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Pempelfort
Vier Hände für Molyvos

Pempelfort: Vier Hände für Molyvos
Junge Festival-Gründerinnen: Danae (24) und Kiveli (20) Dörken in der Clara-Schumann-Musikschule in Düsseldorf (von links). FOTO: Ludwig Krause
Pempelfort. Mitten in der Finanzkrise organisieren zwei junge Pianistinnen aus Düsseldorf ein Klassikfestival auf Lesbos. Die Geschichte von einer verrückten Idee, ihrer noch verrückteren Umsetzung und deutsch-griechischer Freundschaft. Von Ludwig Krause

Dieses Lachen. Herzlich, warm, vor allem aber laut. Wie sie dabei den Kopf nach oben reißen, die Hände durch die Luft fliegen lassen. "Wir sind manchmal schon sehr griechisch", sagt Danae Dörken (24) und schaut ihre Schwester Kiveli (20) an. Die eine trägt ihre schwarzen Locken offen, die anderen hat sie mit einem roten Tuch hochgebunden. "Wenn wir telefonieren, hört das der ganze Zug." Und dann wieder: dieses Lachen.

Danae und Kiveli Dörken sind in Düsseldorf aufgewachsen, haben in der Stadt ihre Liebe zur Musik entdeckt und und am Cecilien-Gymnasium in Niederkassel ihr Abitur gemacht. Beide beschließen früh, ihr Leben dem Piano zu widmen. Spielen und gewinnen Wettbewerbe, gehen bei Karl-Heinz Kämmerling in Hannover in die Lehre. Die Schwestern haben immer zwei Welten verbunden: Schule und Konzertreisen, Deutschland und Griechenland. Ihr Vater ist in Wuppertal geboren, ihre Mutter auf Lesbos. "Unsere Familie stammt aus dem Dorf Molyvos", sagt Kiveli. Wer Bilder davon im Internet sucht, findet ein ruhig daliegendes Fischerörtchen, über allem thront die mittelalterliche Burg. "Jeden Sommer haben wir dort verbracht."

Die perfekte Idylle, aber bestimmt kein Ort für ein Musikfestival. "Es gibt keinen Konzertsaal, keine Notenständer", sagt Danae. Und genau deshalb haben sie alles auf die Insel geschleppt: Ausrüstung und Künstler von der ganzen Welt - für ein internationales Musikfestival hoch oben auf der Burg von Molyvos. "Dafür waren viele Helfer notwendig, ohne die wir das niemals geschafft hätten", sagt Kiveli. Der Flügel wird aus Athen herbeigeschleppt, die letzten 200 Meter auch ohne Straße. Tragen, ziehen, irgendwie. Die Kamera läuft dabei immer mit. Eine 50-minütige Dokumentation ist entstanden. Sie setzt genau wie das Festival selbst ein Ausrufezeichen in einer Zeit, in der Lesbos vor allen Dingen als Flüchtlings-Hotspot in den Abendnachrichten eine Rolle spielt. "Wir haben gemerkt, wie groß der Hunger der Menschen nach Kultur ist", sagt Danae. Alle Konzerte des Festivals sind ausverkauft, die Resonanz übertrifft alle Erwartungen. "Es ist aber auch bewegend zu sehen, wie sehr die Menschen in Deutschland sich damit verbunden fühlen", sagt Kiveli. Die Dokumentation wird auch hier ein Erfolg - erst in Berlin, gestern Abend in der Clara-Schumann-Musikschule in Pempelfort gezeigt. Dabei spielten natürlich auch die Schwestern selbst auf der Bühne. Strawinskys "Le sacre du printemps", vierhändig. Für Lesbos und Molyvos, wo vom 16. bis zum 19. August die zweite Ausgabe des Festivals stattfindet. Es trägt den Titel "Crossroads", Kreuzungen. "Weil auf der Insel immer schon Kulturen aufeinandergetroffen sind", sagt Danae. Weil jetzt viele Flüchtlinge auf der Insel ankommen, sie als Tor zu Europa sehen, sich Ost und West treffen. "Und weil wir die Musik aufeinandertreffen lassen wollen", sagt Kiveli. Klassik, Jazz, Künstler und Komponisten. Molyvos soll die Vielfalt der Kunst und die der Menschen zeigen. "Wir wollen nicht die Unterschiede der Menschen zeigen, sondern das Verbindende feiern."

Bis es so weit ist, muss aber noch viel organisiert und geprobt werden. "Manchmal sind wir sehr deutsch", sagt Danae. Etwa, wenn es um Pünktlichkeit geht. Sie schauen sich kurz an, dann bricht es wieder heraus: dieses Lachen.

Quelle: RP
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