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Pempelfort/Lohausen
Der Retro-DJ

Pempelfort/Lohausen: Der Retro-DJ
Markus Goosmann und die beiden wichtigsten Dinge in seinem Leben - Grammophon im Vordergrund, Klavier im Hintergrund. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Pempelfort/Lohausen. Markus Goosmann hat viele Talente, ist Klavierlehrer und Barpianist. Und er sammelt Schellackplatten, weiß alles über die Unterhaltungsmusik der 1920er- und 1930er-Jahre. Am Freitag legt er die alten Tonträger im Café Startklar auf. Von Marc Ingel

Es gibt dieses Foto von Markus Goosmann als Kind - wie er in Manier eines virtuosen Meisters langsam die Finger einer Hand, knieend, auf die Tasten eines Mini-Klaviers sinken lässt. Als ob schon damals ein jeder musikalische Moment mit ihm ein bedeutender war. Vielleicht, und das ist sogar wahrscheinlich, hat er sich mit dieser vermeintlich erhabenen Geste aber einfach nur einen Spaß für den Fotografen gegönnt. Zwar beschäftigt sich Goosmann durchaus ernsthaft mit Musik, aber tief in ihm steckt auch ein Schelm.

1966 wird er in München geboren, umgeben vom Klang der Unterhaltungsmusik der 1920er- und 1930er-Jahre. Klavierunterricht und Ballettausbildung, Musikschule Bonn, Fagott im Jugendsinfonieorchester, Klavierkonzerte im Rundfunk von Jerusalem, eine Lehre als Orgelbauer und ein Studium an der Robert-Schumann-Hochschule - Goosmanns Jugend war bewegt und geprägt von Musik. Und im Verlauf der Jahre ist noch viel dazugekommen. Als Berufsbezeichnung gibt er nur Musiker an, denn ausschließlich die Musik ist der gemeinsame Nenner all seiner Tätigkeiten.

Vor allem die Sache mit der frühen Unterhaltungsmusik hat es ihm angetan. Goosmann hat eine beträchtliche Sammlung von Schellackplatten, allein die Unterhaltungsmusik umfasst rund 1000 Exemplare. Mit diesen Vinylvorläufern und einem alten Grammophon mit Kurbel und robuster, wenn auch nicht ganz so alter DDR-Nadel am Trichter, tourt er durch Clubs, bestückt Partys mit Musik von den Comedian Harmonists über Franz Grothe bis Glenn Miller, schaut mit seinen historischen Tonträgern aber auch im Altenheim oder wie zuletzt im Kleingartenverein vorbei, "wo der Alkohol mit Spitzenhandschuhen in Tassen serviert wurde", sagt der Pempelforter, der sich gerne an diesen Abend erinnert. "Das Grammophon ist rund 60 Jahre alt. Bei entsprechender Pflege hält es aber locker noch mal sechs Jahrzehnte", erklärt Goosmann.

Wer den Retro-DJ live in Aktion erleben möchte, hat dazu an diesem Freitag die Gelegenheit, wenn der 49-Jährige im Café Startklar an der Niederrheinstraße auflegt und dazu mit seinem Wissen über die Unterhaltungsmusik und die Berliner Schlager der 1930er-Jahre zu glänzen versucht. Goosmann liebt diese Zeit, schwelgt gerne in Nostalgie, als Marlene Dietrich von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt war, die Musik in den schönen Sälen der großen Hotels vor der Serienreife des Tonbandes aber vor allem ausnahmslos live gespielt wurde. Und dann gibt es da noch den deutsch-ungarischen Orchesterleiter und Stehgeiger Barnabas von Géczy, dem Goosmann ein Buch gewidmet hat. "Das ist das Herzstück meiner Sammlung. Ich habe alles von ihm, was es auf dem Markt gibt, rund 160 Platten. Auch seinen Frack besitze ich", sagt er stolz.

Einen Großteil seiner Zeit widmet er der Pädagogik, daher liegen in seinem Musikzimmer auch jede Menge Platten von Mozart oder Bach herum. Neben Klassischem unterrichtet Goosmann ebenso Pop und Jazz. Lieber erzählt er aber über seine Erlebnisse als Barpianist, wenn er zum Beispiel im Breidenbacher Hof und im Swissôtel Sinatra spielt oder mit dem Kreuzfahrtschiff Hanseatic in die Antarktis schippert (siebenmal insgesamt). "Rund 150 Titel kann ich auswendig, das ist auch erforderlich bei einer 14-tägigen Reise", sagt der 49-Jährige. Zusammen mit der Mezzosopranistin Odetta Vrba gewinnt Goosmann den Schmachtfetzen und Salonstücken der Vorkriegsära noch einen weiteren Aspekt ab, er am Klavier, sie am Mikrofon. Ebenfalls vertont er im Theatermuseum am Klavier alte Stummfilme, etwa von Murnau. Gemessen an seiner umfangreichen Ausbildung mag Markus Goosmann vielleicht nicht die ganz große Karriere gemacht haben. "Dafür verfüge ich aber über Alleinstellungsmerkmale", betont er. Schellackplattensammler, Barpianist in der Antarktis, Bewunderer von Barnabas von Géczy - in der Tat dürfte es kaum einen Musiker geben, der Vergleichbares in seiner Biografie aufweisen kann.

Quelle: RP
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