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Pempelfort
Heimat ist wie Schinkenröllchen

Pempelfort: Heimat ist wie Schinkenröllchen
Die Lehrgangs-Teilnehmer trugen ihr selbst zu Papier gebrachten Texte bei der Abschlusspräsentation vor. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Pempelfort. Teilnehmer eines Volkshochschullehrgangs zur Fachoberschulreife haben sich in einer Schreibwerkstatt mit dem Begriff Heimat auseinandergesetzt. Die verblüffenden Ergebnisse können in einer Ausstellung begutachtet werden. Von Marc Ingel

Heimat bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Diese Erkenntnis ist nicht neu, und sie ist auch nicht unbedingt von der Nationalität abhängig - ein bisschen aber schon, wie die gestrige Präsentation der Ergebnisse einer Schreibwerkstatt von Teilnehmern eines Volkshochschullehrgangs zur Fachoberschulreife zeigte. Die gut ein Dutzend junger Männer und Frauen, die aus ganz unterschiedlichen Ländern stammen, haben Texte zu Papier gebracht, in denen sie beschrieben haben, was ihnen Heimat bedeutet, was sie mit diesem Begriff verbinden. Diese kurzen Gedichte und essayistischen Abhandlungen zeugen von Gefühlen und Erlebnissen, spiegeln Rührseligkeiten und Geborgensein, Trauer und Ängste wider, sie sind aber auch durchaus humorvoll: "I'm am Muslim. Don't panic!" (Ich bin Moslem, keine Panik) schreibt einer. David wiederum verbindet mit dem Begriff vermeintlich simple Begebenheiten: "Heimat, zwei Brötchen, man kennt mich, ich muss nichts sagen, Danke", drückt er seine Empfindungen in einem der "Elfchen" (elf Wörter, um einen Begriff zu beschreiben) aus.

Viele hätten in diesen Tagen ihre ursprüngliche Heimat verlassen, ob Deutschland für sie eine neue wird, müsse sich erst zeigen, sagte Regina Wilhelm-Rath von der VHS zur Begrüßung der Abschlusspräsentation. Die entsprechende Ausstellung ist noch bis kommenden Dienstag an der Franklinstraße 41 im Mehrzweckraum zu begutachten. Dazu zählt auch eine Powerpoint-Präsentation mit Fotos und Kurztexten an einer Tafel sowie Bilder, die von den Teilnehmern eines weiteren Lehrgangs zum Thema Heimat angefertigt wurden. Sie sind in ihrer Aussage ebenso zwiespältig, greifen Tod und Krieg als Motiv auf, zeigen aber auch blühende Gärten oder die offensichtlich gewachsene Verbundenheit zu Schwarz-Rot-Gold.

Es gab gestern mit Volker Neupert vom Düsseldorfer Appell "Respekt und Mut" auch einen Gastredner, der sich durchaus auf witzige Weise mit der Definition von Heimat zu beschäftigen wusste. Dass er selbst in diesem Zusammenhang immer sofort an die Schinkenröllchen seiner Mutter denken müsse, verblüffte die ausländischen Heranwachsenden in mindestens zweifacher Hinsicht - denn von solch einem Gericht hatte noch niemand gehört. In Rheydt wiederum habe er den Satz gehört, "Heimat ist, wo ich mich problemlos in mein W-Lan einwählen kann". So unterschiedlich lassen sich Prioritäten setzen.

Im Rahmen einer kleinen Lesung präsentierten zudem drei Migranten, die schon lange in Deutschland leben, ebenfalls bei einer Schreibwerkstatt von Diakonie und Zakk mitgearbeitet und die Ergebnisse sogar in Buchform herausgegeben haben, Auszüge aus ihren Geschichten. Zum Piepen waren zum Beispiel die Schilderungen des gebürtigen Iraners Said Mirabzadeh, der sich in den 60er Jahren gut in Deutschland eingelebt habe. "Ich hatte jedoch so meine Probleme mit zusammengesetzten Wörtern in der deutschen Sprache." Dass er an der Bar seines Vertrauens bei der Bestellung von Sektsteuer oder Weinzwang, beides hielt er für Getränkesorten, auf Irritationen stieß, überrascht nicht.

"Heimat ist da, wo ich seh', was Liebe bedeutet" schreibt Maurice und trennt die Definition von einer Örtlichkeit. Denn Heimat lasse sich auch einfach nur spüren, so Neupert, "hier wie dort".

Quelle: RP
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