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Pempelfort
Acht Millionen Euro für modernere Kirche

Pempelfort. Die evangelische Gemeinde will sich am Standort Collenbachstraße runderneuern. Das Gemeindezentrum sucht seinesgleichen. Von Marc Ingel

Das 1930 eingeweihte Gemeindehaus der evangelischen Kreuzkirche an der Collenbachstraße hat sich vor zwei Jahren in einem derart desolaten Zustand präsentiert, dass einige Verantwortliche schon über eine Aufgabe des Zentrums nachdachten. Sanitäre Einrichtungen oder die Heizung waren alles andere als zeitgemäß, der Bau war nicht barrierefrei und der im Innenhof gelegene Eingang allenfalls Insidern bekannt. Man entschloss sich im Presbyterium, zu sanieren, einen Anbau hinzuzufügen, einen Aufzug einzubauen, den Vorplatz neu aufzuteilen und zu asphaltieren, den gesamten Entree-Bereich einladender zu gestalten. Mehr als ein Jahr haben die Arbeiten gedauert, noch immer stehen Restarbeiten aus, vier Millionen Euro hat alles zusammen gekostet.

Rainer Kemberg hat als leitender Pfarrer an der Kreuzkirche die Arbeiten vom ersten Tag an begleitet. Sein vorläufiges Resümee: "Es ist jetzt das für uns optimale Gebäude mit einem absolut schlüssigen Konzept." Vorläufig ist dieses Fazit allein schon deswegen, weil nebenan die Arbeiten in der sprichwörtlich heißen Phase sind: Die vier Seitentürme und der Hauptturm der Kreuzkirche sind eingerüstet und werden saniert.

Die Schäden rühren noch vom Pfingststurm Ela vor drei Jahren her. "Wir mussten erst einmal eine Schadensaufnahme vornehmen, Versicherungsfragen klären und natürlich auch die Finanzierung sicherstellen", erklärt Kemberg, warum die Sanierung, die voraussichtlich weitere vier Millionen Euro verschlingen wird, erst jetzt in Angriff genommen wurde. 70 Prozent der Gesamtkosten sind aus der Gemeinschaftskasse des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf gedeckt, 30 Prozent muss die Gemeinde selbst tragen.

Aber es ist gut angelegtes Geld, da ist sich Kemberg sicher. Der Kirchenkreis sieht sich in einem Erneuerungsprozess, der langfristig angelegt ist und die Aufgabe oder Neunutzung von Standorten ebenso wie die Stärkung bestehender Zentren beinhaltet. So konzentriert sich die Kirchengemeinde Mitte, räumlich quasi identisch mit dem Stadtbezirk 1, künftig auf die Kreuzkirche an der Collenbachstraße und die Neanderkirche an der Bolkerstraße.

Während diese beiden Gotteshäuser sich über ihre Gemeindemitglieder definieren, soll die Johanneskirche am Martin-Luther-Platz vor allem mit ihren vielfältigen offenen Angeboten punkten. "Für die Zionskirche, wo aktuell zum Beispiel noch die Tafel ihre Lebensmittelausgabe durchführt, wird dagegen über eine andere Nutzung nachgedacht", sagt Kemberg.

Der Vorsitzende des Presbyteriums ist jedenfalls froh, wie gelungen der Umbau des Gemeindezentrums in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde ausgefallen ist. Der offene Vorplatz mit Sitzgelegenheiten wirkt nicht länger abweisend, im neuen Anbau hat das Gemeindebüro als erste Anlaufstelle einen auch repräsentativen Sitz. Der Flur hat allein schon wegen der in anderen Etagen ebenfalls immer wieder auftauchenden Farbe Blau etwas Edles. Ein Giebel des 1899 errichteten Predigthauses, das früher an der Collenbachstraße stand, schmückt als Reminiszenz an alte Zeiten den Eingangsbereich.

"Der größte Gewinn für uns ist der Aufzug", sagt Kemberg. So hat das Schleppen in obere Stockwerke ein Ende, "vor allem sind wir jetzt aber endlich barrierefrei", so Kemberg. Vorher waren zum Beispiel die im Keller angeordneten Toiletten für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen nicht erreichbar. Das galt mit Abstrichen auch für den großen Collenbachsaal im ersten Obergeschoss mit Platz für mehr als 500 Personen, in dem wie auch im Treppenhaus die Symbiose von Alt und Neu besonders gut sicht- und spürbar ist. "Hier müssen wir noch die Bühnentechnik auf den neuesten Stand bringen", sagt Kemberg. Im Untergeschoss wird noch am Partykeller für die "Jugendetage", die ihren eigentlichen Sitz über dem benachbarten Familienzentrum hat, gewerkelt. Die Empore wurde komplett umgebaut, hier entstanden neue Büros für Diakon oder Kirchenmusiker.

Bis wirklich alles fertig ist, wird es wohl Herbst 2018, schätzt Kemberg. "Aber die hohen Investitionen werden sich auszahlen. Wir werden mit der Konzentration auf die beiden Standorte auch über 2030 hinaus zukunftsfähig sein", will der Pfarrer ein ordentliches Vermächtnis hinterlassen.

Quelle: RP
 
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