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Pempelfort
Die Könige des Schlamms

Pempelfort. Als "Mudkings" tritt eine Gruppe sportlicher Düsseldorfer jedes Jahr bei einem der härtesten Hindernisläufe der Welt an. Für sie ist das Rennen in Nordengland Herausforderung und Spaß zugleich. Von Ina Armbruster

Eigentlich, sagt Vanessa Gerlach mit einem Lachen, freue sie sich während des Rennens auf die heiße Schokolade, die im Ziel jeder Teilnehmer bekommt. "Das Problem ist nur, dass die meisten Leute zu diesem Zeitpunkt so stark zittern, dass sie die Tasse kaum halten können." Denn die Schokolade ist hart erkämpft. Das "Tough Guy Race" im Norden Englands gilt als einer der anspruchsvollsten Hindernisläufe der Welt. 15 Kilometer lang klettern die Sportler über meterhohe Hindernisse, kriechen durch enge Tunnel, springen durch Feuer, waten durch brusttiefes Wasser und erleiden immer wieder Stromstöße - und das alles Ende Januar. "Die Kälte ist das größte Problem. In manchen Jahren muss bei den Wasserhindernissen erst das Eis durchbrochen werden, damit die Läufer auf die Strecke können", weiß Gerlach.

Etwa 5000 Wagemutige melden sich jedes Jahr an, darunter ein Bruchteil Frauen. Nur circa die Hälfte der Teilnehmer schafft es ins Ziel. Die Pempelforterin war bereits zwei Mal darunter. Sie ist durch ihren Sportkollegen Walter Kreutner auf das Event aufmerksam geworden. Der Reisholzer (62) hat das Rennen schon elf Jahre hintereinander überstanden - und motiviert immer neue Freunde dazu, mitzumachen. "Mudkings" nennt sich die Gruppe - Könige des Schlamms. "Vor ein paar Jahren schaffte er es, meinen Mann Klaus zur Anmeldung zu überreden. Ich kam als Zuschauerin mit. Doch dann packte mich auch der Ehrgeiz", so Gerlach. Auch wenn sie und ihr Mann gut trainierte Läufer sind, bereiteten sie sich immer intensiv auf das Rennen vor. Sie laufen bei jedem Wetter. "Klar ernten wir hin und wieder irritierte Blicke, wenn wir auf dem Kinderspielplatz durch den Sandkasten robben oder irgendwo üben, eine perfekte Räuberleiter zu machen", sagt Gerlach.

Ohne Teamwork sei die Challenge kaum zu machen. Sie arbeitet in einer Werbeagentur, er ist Physiotherapeut. Einen Großteil ihrer Freizeit widmet das Ehepaar dem Sport - wie ihre Freunde. Inzwischen haben die "Mudkings" an vielen ähnlichen Hindernisläufen in Deutschland teilgenommen. Und doch bleibt das "Tough Guy"-Rennen für sie einmalig. "Es gibt viele Unterschiede zu den Angeboten in Deutschland", sagt Kreutner. So sei die Schwierigkeit der Hindernisse in England nicht begrenzt. Die Teilnehmer entbinden den Veranstalter von jedweder Haftung. Hierzulande sei dies aus Versicherungsgründen nicht möglich. Dass die Veranstaltung im Winter und nicht im Sommer ist, macht die Sache nicht einfacher: "Die meisten, die auf der Strecke aufgeben müssen, sind nicht nur erschöpft, sondern völlig unterkühlt", sagt Kreutner. Vor allem aber hebe sich der Lauf durch einen Punkt ab: Er ist nicht kommerziell. Die Teilnahmegebühr geht an einen Gnadenhof für Tiere, auf dessen Gelände die Strecke liegt.

Wer einmal mitgemacht hat, den lässt der "Schlamm-Virus" nicht mehr los. Auch Vanessa Gerlach will wieder mitmachen. Es mache Spaß, seine Grenzen auszuloten. "Man ist immer wieder erstaunt, was man schaffen kann. Und wenn die Teilnehmer-Medaille um den Hals baumelt, sind wir alle so stolz, dass die Anstrengungen schnell wieder vergessen sind."

Quelle: RP
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