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Oberkassel
Nur historische Gebäude sind geschützt

Oberkassel: Nur historische Gebäude sind geschützt
Sie sind ein Markenzeichen von Oberkassel: die Jugendstilfassaden am Kaiser-Wilhelm-Ring. FOTO: Werner Gabriel
Oberkassel. Die Bezirksvertretung 4 hatte die Verwaltung gebeten, zu prüfen, ob die Erhaltungssatzung für Oberkassel noch zeitgemäß ist. Heute wird ihnen das Ergebnis vorgestellt. Laut Verwaltung kann sie bleiben, wie sie ist. Von Heide-Ines Willner

Es bleibt alles so, wie es ist: Nur die Gebäude aus dem ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und Straßen und Plätze aus dieser Zeit sind durch die Erhaltungssatzung geschützt. Was danach gebaut wurde, fällt durch das Raster. Damit dürften die linksrheinischen Bezirksvertreter, die heute von der Verwaltung über das Prüfergebnis informiert werden, kaum zufrieden sein. Denn sie hatten die Verwaltung gebeten, zu klären, ob die Satzung noch zeitgemäß ist oder angepasst werden muss, damit auch neuere Gebäude unter ihren Schutz fallen.

Die Antwort der Verwaltung: "Die umfangreiche Prüfung hat ergeben, dass die in der Satzung festgelegten Geltungsbereiche noch zutreffend und die Grenzen nach wie vor aktuell sind." Ergänzungen, andere zeitliche Epochen zu berücksichtigen seien nicht notwendig.

"Mit unserem Antrag, den wir 2012 gemeinsam mit der SPD und der Linken eingebracht haben, sollte geklärt werden, ob die Bauten der 50er, 60er und vielleicht der 70er Jahre erhaltenswert sind", sagt Markus Loh, Sprecher der Grünen. Die Verwaltung schließe diese Bauten kategorisch aus und stelle sich nicht der Frage, ob sie vielleicht ortprägend seien. Schließlich habe sich die Baukultur seit den 1980er Jahren verändert. Loh ist überzeugt: "Ohne Anpassung und Erweiterung der Gebiete wird die Erhaltungssatzung zur Abrissatzung für die Nachkriegsbauten."

Auch Bezirksvorsteher Rolf Tups kann dem Prüfergebnis nicht viel abgewinnen, aber: "Ich habe nichts anderes erwartet." Sicher gehe die Satzung nicht weit genug, doch könne er den Ermessensspielraum akzeptieren, den sie einräumt, weil sie bei einer weiteren Fassung die Denkmalbereiche tangieren würde. "Je mehr Erhaltssatzung, desto geringer wird der Abstand zum Denkmalschutz." Dann solle man den Mut haben, das Gebäude gleich als Denkmal einzustufen. Tups gibt zu bedenken, dass sich zwei Parteien gegenüberstehen - der Eigentümer, der sein Haus modernisieren oder durch einen Neubau ersetzen will und der Betrachter, der über die Straßen flaniert. "Klarheit ist erst dann zu erreichen, wenn einzelne Gebäude begutachtet werden. Aber wer soll das leisten?"

Die Verwaltung hat drei Bereiche untersucht: südlich und nördlich der Luegallee und rund um die Schanzenstraße. Für Niederkassel und Lörick gibt es jeweils baurechtliche Vorgaben, die den Erhalt von Struktur und Charakters eines niederrheinischen Dorfes erhalten sollen. Oberkassel, so heißt es, sei von besonderer geschichtlichen Bedeutung. Denn als Stadtplaner Josef Stübben nach dem Bau der ersten festen Rheinbrücke im Jahr 1898 das neue Oberkassel auf dem Reißbrett entwarf, ebnete er den Boden für eine großbürgerliche mehrgeschossige Blockrandbebauung in zwei bis vier- und fünfgeschossiger Bauweise. Bis heute haben die Gebäude einen hohen Wohnwert und eine überdurchschnittliche Attraktivität.

Auslöser für die umfangreiche Prüfung der Erhaltungssatzung war das Spektakel um den Abriss der Nachkriegsbauten an der Cimbernstraße. Die Frage lautete: Sind sie durch die in den 1980er Jahren in Kraft getretene Satzung geschützt oder nicht? Weil zunächst keiner diese Frage beantworten konnte, kämpften die ehemaligen Mieter um den Erhalt ihrer Wohnungen, gingen auf die Straße und sammelten 1000 Unterschriften. Damit riefen sie ihre politischen Vertreter auf den Plan, die sich ebenfalls für den Erhalt stark machten: Allen voran die Grünen, die immer wieder auch einen Milieuschutz forderten, um vor allem den Bau von Luxuswohnungen einzudämmen. Loh: "Das war aber nicht Teil unseres Beschlusses von 2012."

Nun sind die Wogen in diesem Fall längst geglättet, die ehemaligen Mieter wurden großzügig entschädigt und haben neue Wohnungen gefunden.

Quelle: RP
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