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Pempelfort
So wertvoll ist ein kleines Steak

Pempelfort. Manssur Basam betreibt in Pempelfort Restaurants, die Fleischliebhaber aus ganz Europa schätzen. Sein neuestes setzt auf Kaviar, Kalbfleisch und Kobe-Rind. Von Torsten Thissen

Ein wenig seltsam wirkt das schon, wenn Manssur Basam am Abend in seinen Porsche 911 GTS4 steigt. Damit ist er in knapp vier Sekunden auf 100 Stundenkilometer, doch er kommt nie soweit. Er fährt ja nur drei Blocks, von einem Restaurant zum anderen, steigt aus, begrüßt ein paar Leute, redet, trinkt Kaffee und dann fährt er wieder zurück, wieder drei Blocks, um wieder auszusteigen und dort Leute zu begrüßen. Parken kann er vor seinen Läden, er hat extra Plätze angemietet für sich und seine Gäste, damit die einfach nur den Schlüssel abgeben können, ihr Auto wird dann geparkt. Einer ist aber immer seiner.

Wahrscheinlich ist es eine ziemlich effiziente Lösung, Desserts auszugeben und Kontakte zu pflegen, zumal Basam seit drei Wochen einen neuen Anfahrpunkt hat. Das "Golden Calf", auf der Moltketraße, immerhin gut 250 Meter entfernt vom "Classic Western Steakhouse" und dem "Reef and Beef". Das eine ist eben ein Steakhaus, das andere kombiniert Steak mit Fisch, Garnelen und Hummer, das dritte Restaurant aber kombiniert Kaviar-, Kobe- und Kalbsfleischgerichte. Für Menschen, die nicht auf Geld achten müssen oder wollen, wenn sie ein Restaurant besuchen, ist das "Golden Calf" eine eigene Erfahrung. Echtes Fleisch von Kobe-Rindern, das bei Basam für 89 Euro pro 100 Gramm über den Tisch geht (inklusive Beilagen), ist mit keinem anderen Fleisch zu vergleichen. Beluga-Kaviar spielt in einer anderen Liga. Fraglos tischt Basam das Edelste auf, was man essen kann. Manche sagen, das sei dekadent, andere wenden ein, dass die wahre Dekadenz ja eher das Schweinefleisch beim Discounter für 4,50 Euro pro Kilogramm sei. Es kommt auf die Betrachtungsweise an. Der Geschmack der hier gebotenen Produkte jedenfalls ist einzigartig.

Basam hat immer einen Tablet-Computer dabei, auf dem er sehen kann, was in seinen Läden passiert. Er hat gern alles unter Kontrolle, und er hat ein bisschen Angst, dass es mal nicht mehr so gut läuft wie zur Zeit. So wie damals, als er aus Russland nach Deutschland kam. Basam ist Afghane. In Russland hat er studiert, doch als sein Studium beendet war, konnte er nicht mehr zurück in seine Heimat. So kam er Mitte der neunziger Jahre als Flüchtling nach Deutschland. In Hessen lebte er zunächst vier Monate in einem Asylbewerberheim, so lange dauerte es, bis er arbeiten konnte. Danach arbeitet er in einer Plastikfabrik, bis er im Nachbarort eine Stelle in einem italienischen Restaurant bekam. Sein Kollege kam aus dem Libanon, doch der Betreiber gab ihm italienische Namen. Hier entdeckte Basam seine Leidenschaft für die Gastronomie. Er arbeitete sich hoch, war zuletzt Restaurantchef in Frankfurt, dann kam die Idee mit dem Steakhouse. Düsseldorf schien ihm geeignet zu sein.

Es war nicht einfach, ein geeignetes Objekt zu finden, eines, dass er auch bezahlen konnte. Doch schließlich fand er es in der Tußmannstraße. Nach 56 Besichtigungsterminen fand er sogar eine Wohnung für sich und seine Familie in der Nähe. Inzwischen leben er, seine Frau und die drei Kinder auf dem Land. Basam weiß, das Konzept des "Golden Calf" ist gewagt, doch das waren die anderen auch, sagt er und fügt hinzu: "Wenn es in Düsseldorf nicht klappt, wo dann?"

Quelle: RP
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