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Oberkassel
Eine Hommage an den Rhein

Oberkassel. Die Deichwächter haben ein Buch zur Düsseldorfer Rheinlandschaft herausgebracht. Es dokumentiert deren Schönheit, widmet sich aber vor allem ihrer ständigen Bedrohung - durch ehrgeizige Planer und die Politik. Von Torsten Thissen

Richard Fuchs hat sich verliebt. Und da so etwas selten folgenlos bleibt, hat er aus seiner Liebe eine Passion gemacht. Das Buch, das er gemeinsam mit Georg Kretschmar nun herausgebracht hat, ist eine Dokumentation dieser Liebe, thematisiert auf mehr als 100 Seiten. Es geht um den Rhein und die Landschaft, die der Fluss seit Generationen prägt. Sekundär geht es aber auch darum, was Menschen unternehmen, wenn etwas zur ihrer Herzensangelegenheit wird: Sie schützen es. Mit allem, was sie haben. Und so ist das Buch "StadtLandFluss", das seit dieser Woche in den Buchläden für 19.50 Euro zu kaufen ist, (Engelsdorfer Verlag, Leipzig, ISBN 978-3-96008-686-4) auch eine Art bürgerliche Kampfschrift geworden. Für eine Idylle, die immer noch und immer wieder bedroht ist, wie Richard Fuchs sagt. Dabei geht es ihm besonders um die linke Seite des Rheins. Denn immer wieder gibt es Versuche, die dortige Landschaft zu verändern, zu zerstören, wie Fuchs und seine Mitstreiter vom Verein Deichwächter sagen. Aktuell etwa durch die geplante Brücke für die neue Linie U81. In der Vergangenheit war es eben die Olympia-Bewerbung der Stadt im Jahr 2003 oder Planungen, die Deiche mit Garagen zu unterhöhlen, eine Fernwärmeleitung oder eben Veranstaltungen, die Massen auf die Wiesen von Heerdt, Ober-, Niederkassel und Lörick anlocken würden. Aus Sicht der Deichwächter ist etwa auch die jährliche Kirmes ein Sakrileg. So seien bis heute noch nicht die Spuren jenes Tennisplatzes beseitigt, immer noch liege der Schotter dort und werde von den Veranstaltern nicht weggeschafft, obwohl sie sich eigentlich dazu verpflichtet hatten, sagt Fuchs. Oft verweist Fuchs im Buch auf die 1975 in Kraft getretene Rheinwiesensatzung: "Die Rheinwiesen dienen der Düsseldorfer Bevölkerung ausschließlich der Erholung. Veranstaltungen aller Art sind unzulässig..."

Seit 1993 gibt es den Verein Deichwächter, inzwischen hat er noch 70 Mitglieder. Einer von ihnen ist Georg Kretschmar, der vor über 40 Jahren die erste Bio-Bäckerei im Linksrheinischen gegründet hat. Im Buch hat er ein Kapitel über die Gräser auf den Rheinweisen gemacht, dabei ist es die Vielfalt an Gräsern, die ihn fasziniert. "Letztlich sind Getreidesorten ja nichts anderes als veredelte Gräser", sagt er. Und so führt das Buch auch durch eine selbst den meisten Düsseldorfern unbekannte Landschaft, die aus Löwenzahn, Storchenschnabel, aus dem Frühlingshungerblümchen dem Wiesenfuchsschwanz und dem Knaulgras besteht. Eine Miniatur-Welt, die das Biotop Rheinwiese bildet, die Grüne Lunge der Stadt Düsseldorf. Der Leser erfährt aber auch, wie die Menschen sich dem Fluss genähert haben und weiter nähern. Die Autoren beschreiben lohnende Ausflugsziele, architektonische Höhepunkte und widmen den Düsseldorfer Brücken ein Kapitel. Sie dokumentieren den Bau der Rheinuferpromenade und des Medienhafens und würdigen noch einmal den Schäfer Gerhard Siegfried, der jahrelang mit seiner Herde von Heerdt nach Lörick zog und 2015 verstarb. Natürlich erzählen sie in einer Chronologie auch von ihrem Kampf um dieses einzigartige Stück Natur. Zuletzt haben sie dem Buch noch eine Beitrittserklärung zum Verein Deichwächter angehangen. Denn der Kampf geht immer weiter. Und die Liebe endet nie.

Quelle: RP
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