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Oberkassel
Auf dem Papier die Vogelwelt "erwecken"

Oberkassel: Auf dem Papier die Vogelwelt "erwecken"
Illustratorin Deborah Sorg zeichnet und malt vor allem Tiere der Lüfte. Ihr Lieblingsvogel ist der Dompfaff, auch Gimpel oder Blutfink genannt. FOTO: David Young
Oberkassel. Die Oberkasselerin Deborah Sorg ist Illustratorin mit einem Faible für Tiere wie den Dompfaff. Ihre Bilder von den gefiederten Tieren wirken täuschend echt. Von Heide-Ines Willner

Der Vogel sieht putzig, ja harmlos aus und passt irgendwie nicht zu seinem Namen: "Neuntöter". Dem nicht genug, gehört er auch noch zur hierzulande weit verbreiteten Familie der "Würger". Das klingt brutal und ist es aus menschlicher Sicht wohl auch. Denn seine Beute - Insekten, kleine Vögel und auch Mäuse - spießt er auf Dornen oder spitze Zweige auf. Und das Blut tropft herab. Die Illustratorin Deborah Sorg stellt diesen Vorgang in einer ihrer vielen Vogelzeichnungen dar und hat den Neuntöter in so feinen Strichen gezeichnet, dass er trotz der Blutspuren fast wie fotografiert wirkt.

Er ist aber nicht der einzige bunt Gefiederte, der in ihrem kleinen Atelier an der Columbusstraße zu sehen ist. Zaunkönig, Dompfaff, auch Gimpel genannt, Eichelhäher und Kuckuck, führen eine Riege ausschließlich heimischer Vögel an, die Deborah Sorg zu Papier gebracht hat. Stets leicht mit Kaffeeflecken unterlegt. "Ich trinke für mein Leben gern Kaffee und habe ihn einmal aus Versehen über meine Arbeit geschüttet - und fand Gefallen daran", sagt sie lachend. Seitdem haben ihre Vogelzeichnungen einen leicht bräunlichen Hintergrund.

Was sie an den Vögeln so fasziniert: "Sie sind präsent, zerbrechlich, erhaben und können fliegen." Schon immer sei die Vogelwelt eine Quelle der Inspiration für sie gewesen. "Ich bin in einem Pfarrhaus aufgewachsen", erklärt sie. Stetig seien Menschen um sie herum gewesen. Als Kind habe sie Ruhe gesucht und eines Tages beim Blick aus dem Fenster einen Dompfaff entdeckt. "Ich schaute ihm zu, beobachtete ihn, und weil ich noch nicht schreiben konnte, zeichnete ich ihn."

Ein Schlüsselerlebnis. Denn nun begann sie ein Faible für die Gefiederten zu entwickeln, die sie immer perfekter zeichnete. Klar, dass sie ihre Begabung zum Beruf machte. "Ich habe an der Essener Folkwangschule Illustration studiert." Danach habe sie in ihrem Beruf gearbeitet. Eine herausragende Arbeit war das von ihr gestaltete Kinderbuch "Mir ist kalt", das einen Preis bekam. Illustrationen für Magazine und Zeitschriften bestimmten dann ihren beruflichen Alltag. Nach Düsseldorf kam Deborah Sorg der Liebe wegen. Sie heiratete und wurde Mutter "Ich habe dann erst einmal pausiert." Als die drei Kinder größer wurden, griff sie wieder zum Stift, "weil mir der Beruf, das Zeichnen fehlte". Doch das genügte ihr bald nicht mehr und sie begann andere Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen. "Ich konzentrierte mich auf die Malerei", sagt sie und zeigt auf einen Dompfaff in Acryltechnik.

Obwohl sie erfolgreich auf vielen Ebenen arbeitet, ist sie wieder auf der künstlerischen Suche. Unter dem Titel: "Meine Vögel in deinem Wald" hat sie begonnen, Tierpräparate, die sie sich ausleiht, zu umwickeln. So sind zum Beispiel ein Turmfalke und eine Elster in weißes Verbandsmaterial gehüllt und kaum zu erkennen. Der Künstlerin fällt es schwer zu beschreiben, warum sie die Tierpräparate verhüllt. "Es passiert so viel in der Welt, Verletzungen und die Suche nach Schutz", versucht sie zu erklären. Alles, was in der Welt passiere, fließe in ihre Bildsprache ein. "Ich will die Tiere einwickeln, vielleicht auch, um Verlust und Verletzlichkeit zu mildern." Eine Schutzhülle sozusagen. Für Deborah Sorg bleibt die Natur ihr Schutz- und Rückzugsraum: "Ich bin ein Waldkind."

Quelle: RP
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