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Oberkassel
Im Theater Luegallee macht man alles selbst

Oberkassel. Um Make-up und viele andere Dinge kümmert sich das Ensemble, zeigt der Blick hinter die Kulissen.

Der Zuschauerraum ist leer, auf der Bühne ist aber schon eine Menge los. "Hier wird während der Vorstellung richtig gekocht. Das muss vorbereitet werden", erklären Silvia Munzón Lopéz und Dirk Volpert. Sie stehen als Louise Hamilton und George Clark in dem Stück "Bleib doch zum Frühstück" im Theater an der Luegallee auf der Bühne und bereiten mit dem Team den Auftritt vor. Während in dem Raum, der aus Theke, Bühne und Zuschauerreihen besteht, der Staubsauger läuft, die Gläser an der Bar sortiert, Wechselgeld vorbereitet, das Toilettenpapier im WC aufgefüllt und am Telefon Reservierungswünsche angenommen werden, erklärt Ingrid Wanske: "Die Crew hat 75 Minuten Zeit, um alles vorzubereiten." Sie und Joachim Meurer stehen als "Theatermacher" hinter dem Erfolg des Zimmertheaters, das seit 35 Jahren im Wohnzimmerambiente Unterhaltung bietet.

Um dem Anspruch auch an diesem Abend gerecht zu werden, bemüht sich Lopéz - in Spanien geboren und in Wuppertal aufgewachsen - in der hinter der Bühne gelegenen Garderobe, ihre langen dunklen eng geflochten Haare so zu bändigen, dass sie unter eine Kurzhaarperücke passen: "Das erfordert ein bisschen Übung und Geduld." Auch das Schminken übernimmt sie selbst, bügelt ein Kleid, zeigt, wie sie unter einer kurzen Jeanslatzhose auf der Bühne einen ausgewachsenen Babybauch vortäuscht und erzählt: "In der Komödie bin ich hochschwanger, rauche und trinke Whisky. Aber alles geht gut, die Zuschauer erleben eine Hausgeburt."

Und während Schauspieler und Regisseur Dirk Volpert den Wassertank für die Bühnenspüle füllt, Pfannen, Töpfe und Geschirrtücher sortiert, das Steak auftaut und die Champagnerflasche präpariert, erklärt er: "Louise und George sind wie Feuer und Wasser. Das gibt allerhand Zündstoff." Zwischen 18 und 19.15 Uhr bleibt Zeit, um die Requisiten zusammenzusuchen und an den Stellen zu deponieren, wo sie während der Vorstellung gebraucht werden. So läuft es auch vor der Bühne ab.

Der Charme des für rund 80 Gäste ausgerichteten Theaters mit dem unvergleichlichen Bühnenflair beflügelt die Crew. "Es ist etwas Besonderes. Wir arbeiten ohne Netz und doppelten Boden", sagt Ingrid Wanske. Wenn Punkt 19.15 Uhr die Theatertüren aufgehen, das Publikum hereinströmt und sich später über das kurios inszenierte Zusammentreffen von cooler Jugendkultur und Bürgerlichkeit auf der Bühne sichtbar amüsiert, ist ohnehin alle Mühe vergessen.

(mgö)
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