem Imponieren in Uniform und dem Ausspielen der eigenen Vorzüge gelingt.

Quelle: RP
 
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