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Pempelfort
Heidis dicke Stulle

Pempelfort: Heidis dicke Stulle
Christine Tost hat sich ihren Traum vom eigenen Café erfüllt und an der Münsterstraße gegenüber der Feuerwache das "Sahne & Bier" eröffnet. Die Lampenschirme waren eigentlich ein Fehlkauf, der kurzerhand produktiv umfunktioniert wurde. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Pempelfort. Christine Tost hat an der Münsterstraße das Café "Sahne & Bier" eröffnet. Hier können die Gäste futtern wie bei Muttern, während das Interieur eher den nostalgischen Charme von Omas Wohnzimmer hat. Von Marc Ingel

Was fehlt noch in diesem Stadtteil, wenn einen mittags der Hunger plagt? Diese Frage stellte sich Christine Tost und gab sich die Antwort gleich selbst: Stullen, richtig wie früher bei Muttern, mit ordentlich was drauf. So wie "Heidis dicke Stulle" zum Beispiel mit Bergkäse und Emmentaler, der einem kulinarisch die Socken auszieht, dazu getrocknete Tomaten. Oder den "Fetten Pedro" mit Serrano-Schinken, Birne und Walnuss. Ebenfalls nicht zu verachten: "Der rote Baron" aus Papas Tomatenernte mit reichlich Frischkäse. "Genau das hat hier noch gefehlt", sagte sich Tost und eröffnete vor drei Monaten ihr erstes eigenes Café an der Münsterstraße 30.

"Sahne & Bier" heißt es, was impliziert, dass es hier eben nicht nur Kaffee, Kuchen und Schnittchen, sondern auch durchaus eine kalte Flasche Bier oder ein vernünftiges Glas Wein nach Feierabend gibt. Und noch etwas hebt ihren Laden von der Masse an Bistros und anderen Etablissements mit zweifelhaftem Gemütlichkeitsfaktor ab: Das Mobiliar stammt von Antik-, Floh- und Trödelmärkten, vom Speicher, aus dem Keller, vom Sperrmüll. Es sieht aus wie früher in Omas Wohnzimmer, mit alten Radios (die zum Teil durchaus noch funktionieren), etwas kitschigen Vasen und Zuckerdosen aus Porzellan, dazu jede Menge Fotos von Sabine Tosts Urgroßmutter und Urgroßvater sowie anderen Familienmitgliedern von anno dazumal - ein bisschen bizarr, aber irgendwie urgemütlich.

Lange habe sie nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht, "hier war mir sofort klar, das isses", sagt die gelernte Hotelfachfrau, die zuletzt vier Jahre in Österreich gearbeitet hat. Dass sie irgendwann ihr eigenes Café betreiben würde, sei ihr schon immer klar gewesen, "aber es musste schon alles stimmen". Das Konzept kommt jedenfalls an, unter den Gästen sind Schüler und Studenten ebenso wie Mütter mit Kindern oder hungrige Bürohengste.

Im "Sahne und Bier" ist alles etwas verwinkelt, zudem nicht so zugestellt, "man bewahrt sich hier ein gewisses Maß an Intimität, das war mir wichtig", sagt die Mutter einer kleinen Tochter, die nebenan wohnt und es daher nicht weit hat, wenn morgens um 6.15 Uhr der Wecker klingelt. "Ich backe jeden Morgen drei Kuchen", erzählt die Jung-Gastronomin, die allen Gelüsten gerecht werden möchte. Es gibt ein Frühstück "Tragisch vegetarisch" ("leider langweilig, aber sehr gesund") ebenso wie eine Stulle mit Leberwurst vom Metzger ("so fair stirbt kein Schwein - mit lecker Gürkchen"). Vieles vom Gemüse kommt direkt aus Vaters Gewächshaus, der in Willich einen Betrieb führt.

Aktuell hat Christine Tost noch von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende bis 16 Uhr geöffnet, montags ist geschlossen, "aber das kann ich wohl alles nicht lange so beibehalten". Schon jetzt tue sie sich schwer, die Gäste am frühen Abend vor die Tür zu setzen. Spätestens dann wird eine Aushilfe wie jetzt auch nicht mehr ausreichen. Einen kleinen Mittagtisch bietet die 35-Jährige inzwischen ebenfalls an. Und an Halloween können die Menschen im Stadtteil hautnah miterleben, dass die Uhren im "Sahne & Bier" anders ticken, wenn Christine Tost zur Bad-Taste-Party einlädt: "Alles, was mal so richtig geschmacklos aussieht, anziehen!", animiert sie die Partygäste.

Quelle: RP
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