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Pempelfort
Schachtische sollen schöner werden

Pempelfort: Schachtische sollen schöner werden
Im Jardin du Luxembourg in Paris ist es an manchen Tagen so voll, dass die Leute Schlange stehen, bis sie einen Tisch bekommen. Rentner kommen ebenso wie junge Leute und Touristen. Schachspielen im Jardin gehört ein bisschen zum Lebensgefühl dazu. FOTO: imago
Pempelfort. Paris, New York, Kiew - in allen Städten stehen sie, die Tische mit dem Karomuster drauf. Dort werden sie eifrig bespielt. In Düsseldorf sei der Bedarf da, meint die SPD - aber die unansehnlichen Tische im Hofgarten will keiner mehr nutzen. Von Nicole Kampe

In den tiefen Straßenschluchten wird es an manchen Tagen so unerträglich heiß, so stickig, dass die Menschen fliehen. In den Schatten, in die Parks, dort, wo die Luft noch frisch ist und der Wind ein bisschen Platz findet. Der Washington Square Park ist so ein Platz im Süden von Manhatten, zwischen Uni und Bankentürmen, die bis in den Himmel ragen. In Paris finden die Menschen im Jardin du Luxembourg einen Zufluchtsort, in der ukrainischen Hauptstadt Kiew im Schewtschenko-Park. Für die Düsseldorfer Innenstadt gilt der Hofgarten als Zufluchtsort, wenn die Sonne scheint und man das Bedürfnis hat, ein bisschen Natur um sich zu haben. Unterschiedlicher könnten die Anlagen wohl nicht sein - klar, grün sind sie alle irgendwie.

Gemein ist ihnen aber, dass die Besucher in allen Anlagen kleine Steintische finden mit Karo-Mustern drauf und Stühlen drumherum, Tische, die für Schachspieler gemacht wurden und die zumindest in New York, in Paris und in Kiew eifrig genutzt werden. Nur die Düsseldorfer Exemplare, die sich gleich an der Inselstraße befinden, die will niemand mehr bespielen, weil sie schmutzig sind und grau, manche inzwischen beschädigt, mit Graffiti beschmiert. Und ein Muster ist darauf kaum noch zu erkennen.

Dabei ist der Bedarf da, meinen Moira Obendorf und Christian Zimmermann von der SPD, die in der Sitzung der Bezirksvertretung 1 jetzt einen Antrag gestellt haben, diese Tische reinigen und aufwerten zu lassen. "Es kommt niemand mehr, weil die Tische nicht mehr ansehnlich sind", sagt Zimmermann, der seinen Antrag nicht lange begründen musste - selten ist man sich so einig gewesen in der gestrigen Sitzung; die Schachspielplätze müssen wieder schöner werden. "Dann treffen wir uns im Sommer alle im Hofgarten zum Schachturnier", witzelte Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner (SPD), die sich nicht mehr erinnern kann, seit wann es diese Tische dort gibt, "sicher schon Jahrzehnte", sagt sie. Ein bisschen hat auch sie das Bild vor Augen von Paris, wo es solche Tische gibt und auch riesige Schachflächen mit mannshohen Figuren. Den Jardin du Luxembourg, in dem das berühmte Karussell steht, das Rainer Maria Rilke zu seinem Gedicht "Das Karussell" inspirierte, in dem die Kinder auf kleinen Holzpferden schaukeln und betagte Frauen sonntags im weißen Kostüm spazieren. In dem - vorzugsweise - Männer mit kleinen Holzkisten unter dem Arm unterwegs sind, die sich paarweise auf die vielen Tische verteilen, die Hüte tragen, manchmal Stunden dort an den Schachtischen verbringen, mit Bekannten oder Fremden. Ähnlich sieht es in Kiew aus - dort kommen die Menschen sogar, wenn es kalt ist, eingepackt in dicke Mäntel und Schals. Richtig edel ausgestattet ist der Park in Manhatten, eine Marmoroptik haben die Flächen dort, die halbmondförmig angeordnet sind unter einer Baumreihe, an denen junge Typen sitzen mit Baseball-Caps und Geschäftsleute im Anzug, die ihre Mittagspause mit einer Runde Schach verbringen. Kunst, Wissenschaft und Sport ist Schach, das aus dem Persischen kommt und königliches Spiel bedeutet. Es passt so gut nach Düsseldorf, in den Hofgarten, der gleich am Schloss Jägerhof liegt.

Quelle: RP
 
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