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Oberkassel
Kleiderkammer für den guten Zweck

Oberkassel. Seit 2001 gibt es die Kleiderkammer St. Antonius. Dort werden guterhaltene Sachspenden angenommen und zum Schnäppchenpreis weitergegeben. Mit dem Erlös werden Projekte im In- und Ausland unterstützt. Von Heide-Ines Willner

Annelie Schüller schlüpft in den Mantel und ruft: "Er ist ja wie für mich gemacht." Das wäre eigentlich nichts Besonderes, wenn der Mantel nicht aus der Kleiderkammer St. Antonius stammen würde und zuvor schon eine andere Besitzerin gehabt hätte. Annelie Schüller ist nicht die Einzige, die sich im Souterrain des Canisiushauses aus der Fülle gespendeter Bekleidung das Passende aussucht. Denn neben den Stammkunden kommen auch "Schnäppchenjäger" aus dem Umland, ja sogar schon mal aus dem Ausland. "Sie werden von ihren Kindern, die in Düsseldorf arbeiten, auf uns aufmerksam gemacht", weiß Christine Schwöbel, ehrenamtliche Leiterin der Kleiderkammer St. Antonius. An diesem Tag wurde sie von Christa Staußberg, Hannelore Latzen, Annette Lingen und Marita Aschern unterstützt, die den Besuchern der Kleiderkammer mit Rat und Tat zur Seite standen.

Fünf von insgesamt zehn Frauen, die sich abwechselnd und freiwillig in den Dienst der guten Sache stellen. Denn vom Erlös aus dem Verkauf der Sachspenden werden seit 2001 soziale Projekte im In- und Ausland unterstützt. Zum Beispiel das Walburgis-Hospital in Tansania, das Bistum Corata in Brasilien und Pfarrer Paul in Indien, der sich für die Ausbildung von Mädchen einsetzt. Doch auch Projekte in Düsseldorf, wie die Armenküche, die kürzlich 2500 Euro bekam, der Obdachlosenbus und der "Knackpunkt" werden bedacht. "Die Einrichtungen rechnen mit unserem gespendeten Geld", erklärt Christine Schwöbel den seit Jahren ungebrochenen Einsatz des ehrenamtlichen Teams. Dafür gab es bereits die Ehrenurkunde der Caritas-Stiftung des Erzbistums Köln und für die Leiterin die Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD Deutschland.

Das soziale Engagement begann 1988 mit Altkleidersammlungen. Die brauchbaren Sachen wurden in Bananenkisten verpackt und nach Polen und Afrika geschickt. Als der Transport immer schwieriger wurde, beschlossen die Helfer, die Sachen stationär in Oberkassel zu verkaufen, um dann mit dem Erlös die Patenprojekte der Gemeinde zu unterstützen. Kleiderständer, Regale wurden angeschafft, Spiegel aufgehängt und Preislisten mit Minibeträgen gedruckt. Schnell sprach sich herum, dass es im Pfarrzentrum "Kleidung zu Schnäppchenpreisen" gebe. Seit 2005, nach dem Umbau des Canisiushauses, sogar in einem angenehmen Ambiente. "Dafür sind wir Pastor Michael Dederichs sehr dankbar. Er lässt uns freie Hand", so das Echo aus dem Helferkreis. "Wir brauchen keine Miete, keine Nebenkosten zu zahlen und können so den kompletten Erlös spenden."

Kommen die einen, um zu kaufen, kommen andere, um ihre getragene Kleidung ohne Gegenleistung abzugeben. "Wir bezahlen den Spendern nichts", betont Christine Schwöbel. "Wir nehmen die Sachen an, sortieren sie und zeichnen sie aus." Alles, was sich für einen Weiterverkauf nicht eigne, werde kostenlos an die Caritas weitergegeben. So wird das Angebot der Kleiderkammer, das von der Winterjacke über Schuhe und Wäsche bis zum schicken Abendkleid reicht, attraktiv gehalten, was dann auch einen materiellen Erfolg verspricht. Deshalb sollte die Kleiderkammer St. Antonius nicht mit der neuen in Niederkassel verwechselt werden. Dort werden Flüchtlinge und andere Bedürftige kostenlos versorgt.

Quelle: RP
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