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Pempelfort
Meister Kims Geigen-Kabinett

Pempelfort: Meister Kims Geigen-Kabinett
Sung-Chul Kim restauriert auch historische Geigen: Diese ist mehr als 150 Jahre alt und hatte Risse in der Decke. FOTO: Andreas Bretz
Pempelfort. Der Traum von einer Karriere als Musiker platzte für Sung-Chul Kim im Studium. In der Szene kennt man ihn aber dennoch: In Pempelfort repariert und baut er Instrumente. Von Semiha Ünlü

Vor 20 Jahren kam Sung-Chul Kim von Süd-Korea nach Deutschland, um Musik zu studieren und Profi-Musiker zu werden. Doch der Traum von einer Karriere als Oboist zerplatzte schon während seines Studiums. "Ich bekam gesundheitliche Probleme, das, was man die Musiker-Krankheit nennt: Ich verlor die Kontrolle über die Feinmotorik", sagt Kim. Schweren Herzens brach der Süd-Koreaner sein Studium ab: "Das war eine sehr schwierige Zeit für mich." Lange suchte der junge Mann nach einer Möglichkeit, dennoch in der Musik-Branche zu bleiben - und begann eine Ausbildung zum Geigenbauer.

200 Stunden Arbeit und mehrere Holzarten - zum Beispiel Fichte für die Decke - stecken im Bau einer Geige. Deswegen kostet ein Instrument um die 10.000 Euro. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

An der Duisburger Straße 117 hat Kim vor acht Jahren seine Werkstatt mit angeschlossenem Verkaufsraum eröffnet und sich einen Namen in der Musiker-Szene aufgebaut: Viele Nachwuchs- wie Profi-Musiker, zum Beispiel Studenten der Robert-Schumann-Hochschule oder Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker, kommen zu ihm, wenn ihre Instrumente repariert werden müssen. Oder sie sich eine Geige - zum Beispiel nach dem Vorbild Stradivaris oder Guarneris - bauen lassen wollen.

"Es hilft sehr, dass ich Musik studiert habe und aus eigener Erfahrung weiß, wie wenig zufriedenstellend ein Besuch bei einem Geigenbaumeister sein kann", sagt Sung-Chul Kim. Als Musik-Schüler und -student habe er sich in einer Werkstatt oft nicht verstanden gefühlt. "Was für einen Geigenbaumeister vielleicht eine Kleinigkeit ist, ist für einen Musiker die Welt", sagt Kim. Oft habe man Kim mit seinem Problem nicht weiterhelfen können - wenn er zum Beispiel unzufrieden war mit dem Klang seiner Oboe.

Wenn Musiker zu Kim in die Werkstatt kommen, lässt er diese deswegen immer auch vorspielen: "Ich muss mir ihre Spieltechnik ansehen, verstehen, welche Nuance ihnen beim Klang missfällt." Manchmal müsse eine Saite ausgewechselt werden, manchmal Risse am Instrument ausgebessert, eine Schnecke ausgetauscht oder der Klang eingestellt werden.

Profi-Musiker kommen auch zu ihm, um eine Geige nach historischem Vorbild bauen zu lassen. "Sie lassen sich Kopien ihrer 200 bis manchmal 300 Jahre alten Geigen anfertigen, weil sie ihre historischen Instrumente schonen wollen", sagt Kim. Dafür sei es wichtig, dass beide Seiten genaue und übereinstimmende Vorstellungen von dem haben, wie die Geige am Ende aussehen und klingen soll. Denn der Bau sei anspruchsvoll: So brauche man Sorgfalt und Geschick für die millimetergenaue Holzbearbeitung, ein sehr gutes Gehör, einen Sinn für Ästhetik (um Oberflächen zu gestalten), physikalisches Wissen (um etwa zu wissen, welche Auswirkungen die Auswahl von Holzsorten oder Lackierungen auf die Klangfarbe des Instruments haben) und technisches Verständnis, um Materialien wie Holz manuell und maschinell zu bearbeiten.

"Als ich mein Studium abbrechen musste und mit dem Geigenbau anfing, war das eine große Umstellung. Andererseits helfen mir aber die Musiker-Erfahrungen bei meiner jetzigen Arbeit", sagt Kim. Wenn er in seinem Kabinett werkelt, sei er zufrieden. "Jeder Bau, jede Reparatur eines Instruments ist etwas Besonderes und immer anders. Und ich wollte unbedingt bei der Musik bleiben. Das passt alles sehr gut."

Kontakt Tel. 15760333

Quelle: RP
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